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DIDACTA 2018

Von der Leitfigur zum Teamplayer

Den Rollenwandel aktiv mitgestalten

Sandra Georgdidacta Themendienst

Lehrer werden trotz – oder gerade wegen – digitaler Medien und wachsender Heterogenität weiterhin eine tragende Rolle im Unterrichtsgeschehen spielen. Wer sie erfolgreich ausfüllen will, findet auf der didacta Anregungen und Unterstützung

Inklusion, Integration, Digitalisierung: Lehrerinnen und Lehrer stehen vor immer neuen Herausforderungen. Mit welchen Ansätzen lassen sich steigende Anforderungen bewältigen?

Der Lehrberuf gehört zu den Tätigkeiten mit dem höchsten Ansehen, so das Ergebnis einer Bürgerbefragung des Meinungsforschungsinstituts forsa. Lehrerinnen und Lehrer gelten als pflicht- und verantwortungsbewusst, zuverlässig und kompetent. Angesichts immer vielschichtigerer sozialer, kultureller und methodischer Anforderungen fühlen sich jedoch viele Lehrkräfte überfordert und allein gelassen. Bei einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW) unter rheinland-pfälzischen Lehrkräften gaben fast 75 Prozent der Befragten an, ihre außerunterrichtliche Arbeit habe in den letzten Jahren viel oder sehr viel zugenommen. Die GEW sieht die Gesundheit der Lehrer, aber auch die Unterrichtsqualität, gefährdet. Neben geringeren Stundendeputaten und kleineren Klassen fordert sie mehr Stellen für Schulsozialarbeiter.

Ein Team, viele Qualifikationen

Denn multiprofessionelle Teams gelten vielen als wirksames Mittel, neue schulische Herausforderungen zu bewältigen. „Wenn wir immer mehr Erziehungsaufgaben im schulischen Setting wahrnehmen und umsetzen wollen, dann hat die Schule der Zukunft multiprofessionelle Teams, in denen Lehrkräfte bilden und erziehen“, meint Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Dabei arbeiten Lehrkräfte mit Sozialarbeitern, Sonderpädagogen, Integrationshelfern sowie Lern- und Physiotherapeuten eng zusammen, sodass eine Arbeitsteilung nach Kompetenzen entsteht. Lehrer sollen so entlastet und die individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen gewährleistet werden. Voraussetzung für diese Art der Zusammenarbeit sind laut dem Verband Bildung und Erziehung jedoch genügend „Zeit und Ressourcen für gemeinsame Planung und Arbeit“.

Heterogene Grundschulklassen

Bereits in Kitas und Grundschulen könnte das Konzept von Nutzen sein. Dort zeigen sich früh die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder. Dem aktuellen IQB-Bildungstrend zufolge stellen für Grundschulen vor allem Inklusion und Integration eine große Herausforderung dar. