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Schule unterwegs

Lernen ahoi!

Klassenfahrten ans und auf dem Wasser stärken Teamgeist und Fitness

mho

Der nächste Sommer kommt bestimmt. Warum nächstes Jahr nicht mal mit der Klasse ans Wasser reisen? In der Auseinandersetzung mit diesem Element lassen sich verschiedenste Ziele erreichen: die Stärkung des Klassenzusammenhalts etwa, das Kennenlernen neuer Sportarten und Länder oder auch das Erlernen einer Fremdsprache

Fast drei Viertel der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Dass Klassenfahrten dorthin führen und konsequent das Erlebnis an, in und auf diesem Element in den Mittelpunkt stellen, ist aber eher die Ausnahme als die Regel. Viele Lehrer sind nun einmal – pardon – Gewohnheitstiere und wählen die Klassenfahrt-Ziele oft nach seit Jahren bewährten Kriterien und Lernzielen aus. Surfen? Kajak fahren? Oder gar segeln? Dass auch das (erlebnis-)pädagogisch wertvoll sein kann, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Oder es scheint ihnen zu teuer, zu kompliziert, zu gefährlich. Doch es lohnt sich, die ausgetretenen Klassenfahrt-Pfade zu verlassen. Warum nicht mal mit dem Plattbodenschiff übers niederländische Ijsselmeer oder über die Ostsee nach Schweden schippern? Oder mit dem Surfbrett über die Dünung mediterraner Gewässer gleiten? Die sozialen, sportlichen und kulturellen Erfahrungen, die die Schüler dabei machen, werden ihnen unvergesslich im Gedächtnis bleiben und sie auch in der persönlichen Entwicklung ein großes Stück vorwärts bringen.

Erlebnispädagogischer Hintergrund

Viele der Wassersport- und Segelangebote orientieren sich an den Wirkweisen und Zielen der Erlebnispädagogik. Diese zeichnet sich aus als handlungsorientierte Methode, die bevorzugt im Lern- und Erfahrungsraum Natur, manchmal aber auch in urbanen Bereichen zur Anwendung kommt. Die Methodik setzt eine jahrgangsgerecht kalkulierte Dramaturgie voraus: das pädagogisch zielgerichtete Arrangement einer nicht-alltäglichen Situation, aus der für den Einzelnen ebenso wie für die Gruppe eine Herausforderung entsteht – und die Motivation, sich aktiv damit auseinanderzusetzen. Ziel ist es, in diesem Prozess Erfahrungen zu sammeln, aus denen für den Alltag ein Zuwachs vor allem an Selbst- und Sozialkompetenzen erwachsen soll.

Als Prinzipien zu Grunde liegen sollten dieser Methode u. a. Handlungs- und Werteorientierung, Ganzheitlichkeit, Eigenverantwortung, Freiwilligkeit, Challenge by Choice, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Ebenso sollte es selbstverständlich sein, dass die pädagogische, kompetenz- und ressourcenorientierte Arbeit des ausführenden Teams die rechtlichen, (sicherheits-)technischen und bildungspolitischen Anforderungen erfüllt.

Bewährte Konzepte und Methoden basieren auf den Ideen der Reform- und Erlebnispädagogik, entwickelt u. a. von Johann Heinrich Pestalozzi, Kurt Hahn und John Dewey. Außerdem berücksichtigen sie neue Erkenntnisse der Lernpsychologie und Gehirnforschung, etwa von Manfred Spitzer und Gerald Hüther.

Hochgesteckte Ziele

Die Teilnehmer sollen sich in zweckdienlich arrangierten Situationen und spielerischen Herausforderungen das eigene Verhalten und Selbstverständnis bewusst machen. Das Arrangement muss genügend Reflexionsraum bieten, in dem sich folgende Kompetenzen entwickeln und vertiefen können:

  • Selbstkompetenz – individuelle Haltungen und Fähigkeiten wie etwa Begeisterungsfähigkeit, Belastbarkeit, Leistungs- und Lernbereitschaft, Selbstmanagement und Selbstwahrnehmung;
  • Sozialkompetenz – Bereitschaft und Fähigkeit im Umgang mit anderen Menschen, wie etwa Empathie, Verantwortungsbewusstsein, Kommunikations-, Konflikt- und Kooperationsfähigkeit;
  • Sachkompetenz – körperliche und intellektuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten, Kenntnis und Anwendung von Gesprächs- und Feedbackregeln.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass daraus ein ganz neues Verhältnis zur Lebenswelt des Alltags entstehen kann. Wer diese Kompetenzen entwickelt, öffnet sich zugleich für lebenslanges, erfahrungs- und handlungsorientiertes Lernen und erweitert individuelle Handlungs- und Gestaltungsfertigkeiten in Privat- und Berufsleben.

