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Mathe ist überall – auch zuhause

So können Grundschullehrer Eltern beim Fördern helfen

Juliane & Timo Leuders

Rechenkompetenz festigt sich am besten, wenn sie auch zuhause gefördert wird. Doch viele Eltern wissen nicht so recht, wie sie das anstellen sollen. Mit ein paar simplen, aber effizienten Tipps machen Sie es den Eltern einfach – und binden sie zugleich ins schulische Förderkonzept ein

Als Lehrkraft, die für das Fach Mathematik ausgebildet ist, haben Sie nicht nur pädagogische Kompetenzen. Sie beherrschen ihr Fach soweit, dass sie mit den vielfältigen Situationen im Unterrichtsalltag umzugehen wissen: Sie kommunizieren mit den Schülern über ihre mathematischen Ideen, Sie diagnostizieren Schwächen und können für eine angemessene Förderung die Aufgaben im Schulbuch auswählen und einsetzen.

Aber auch Eltern sind in das Mathematiklernen ihrer Kinder eingebunden, sie begleiten es und sind damit immer wieder vor die Aufgabe gestellt, selbst die behandelten Inhalte zumindest grundlegend zu verstehen. Das kann mitunter zu einer enormen Herausforderung werden. Fragen kommen auf: Habe ich das nicht mal in der Schule gelernt? Warum habe ich so wenig davon behalten? Wenn Lücken im eigenen Mathematikverständnis da sind, wird es schwierig, den eigenen Kinder bei den Mathe-Hausaufgaben oder beim Lernen zu helfen. Viele Eltern würden gerne selbstsicherer zur Hilfe kommen. Natürlich sind sie keine Ersatzlehrer; trotzdem ist es wichtig, mit ihnen zu kooperieren, um das Mathelernen in der kindlichen Lebenswelt fest zu verankern.

Fünf Tipps für richtiges Fördern

Welche Wege führen oft zu kleinen Erfolgen? Was sind die schlimmsten Fehler, die Eltern machen können? Hier die wichtigsten Ratschläge, die Sie den Eltern mitgeben können:

1

Sagen Sie Ihrem Kind nie: „In Mathe war ich auch immer schlecht“ Oder: „In Mathe muss man halt begabt sein.“

Wenn Sie Ihrem Kind die „Ausrede“ anbieten, es sei völlig in Ordnung, Mathematik nicht zu können, eröffnen Sie womöglich eine Spirale aus Leistungsschwäche und Abneigung.

2

Behaupten Sie nie: „Das muss man halt lernen, aber gebrauchen kann man das nicht. Das hab ich auch nie wieder gebraucht.“ Die Inhalte der Lehrpläne sind zum größten Teil sinnvoll ausgewählt. In den meisten Berufen werden heutzutage solide Mathematikkenntnisse vorausgesetzt und wer weiß schon, welche Wege die Kinder einmal einschlagen werden. Wenn Sie Ihr Kind dann aber mit obiger Aussage trös- ten wollen, schwindet seine Lern- motivation.

3

Sagen Sie Ihrem Kind nie: „Ich hab das so gelernt: Schau her, ich zeig dir, wie man das macht.“ Die Lösungswege, die heute in der Schule vermittelt werden, sind manchmal ganz anders als die Verfahren von früher. Wenn Ihr Kind nun von Ihnen (oder einem Nachhilfelehrer) noch einen weiteren Weg lernt, kann es sein, dass es schon bei den nächsten Aufgaben damit scheitert, weil er nicht passt oder weil es ihn nur unverstanden nachgeahmt hat. Es lohnt sich also, mit dem Sohn oder der Tochter gemeinsam nachzudenken oder nachzuschauen: Wie wurde es denn in der Klasse oder im Schulbuch erklärt?

4

Geben Sie nie nach, wenn ihr Kind fordert: „Sag mir doch einfach, was ich tun soll. Ich will das ja gar nicht verstehen.“ Kinder, die an Mathematikaufgaben keine Freude haben, arbeiten im Grunde so wie wir alle: Wir wollen das Unangenehme schnell „vom Tisch“ bekommen. Aber diesem Impuls sollten Sie nicht nachgeben. Verstehen ist nämlich wichtiger als Erledigen – kein „nettes Beiwerk“, sondern entscheidend für den Lernerfolg. Auswendig gelernte, unverstandene Formeln und Rechenverfahren bleiben nicht lange im Gedächtnis und stellen eine schwierige Ausgangsposition für das Verständnis der weiteren, folgenden Inhalte dar. Fragen Sie lieber:

• Wo ist das denn erklärt? Welche Hilfen habt ihr dazu?

• Wo habt ihr früher schon mal so etwas Ähnliches gemacht?

• Was bedeutet es, wenn ihr das so macht? Was bedeutet es für dich?

5

Nutzen Sie im Alltag Gelegenheiten, die mathematischen Fähigkeiten Ihres Kindes zu fördern. Viele Spiele, ja sogar manche Computerspiele fördern das Kopfrechnen, das Vorstellungsvermögen und das problemlösende Denken. Im Alltag gibt es eine große Zahl von Situationen, in denen Sie ihr Kind mathematisch herausfordern können: beim Kochen und Einkaufen, beim Kontrollieren von Rechnungen, mit Überschlägen, Strompreisen und so weiter, insbesondere beim Handwerken und Konstruieren: Kinder, die gerne basteln und bauen, tun mehr für ihr geometrisches Vorstellungsvermögen, als die Schule fördern kann.

Fördern ist Teamwork

Die Ratschläge an Eltern haben gezeigt: Die Erziehenden sind direkt oder indirekt immer mit dabei, wenn es ums Mathematiklernen geht. Aber auch andere Menschen „mischen sich ein“. Da sind die Mitschüler, deren Meinung für ein Kind oft wichtiger ist, als es zugeben wird. Und dann sind da vielleicht noch Nachhilfelehrer, die Eltern vor der Klassenarbeit engagiert haben. Nicht immer passt zusammen, was Kinder von diesen unterschiedlichen Impulsgebern erfahren. Profis für das schulische Lernen sind die Lehrerinnen und Lehrer. Aber auch Eltern sind Profis, wenn es um ihr Kind geht – um seine Geschichte als Lerner, Vorlieben und Abneigungen, Stärken und Schwächen und vor allem seine Potenziale. Nichts kann daher für das Kind besser sein als eine gelungene Kommunikation zwischen allen Beteiligten über das häusliche Lernen und Üben, den Nachhilfeunterricht, oder auch über Lernschwierigkeiten und Anzeichen von Hochbegabung.

Juliane Leuders

Sonderpädagogin, Lehrerin für Mathematik und Geografie; Dozentin an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg

Timo Leuders

Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik und Musik; Professor für Mathematikdidaktik an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg

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