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Bildung

„Das Buch bleibt Leitmedium“

Im Interview: Jurorin Simone Lässig über den Preis „Schulbuch des Jahres“

Zum zweiten Mal vergeben das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung und die Leipziger Buchmesse den Preis „Schulbuch des Jahres“. Die Auszeichnung gilt herausragenden Lehrwerken in den Bereichen Sprache, Gesellschaft und Naturwissenschaft

Eine Jury wählt die Lehrwerke aus, die darauf hoffen dürfen, am 15. März auf der Leipziger Buchmesse zum Schulbuch des Jahres gekürt zu werden.

Das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung untersucht Schulbücher und andere Bildungsmedien aus kulturwissenschaftlich-historischer Perspektive und trägt seine Forschungsergebnisse in Wissenschaft, Politik und Bildungspraxis hinein. Die JOURNAL Redaktion sprach mit Prof. Dr. Simone Lässig, Schulbuchpreis-Jurorin und Direktorin des Braunschweiger Leibniz-Instituts über die Zukunft des Schulbuchs, Chancengleichheit im digitalen Klassenzimmer und die Auszeichnung „Schulbuch des Jahres“.

In Zeiten von Google ist das Wissen überall verfügbar und ändert sich sehr schnell. Frau Prof. Lässig, warum brauchen wir trotzdem noch Schulbücher?

Verfügbarkeit von Wissen und Wissensvermittlung sind zwei verschiedene Dinge. Das Schulbuch ist ja viel mehr als ein Wissensspeicher. Es soll auch die Kompetenzen vermitteln, die man braucht, um sich Wissen anzueignen und zu erschließen.

Je komplexer das Weltwissen ist, desto mehr müssen Schüler lernen, auszuwählen, Wissen zu gewichten und sich im Informationsdschungel zu orientieren. Je besser das Schulbuch diese Aufgabe erfüllt, desto größer wird die Chance, dass Schülerinnen und Schüler eigenständiges und kritisches Denken entwickeln.

Und warum brauchen wir einen „Schulbuchpreis“?

Debatten zu Schulbüchern werden häufig über Fehler und Qualitätsdefizite geführt. Grundsätzlich ist Kritik nicht verkehrt, natürlich müssen wir an Lehrwerke sehr hohe Ansprüche stellen. Ich bin aber überzeugt, dass man dies am besten unterstützt, indem man bewusst Lehrwerke hervorhebt, die ihre Sache besonders gut machen.

Wenn man die Preisträger 2012 betrachtet, dann eint sie, dass sie – jedes auf seine Weise – bestimmte Aspekte ganz herausragend gelöst haben, die wir für sehr wichtig halten: Sie orientieren sich zum Beispiel sprachlich und thematisch an der Lebenswelt der Schüler. Einem Schulbuch ist es mustergültig gelungen, in mathematische Probleme so alltagsnah und anschaulich einzuführen, dass sich auch leistungsschwachen Schülern ein Zugang zur Mathematik eröffnen kann.

Neuerungen im Schulbuch erfordern oft kluge, manchmal auch mutige redaktionelle Entscheidungen der Schulbuchautoren und eine gute Portion Leidenschaft. Beides wollen wir mit dem Preis würdigen und sichtbar machen, und ich denke, dass dies auch ein Ansporn für Schulbuchverlage und -autoren ist.

Was machen Sie in dieser zweiten Runde anders?

Wir haben konkret zwei Dinge verändert: Im ersten Jahr haben wir uns mit Lehrwerken für die Sekundarstufe I beschäftigt und hervorragende Titel ausgezeichnet. Für die zweite Runde haben wir die Verlage aufgerufen, uns die aus ihrer Sicht besten Schulbücher für die Sekundarstufe II einzureichen. In Zukunft sollen sich die Schulstufen dann abwechseln, sodass wir durchgängig einerseits eine gute Orientierung für Lehrkräfte und Eltern geben und andererseits immer wieder aufs Neue Anreize für Autoren und Verlage setzen können, ihre Bücher noch besser zu machen.

Neu ist außerdem, dass wir einen Preis für zusätzliches Unterrichtsmaterial vergeben. Hier gibt es sehr viele preiswürdige Innovationen. Diese Materialien sind aber nicht mit staatlich zugelassenen Lehrwerken vergleichbar, die den Lehrplänen entsprechen müssen. Ob aber Schulbuch oder Zusatzmaterial – für die Gestaltung des Unterrichts und den Lernerfolg sind beide Produktgruppen bedeutsam, und dem wollen wir mit dieser Kategorie 2013 auch Rechnung tragen.

Die Verlage sind jetzt gerade mit einer Plattform für digitale Lehrwerke an den Start gegangen, es entstehen Modell-Laptop-Klassen. Wie wird die Zukunft im Klassenzimmer aussehen, wird es das Schulbuch in ein paar Jahren überhaupt noch geben?

Das Schulbuch wird mit großer Sicherheit nicht verschwinden; im Unterricht wird es ein Leitmedium bleiben. Ob es auf Papier erscheint oder in digitaler Form zum Standard wird, hängt auch davon ab, wie schnell die Schulen die technischen Voraussetzungen schaffen können – wir müssen dabei besonders im Auge behalten, dass die Arbeit mit Notebooks und anderen technischen Geräten allen Schülerinnen und Schülern gleiche Chancen bieten muss, diese auch zu nutzen.

In jedem Fall ist abzusehen, dass elektronische Medien für die Vermittlung und den Erwerb von Wissen weiter an Bedeutung gewinnen werden. Digitale Schulbücher haben kein Gewicht und sind überall dort nutzbar, wo ein Computer, Tablet oder Smartphone verfügbar ist. Korrekturen können direkt via Internet verteilt werden. Digitales Material lässt sich gut an die spezifischen Bedürfnisse der einzelnen Lerner und Lerngruppen anpassen; Zusatzaufgaben und Fördermaterial lassen sich sehr gut einbinden. Und wenn es gelingt, elektronische Materialien auch barrierefrei zugänglich zu machen, ist das ein enormer Schritt in Richtung Inklusive Bildung.

In jedem Fall wird es interessant sein zu beobachten, wie sich das Lernen im Klassenzimmer und das Schulbuch in Zukunft entwickeln werden.

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