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Unterricht: digital

Medienkompetent unterrichten

Lehrerausbildung muss Lücken schließen

Wo, bitte, bleibt die Medienkompetenz? Dem Lehramtsstudium in Deutschland mangelt es noch an medienpädagogischen Inhalten

Der Lehrerin ein schnelles Feedback twittern, auf dem Smartphone ein Erklärvideo ansehen oder per Hashtag die Arbeitsblätter der letzten Unterrichtsstunde finden? In Deutschlands Klassenzimmern ist das noch die Ausnahme

Dem „Monitor digitale Bildung“ der Bertelsmann Stiftung zufolge nutzen lediglich zehn Prozent der Lehrer digitale Medien, um kreatives, individuelles oder interaktives Lernen zu fördern. Das liegt mitunter an ihrer Ausbildung: Angehende Lehrkräfte können vielerorts an der Digitalisierung vorbeistudieren. „Ich sehe ein Hinterherhinken der Universitäten“, so Heinz-Peter Meidinger, ehemaliger Chef des Deutschen Philologenverbands und Präsident des Deutschen Lehrerverbands, gegenüber der SZ. Die Lehrerbildung passe sich etwa alle zehn bis 15 Jahre neuen Erfordernissen aus der Praxis an. „Jetzt müsste das natürlich schneller passieren, weil sich Technik und Möglichkeiten schneller ändern.“ Zwar sind viele der aktuellen Lehramtsanwärter sogenannte „Digital Natives“, der anstehende Generationenwechsel werde dennoch nicht für mehr digitalen Unterricht sorgen, stellt Prof. Dr. Rudolf Kammerl von der Uni Hamburg in seiner Expertise „Medienpädagogik in der Lehrerbildung – Fehlanzeige“ fest. Kammerl spricht von einem „Teufelskreis fehlender Medienbildung“, da medienungeschulte Abiturienten ihre fehlenden Kompetenzen ins Lehramtsstudium übernähmen. Die Hochschulen berücksichtigen das mehrheitlich kaum in ihren Studienplänen.

Dennoch gibt es bereits Vorreiter: So ist in Niedersachsen zum einen die Medienbildung in die Lehramtsausbildung integriert. Zum anderen werden den praktizierenden Lehrerinnen und Lehrern passende Fortbildungen angeboten. Denn künftig müssen sie in der Lage sein, ihr digitales Wissen weiterzuvermitteln: Bis 2020 soll Medienkompetenz in den Lehrplänen aller Fächer verankert werden. Sachsen will bis 2025 sicherstellen, dass alle Lehrer über eine auf das jeweilige Unterrichtsfach bezogene Medienbildung verfügen.

Gezielte Bemühungen auf bundesweiter Ebene sind jedoch in der Schwebe: Der Bund hat zwar angekündigt, im Rahmen des Digitalpakts zwischen 2018 und 2022 fünf Milliarden Euro auszugeben, um digitale Infrastruktur an den Schulen zu etablieren und das Lehrpersonal im Digitalbereich aus- und fortzubilden. Die Finanzierung ist allerdings noch ungeklärt. Mit bis zu 500 Millionen Euro fördert bereits jetzt die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern Projekte, die sich auf 59 lehrerbildende Hochschulen in Deutschland verteilen. Nach Untersuchungen des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) verfehlt die Initiative aber ihr Ziel, eine „praxisorientierte Ausbildung zu fördern, die die Schulwirklichkeit einbezieht“.

Lehrer wollen lernen

An Fortbildungsbereitschaft mangelt es den Lehrern nicht. Laut einer Bitkom-Studie wünschen sich 82 Prozent der Lehrkräfte den Ausbau von Weiterbildungsangeboten zum Einsatz digitaler Medien. Denn ihr privater Erfahrungsschatz muss professionell erweitert werden. Prof. Dr. Hilbert Meyer, emeritierter Professor für Schulpädagogik an der Universität Oldenburg, ist der Meinung, dass das Verwenden digitaler Medien allein nicht ausreicht, um Medienkompetenz zu vermitteln: „Die digitale Welt ist einfach da und die Frage ist nicht ob, sondern wie die Schule damit angemessen umgeht“, sagte er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Wichtiger wird es dementsprechend, den Schülern die Kriterien für korrektes fachliches Arbeiten beizubringen, damit sie nicht beliebige Wikipedia-Inhalte kopieren. Die kritische fachliche Auseinandersetzung lässt sich nicht durch elektronische Medien ersetzen.“

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