All diese Aspekte lassen sich am, im und auf dem Wasser hervorragend verwirklichen.

Segeln: Ohne Teamwork geht gar nichts

Plattbodenschiffe wie dieses kreuzen oft auf dem Ijsselmeer – auch mit Schulklassen an Bord

Auf einem Segeltörn, bei dem jeder mit anpacken muss, erweitern Schüler ihre Sozialkompetenz, lernen Verantwortung, neue Fertigkeiten und – je nach Konzept der Fahrt – auch Fremdsprachen.

Beliebter Schauplatz dafür ist zum Beispiel das niederländische Ijsselmeer. Wer schon einmal entlang niederländischer Grachten spaziert ist, hat vielleicht diese altehrwürdigen Kähne mit den seltsamen Seitenschwertern bewundert. Dies sind sogenannte Plattbodenschiffe, von denen viele seetüchtig restauriert wurden und auch für Ijsselmeer-Törns gechartert werden können. Sie haben einen – der Name deutet es an – flachen Kiel, dank diesem die Schiffe auch bei Niedrigwasser fahren und bei Ebbe im Watt stehen können. Haben sie genug Wasser unterm Kiel, lassen sie die Seitenschwerter herunter und nehmen es dann auch mit stärkerem Seegang auf.

Ausgehend von den Hafenstädten am Ijsselmeer und an der Waddenzee, kann man diese Boote für Gruppenreisen chartern oder auch als Einzelperson einen Törn buchen. Gerade für Gruppen kann ein solcher Segeltörn ein faszinierendes Erlebnis sein – sinnvoll auch nach gruppendynamisch-pädagogischen Gesichtspunkten.

Es gibt Boote unterschiedlichster Komfortklassen, angefangen von einfacher Ausstattung mit Schlafsälen bis hin zur Luxusvariante mit 2-Bett-Kabinen inklusive Nasszelle. Aber auf allen Booten kann man die Faszination des Segelns erleben, denn alle sind nur mit einer kleinen Besatzung von zwei bis drei Mann oder Frau besetzt – und erfordern, dass die Gäste mit anpacken müssen. Die Stammcrew erklärt und leitet an, die Mitsegler führen aus. So merkt jeder schnell, dass man ein solches Boot nur gemeinsam segeln kann.

Meist stehen nicht allzu lange Tagesetappen auf dem Plan, sodass man abends immer wieder in einem der alten Hafenstädtchen an Ijsselmeer und Waddenzee vor Anker geht. Je nach Dauer der Reise kann man mit dem Boot z. B. die Westfriesischen Inseln ansteuern oder auch ein paar Tage durch Kanäle und Seen des Binnenlandes schippern.

Auch die Ostsee hat sich zu einem beliebten Segelrevier gemausert. Der Veranstalter ELSA-Segelreisenreisen etwa bietet Törns auf Großseglern an, die teilweise sogar bis nach Schottland führen – Sprachkurs inklusive. Hier gibt es weitere Informationen:

www.naupar.nl | www.frisian-sailing.com | www.t-s-c.de

www.elsa-segelreisen.de

Wassersport für intensive Bewegungserfahrungen

Körperlich anspruchsvoll sind auch manche Reiseangebote, die an die Gestade südlicher Küsten führen. Ob am Golf von Biscaya oder an der kroatischen Adria: Vielerorts haben deutsche Veranstalter Stützpunkte eingerichtet, die den Aufenthalt ganz auf wassersportliche Aktivitäten wie Wellenreiten und Kajakfahren ausgerichtet haben – natürlich nicht ohne lehrreiches Sight-seeing zu vergessen. Bei meist warmem Wetter und angenehmen Wassertemperaturen können sich die Schüler darauf konzentrieren, ihre Fitness zu stärken und ein intensiveres Körpergefühl zu entwickeln. Denn die Fortbewegung auf dem Board oder im Boot erfordert Balance, Kraft und Ausdauer – Eigenschaften, die im Alltag der meisten Schüler allzu kurz kommen. Für die richtige Unterweisung sorgen erfahrene, pä-

dagogisch ausgebildete, meist deutschsprachige Guides – die selbst top-fitten Sportlehrern noch eine Menge beibringen können.

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