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Unterricht: digital

Auf den Inhalt kommt es an

Jens Fischer, Produktmanager bei Klett, über die Entwicklung hochwertiger digitaler Lerninhalte

Der Ernst Klett Verlag adaptiert seine Lehrwerke nicht nur für digitale Endgeräte, sondern bietet mittlerweile ein umfassendes Programm vernetzter Inhalte, Dienste und Anwendungen an – für Schüler wie für Lehrer

Der Ernst Klett Verlag erstellt seit den 1990er-Jahren Softwarelösungen und webbasierte Angebote, die sich durch gute Praxistauglichkeit und Benutzerführung auszeichnen. Die neuen digitalen Lernbegleiter „eBook pro“ für Schüler bilden zusammen mit den eBooks, den digitalen Schulbüchern und den Digitalen Unterrichtsassistenten für Lehrkräfte eine einheitliche Basis für den Unterricht in Tablet- und Laptop-Klassen

Herr Fischer, es gibt heute mehr als 400 Digitale Unterrichtsassistenten. Gerade haben Sie über 1.000 Schulbücher in das neue Klett-Format eBook umgewandelt und jetzt arbeiten Sie auf Hochtouren an den neuen eBook pro. Woher stammen die Impulse für digitale Produkte, wie entstehen sie?

Wir hospitieren in Schulen, führen Gespräche mit Autoren, besuchen Tagungen und Workshops und nicht zuletzt gibt auch unser Außendienst viele Anregungen aus seinem direkten Kontakt zu den Schulen weiter. Für die Umsetzung arbeiten wir im Verlag über alle Bereiche eng vernetzt zusammen. Hier ist die Expertise aus Redaktion, Produktion, Marketing und Entwicklung gefragt.

Wie viel Zeit kalkulieren Sie für die Entwicklung digitaler Produkte in der Regel ein?

Das ist abhängig vom Produkt und der gewünschten Nutzung. Die Bereitstellung von digitalen Materialien in Standardsoftware ist schnell möglich. Eine neue Software zu entwickeln ist wesentlich komplexer.

Notebooks, Tablets oder Smartphones, Bildungsclouds oder Lernplattformen – Schulen stehen vor vielen Entscheidungen. Vor welchen Herausforderungen steht dabei ein Bildungsmedienverlag?

Die Schule und der Unterricht wandeln sich. Dies geschieht aber nicht im selben Tempo wie z. B. digitale Medien im Alltag Einzug gehalten haben. Wir beobachten und analysieren, welche digitalen Trends und Möglichkeiten sich für die digitale ausgestattete Schule und den Einsatz digitaler Medien im Unterricht auftun. Eine Schule ohne schnellen Internetanschluss benötigt z. B. keine Lernplattform, ist aber schon mit einem eBook oder der Möglichkeit, Materialien am Whiteboard zu zeigen, zufrieden. Das kann in der Nachbarschule schon wieder ganz anders aussehen.

Eine Herausforderung ist es, unsere Inhalte in optimaler Weise digital nutzbar zu machen. Gleichzeitig erstellen wir neue Inhalte und Konzepte, bei denen wir sowohl die Bedürfnisse der Lehrkräfte als auch die verschiedenen Medien im Blick haben.

Was steht bei der Produktentwicklung an erster Stelle: digitale Lernszenarien oder fertige Lehrbuchinhalte?

Traditionell stehen die Lehrbuchinhalte an erster Stelle. Aber schon früher gab es z. B. Audio- und Videomaterial für den Unterricht oder Materialien nur für Lehrkräfte.Heute liegt einer unserer Schwerpunkte darauf, alle Materialien und Medien miteinander zu kombinieren und ohne Medienbruch ständig zur Verfügung zu stellen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten; der Fokus bewegt sich weg von der Produktion eines bestimmten Mediums, hin zu der Frage, wie ein Thema am besten vermittelt werden kann. Die Wahl des Mediums steht somit erst an zweiter Stelle und richtet sich nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten des Unterrichts.

Welche schulische IT-Infrastruktur ist derzeitig für die Produktentwicklung bestimmend, worauf legen Sie den Fokus?

