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Schule

In die große weite Welt

Konzepte, Abschlüsse und Lehrtätigkeiten an aus- ländischen Schulen mit Deutschunterricht

Marc Hankmann

Miteinander voneinander lernen: An Deutschen Auslandsschulen liegt ein Schwerpunkt der Lehrpläne auf begegnungsspezifischen Inhalten

Dem Deutschunterricht im Ausland kommt als Botschafter für deutsche Sprache, Werte und Kultur eine besondere Rolle zu. Das gilt insbesondere für die Deutschen Auslandschulen, die als Begegnungsschulen offen für alle Nationalitäten und Kulturen sind. Und auch für Lehrer werden Berufs-erfahrungen im Ausland immer wichtiger

Das deutsche Auslandsschulwesen unterteilt sich im Wesentlich in zwei Grundtypen: einerseits Schulen, an denen der Unterricht größtenteils in Deutsch gehalten wird und die auch deutsche Abschlüsse bieten und andererseits Begegnungsschulen mit zweisprachigem Unterricht und sowohl deutschen als auch landesspezifischen Abschlüssen. Zu ihnen zählen auch die 141 Deutschen Auslandsschulen. Sie sind aber nur ein Bruchteil der Schulen, die von Bund und Ländern über die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) gefördert werden. Das Spektrum ist breit gefächert und lässt sich im Wesentlichen neben den Deutschen Auslandsschulen in die 25 Deutsch-Profil-Schulen (DPS) sowie rund 1.100 Schu- len, die das Deutsche Sprachdiplom (DSD) anbieten, unterteilen. An DSP wird sowohl das Fach Deutsch als auch mindestens ein weiteres deutschsprachiges Fach bis zur Sekundarstufe II unterrichtet. Beide müssen Teil der nationalen Abschlussprüfung sein.

Das Deutsche Sprachdiplom

Das DSD ist ein Programm zum Spracherwerb, das ins schulische Lernen integriert ist, oftmals bereits im Vorschulalter. Auf diese Weise halten auch nationale Lernkulturen und Traditionen Einzug in den Deutschunterricht. Darüber hinaus sollen aber auch Arbeitsweisen vermittelt werden, die für die deutsche Lernkultur charakteristisch sind, wie etwa die problemorientierte und diskursive Herangehensweise an Themen, das selbstständige und projektorientierte Lernen oder die kommunikative Handlungsorientierung beim Spracherwerb.

Das deutsche Sprachdiplom kann in zwei Stufen abgelegt werden. Stufe I prüft die Deutschkenntnisse auf dem Niveau A2/B1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GeR) und ermöglicht den Zugang zu einem Studienkolleg in Deutschland. In Stufe II müssen Deutschkenntnisse auf B2/C1-Niveau des GeR nachgewiesen werden. Das DSD II ist Voraussetzung für ein Hochschulstudium in Deutschland.

Als Vorbereitung auf das DSD und als Unterstützung für den Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht (DaF) bietet die ZfA ab der Grundschule sogenannte Internationale schulische Vergleichsarbeiten auf den Niveaustufen A1 und A2 des GeR an, wobei letztere die bisherige Zentrale Deutschprüfung abgelöst hat. Neben der Vorbereitung der Schüler auf das Deutsche Sprachdiplom erhalten die Schulen mit diesen Vergleichsarbeiten diagnostische Hinweise über den Leistungsstand der Klasse und können den DaF-Unterricht entsprechend anpassen.

Lehrpläne an Auslandsschulen

Die Deutschen Auslandsschulen übernehmen nach eigener Wahl Lehrpläne eines Bundeslands. Anpassungen finden dann statt, wenn es die nationalen Schulstrukturen bedingen, wie etwa bei einer unterschiedlichen Dauer der Sekundarschulzeit. Ein besonderes Augenmerk gilt dem fächerübergreifenden Lernen und natürlich gemäß des kulturpolitischen Auftrags Deutscher Auslandsschulen begegnungsspezifischen Inhalten. Zusätzlich wird das Schulziel „Bilingualität“ in den Lehrplänen besonders berücksichtigt.

Je nach den schulartenspezifischen Lehrplananteilen werden die typischen deutschen Schulabschlüsse an den Deutschen Auslandsschulen vergeben. Daneben können die Schulen auch nationale Abschlüsse anbieten. An den Berufsbildungszentren der Deutschen Auslandsschulen wird auch in kaufmännischen Berufen ausgebildet.

Pädagogische Vorbilder

Gerade den Deutschen Auslandsschulen fällt mit ihrem Konzept als Begegnungsschule ein pädagogischer „Leuchtturmcharakter“ zu, der dem deutschen Bildungssystem den Weg in die Zukunft weisen kann. Daher will die Exzellenzinitiative „innovatives Lernen“ des Auswärtigen Amts und der ZfA zukunftsweisende pädagogische Innovationen fördern und an den Deutschen Auslandsschulen und den Goethe-Instituten realisieren, um sie zu Exzellenz-Zentren auszubauen.

Über die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) sind die Deutschen Auslandsschulen mit den DSP- und DSD-Schulen seit 2008 vernetzt. Koordiniert wird die Initiative vom Auswärtigen Amt, der ZfA, dem Goethe-Institut, dem deutschen Akademischen sowie dem Pädagogischen Austauschdienst der Kultusministerkonferenz. Das Ziel: Schüler und Lehrer sollen eine langfristige internationale Lerngemeinschaft bilden. Daher wird der Austausch zwischen Schulen im Ausland sowie mit Schulen in Deutschland gefördert.

Als Lehrer im Ausland arbeiten

Wer als Lehrer im Ausland arbeiten möchte, muss sich an das ZfA wenden, denn die Zentralstelle vermittelt und betreut die rund 2.000 Lehrkräfte an Schulen im Ausland. Verbeamtete oder unbefristet angestellte Lehrkräfte können sich als Auslandsdienstlehrkraft vermitteln lassen. Der Posten als Bundesprogrammlehrkraft ist für Lehrkräfte ohne feste Anstellung im Landesschuldienst sowie für Absolventen mit einem Master im Fach Deutsch als Fremdsprache gedacht. Außerdem stellen die Deutschen Auslandsschulen auch pädagogisches und nichtpädagogisches Personal in Schulen und Kindergärten ein.

Es versteht sich von selbst, dass der größte Bedarf an Lehrern für die Fächer Deutsch oder für eine moderne Fremdsprache besteht. Als Beifächer sind insbesondere Geschichte, Erdkunde, Musik sowie die MINT-Fächer gefragt. Wer zudem über die Lehrbefähigung für die Sekundarstufe II verfügt und keine Einschränkungen für das Einsatzgebiet angibt, hat beste Chancen, seine Karriere mit einer Auslandserfahrung zu bereichern.

Praktika für Lehramtsstudenten

Angesichts von Globalisierung, Migration und multikulturellen Klassenzimmern werden Auslandserfahrungen für den Lehrer immer wichtiger. Daher arbeitet zum Beispiel der Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) mit der Universität Vechta zusammen, um Lehramtsstudierenden Praktika an Deutschen Auslandsschulen zu ermöglichen. Andere Universitäten bauen derartige Kooperationen gerade auf.

Eine Alternative zur universitären Lehrerausbildung stellt zum Beispiel das Deutsche Lehrerbildungsinstitut Wilhelm von Humboldt (LBI) dar, eine private Deutsche Pädagogische Hochschule in Santiago de Chile. Das LBI bildet zweisprachige Erzieher und Lehrkräfte für die deutschen Schulen in Chile aus und wird hierbei von Deutschland gefördert.

Internationale schulische Vergleichsarbeit, Niveau A1 766

Deutsche Prüfungen an im Ausland geförderten Schulen

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