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Auf Vordermann mit fünf Milliarden

IT-Gipfel: Bundesministerin Wanka möchte „Deutschlands Schulen fit machen für die digitale Welt“

BMBF / Staatskanzlei Saarland / mho

Modern ausgestattete, aufgeräumte Computerräume und eine ganzheitlich entwickelte, ausbaufähige IT-Infrastruktur sind an deutschen Schulen noch eher die Ausnahme als die Regel. Das soll sich mit dem DigitalPakt#D ändern

Kreide, Tafel, Schulbücher? Nein. Nach dem IT-Gipfel im November 2016 hat Bundesbildungsministerin Wanka ein Milliardenprogramm zum EDV-Ausbau gestartet. Demnach will der Bund fünf Milliarden Euro in Breitbandanschlüsse, W-LAN und Computer für deutsche Schulen investieren. Diesem Plan steht das Grundgesetz zwar entgegen, aber Chancen hat das Projekt dennoch

Die Digitalisierung verändert das Lernen wie kaum eine gesellschaftliche Entwicklung zuvor. Digitale Bildung beschreibt, wie sich der Bildungsprozess mit dem Einsatz digitaler Medien verändert: Lernen findet zunehmend virtuell statt, ob als E-Lecture, Webinar, Massive Open Online Course (MOOC), im „Flipped Classroom“ oder durch spezielle Learning Apps. Digitale Bildung beinhaltet aber auch, wie sich die Lernziele verändern. Dabei geht es um mehr als den Erwerb von Faktenwissen. Viel bedeutender wird die Kompetenz, sich Wissen selbstorganisiert anzueignen, es anzuwenden und kreative Lösungen für Problemstellungen eigenständig entwickeln zu können.

In Deutschland mangelt es an beidem: Es fehlt sowohl die benötigte Grundausstattung in den Schulen, die gebraucht wird, um digitale Technologien erstens didaktisch-pädagogisch im Unterricht einzusetzen und zweitens in ihrer Funktionsweise zu vermitteln. Zum anderen fehlt die Kompetenz der Lehrerschaft, diese Technologien dann auch tatsächlich im Unterricht zum Einsatz zu bringen. Ein erster Schritt auf dem Weg zur digitalen Bildung ist es also, die Technologie in allen Schulen flächendeckend auszurollen und für einen entsprechenden Service zu sorgen. Der zweite Schritt ist es, digitale Kompetenzen im Standard in die Lehrerausbildung und in die Lehrerfortbildung einzubauen.

Auch Bundesbildungsministerin Wanka sieht Handlungsbedarf. Mit der „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem damit verbundenen DigitalPakt#D soll der „Sprung nach vorn in der digitalen Bildung“ (BMBF) gemeistert werden.

Antwort auf den Wandel

„Digitale Bildung von der Schule bis hin zum lebenslangen Lernen in Deutschland kann zu einer Erfolgsgeschichte werden, wenn wir alle Kräfte und Ressourcen bündeln“, sagte Bundesbildungs-ministerin Johanna Wanka beim IT-Gipfel in Saarbrücken

Ziel der Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft ist es, den digitalen Wandel in der Bildung voranzutreiben. Mit der Strategie des BMBF sollen Potenziale erschlossen und Handlungsfelder aufgezeigt werden, die der digitale Wandel für alle Bildungsbereiche von der frühkindlichen Bildung bis hin zur Weiterbildung bietet.

Mit der Bildungsoffensive soll die Bildung in diesen Bereichen maßgeblich vorangetrieben und mitgestaltet werden.

Der DigitalPakt#D

Als einen der Eckpfeiler der Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft schlägt das BMBF einen DigitalPakt#D zwischen Bund und Ländern vor. Ziel soll es sein, dass Schülerinnen und Schüler das nötige Rüstzeug bekommen, um souverän mit der Digitalisierung umzugehen. Dafür sollen die Schulen in Deutschland flächendeckend in die Lage versetzt werden, digitale Bildung zu vermitteln. Laut der Ministerin sei das eine entscheidende Zukunftsaufgabe. Der Pakt sieht vor, dass der Bund fünf Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollen damit die rund 40.000 Schulen in Deutschland mit digitaler Ausstattung wie Breitbandanbindung, W-LAN und Geräten versorgt werden. Im Gegenzug sollen die Länder garantieren, die entsprechenden pädagogischen Konzepte, die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften sowie gemeinsame technische Standards umzusetzen. Laut Ministerin Wanka können Bund und Länder somit nicht nur die Chancengerechtigkeit für die junge Generation verbessern, sondern auch die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Landes sichern.

Gute EDV-Grundausstattung

Es fehlen Medienkompetenz und -akzeptanz: Über 60 Prozent der Pädagogen wünschen sich den Ausbau der digitalen Technik an ihrer Schule – aber nur ein knappes Drittel entwickelt überhaupt computergestützten Unterricht

Der internationale ICILS-Vergleichstest 2014 zeigt, dass deutsche Schüler mit ihren Computerkenntnissen weltweit nur im Mittelfeld liegen. Was die Achtklässler in Deutschland können, verdanken sie dabei weniger der Schule, sondern hauptsächlich ihrem privaten Umgang mit digitalen Geräten. Die höchste der fünf Kompetenzstufen bezüglich EDV erreichten in Deutschland nur 1,5 Prozent der Schüler. Auch in diesem Bereich bestätigte sich erneut, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischen Leistungen groß ist: Schüler aus bildungsnahen Familien erzielten in der Studie deutlich höhere Punktzahlen, als die aus bildungsfernen. Als besorgniserregend wird von den Autoren der Studie vor allem die schlechte Ausstattung und den geringen Einsatz von Computern an deutschen Schulen eingeschätzt: Im Schnitt teilen sich 11,5 Schüler einen Computer. Das sei derselbe Wert wie 2006, als das Bundesbildungsministerium die IT-Ausstattung erheben ließ. Bei der IT-Ausstattung stagniert Deutschland also.

Die Ende 2015 veröffentlichte Studie „Schule digital“ unterstreicht diese Ergebnisse und zeigte außerdem, dass es zwischen den 16 Bundesländern bei Computerausstattung und IT-Unterricht große Unterschiede gibt. Zwei Drittel der Lehrer in Bayern, Hamburg, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz halten die Ausrüstung für ausreichend. Nur rund 40 Prozent sind es in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Und auch beim W-LAN driften die Länder weit auseinander. So finden in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein nur 40 Prozent der Lehrer, dass der Internetzugang an ihrer Schule schnell und stabil genug ist.

Kaum die Hälfte der befragten Lehrer setzt mindestens einmal pro Woche im Unterricht Computer ein und nur knapp jeder dritte Pädagoge entwickelt computergestützten Unterricht – aber fast 60 Prozent wünschen sich mehr Unterstützung bei der Digitalisierung des Klassenzimmers.

Darf der Bund überhaupt mit Geld in die Schulpolitik eingreifen?

Durch das sogenannte Kooperationsverbot ist grundgesetzlich geregelt, dass Schulbildung Ländersache ist. Eine Grundgesetzänderung ist nach den Worten der Ministerin für den DigitalPakt#D jedoch nicht nötig, denn Artikel 91c ermöglicht die Zusammenarbeit von Bund und Ländern auf dem Gebiet der Informationstechnik. Bund und Länder können also bei der Planung, der Errichtung und dem Betrieb der für ihre Aufgabenerfüllung benötigten informationstechnischen Systeme zusammenarbeiten. Ob der Artikel ausreicht, lässt derzeit die Kultusministerkonferenz prüfen. Aber die Länder sehen auch, dass sie bei den anstehenden Investitionen in Schul-IT-Projekte durch den DigitalPakt#D finanziell stark entlastet werden könnten.

Weitere Maßnahmen der Bildungsoffensive

Um den Prozess der Bildungsdigitalisierung zu begleiten, ist es notwendig, gesichertes Wissen über Erfolgsfaktoren und Nutzen zu gewinnen. Deshalb hat das BMBF die Forschung zur digitalen Bildung erheblich ausgeweitet: Digitale Bildung wird einer der Schwerpunkte des neuen Rahmenprogramms zur Bildungsforschung sein.

Darüber hinaus sieht die Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft insbesondere diese Maßnahmen vor:

  • Schul-Cloud: Derzeit fördert das BMBF eine Konzeptstudie für eine sogenannte „Schul-Cloud“, einen zentralen webbasierten Dienst, der teilnehmenden Schulen unter anderem Lern- und Arbeitsumgebungen sowie Lerninhalte (z. B. offene Bildungsmaterialien) bietet.
  • Regionale Kompetenzzentren Digitalisierung: Das BMBF unterstützt Kommunen und Bildungseinrichtungen dabei, vor Ort Digitalisierungsstrategien für Bildung zu entwickeln, Erfahrungen auszutauschen und gute Praxis in die Breite zu tragen. Geplant sind deutschlandweit bis zu zwanzig dieser Kompetenzzentren.
  • OER-Informationsstelle: Um Offene Bildungsmaterialien (Open Educational Resources OER) nachhaltig in allen Bildungsbereichen zu verankern, richtet das BMBF eine Informationsstelle ein, die Informationen bündelt und bereitstellt, sowie Fort- und Weiterbildung von Multiplikatoren zum Thema OER fördert.
  • Berufsbildung 4.0: Mit der bereits gestarteten Initiative Berufsbildung 4.0 unterstützt das BMBF den digitalen Wandel in der beruflichen Bildung.
  • Weiterentwicklung von Studiengängen: Akademiker aller Fachrichtungen benötigen tiefergehende digitale Kompetenzen als bisher. Das BMBF unterstützt die Hochschulen dabei, Studiengänge zu modernisieren und Angebote für neue digitale Berufsbilder zu entwickeln.
  • Bundespreis Digitale Bildung: Um die Sichtbarkeit digitaler Bildung zu erhöhen, wird das BMBF einen Bundespreis mit verschiedenen Kategorien ausloben.

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