DVDs und CD-ROMs werden abgelöst durch Internetanwendungen und Apps. Diesen Wandel kann man z. B. an unserem Digitalen Unterrichtsassistenten sehen. Dieser wurde früher nur auf DVD angeboten, seit 2015 auch als Online-Anwendung und ist in Zukunft via App nutzbar. Aktuell bieten wir hauptsächlich Singlelösungen an, arbeiten aber auch an verschiedenen Pilotprojekten mit. Wir erleben eine Zeit des „digitalen Umbruchs“ im Bereich der Bildung. Fast alle Bundesländer sind auf der Suche nach der oder den Lösungen für die Schulen in ihrem Einzugsbereich. Diese Lösung werden wir bedienen.

Was benötigen Lehrerinnen und Lehrer aus Ihrer Sicht heute für den digital unterstützten Unterricht?

Die Möglichkeit einfach und schnell auf digitale Materialien zuzugreifen, um ihren Unterricht so zu gestalten, wie sie es möchten und so wenig wie möglich durch Technik gehemmt zu werden. Je nach Anforderung, gehören dazu auch interaktive Arbeitsinstrumente, wie z. B. ein Klausurengenerator, Vokabelprüfer oder Organisationstools.

Ihre webbasierten Kernprodukte sind der Digitale Unterrichtsassistent, das eBook pro und die eBooks. Worin unterscheiden sie sich technisch, was sind inhaltliche Besonderheiten?

Wir haben uns beim eBook, eBook pro und Digitalem Unterrichtsassistent bewusst für drei eigenständige, voneinander unabhängig nutzbare Produkte entschieden. Jeder Nutzer kann sich sein Produkt und seinen Produktumfang heraussuchen ohne z. B. gleich in die komplexe Welt einer Lernplattform einzutauchen. Damit vereinfachen wir den Einstieg in einen digital unterstützten Unterricht.

Der „Digitale Unterrichtsassistent“ zeigt Lehrkräften schnell und übersichtlich alle vorhandenen Materialien zu einem bestimmten Thema pro Schulbuchseite. Innerhalb kürzester Zeit können sie sich orientieren und überlegen, welche Materialien sie im Unterricht einsetzen wollen. Alle Materialien lassen sich mittels Beamer oder Whiteboard einfach präsentieren.

Die Unterrichtsvorbereitung wird dadurch wesentlich vereinfacht.

Bei der Schülerlösung „eBook pro“ sind wir anders herangegangen: Hier standen die verschiedenen Lernphasen im Vordergrund, deshalb findet man hier interaktive Materialien für das selbstständige Lernen sowie das individualisierte und kontrollierte Üben. Je nach Fach sind das Zusatzmaterialien wie Erklärfilme, Übungen mit Feedback-Funktion, Tests oder Lernstandkontrollen.

Die eBooks schließlich sind digitale Fassungen der Schulbücher ohne die genannten Extra-Features des eBook pro. Alle drei Produkte bauen inhaltlich aufeinander auf. Nutzer finden sich sofort zurecht und das macht es bei Bedarf einfach, z. B. von einem eBook zu einem eBook pro zu wechseln.

Wie spiegeln sich die unterschiedlichen Fachanforderungen in den Produkten wider?

Die Anforderungen der einzelnen Fächer sind höchst heterogen: Das Fach Geographie z. B. erfordert viele interaktive Karten, die Naturwissenschaften benötigen verstärkt Animationen oder Anwendungen für die Visualisierung von Versuchen und in den Fremdsprachen werden für das Hörverstehen Audios und Videos eingesetzt.

Ihre Meinung zu „Bildungsverlage sind ‚oldschool‘“?

Bildungsverlage produzieren Bildungsmedien für guten Unterricht, das steht im Mittelpunkt. Unterricht wird mit digitalen Medien nicht automatisch besser. Wir decken deshalb die ganze Bandbreite ab: von „oldschool“ z. B. mit Folien oder dem klassischen Schülerbuch bis hin zum digitalen „Trend“ mit unseren Apps und Blogs.

Weitere Informationen:

www.klett.de/digitale-medien

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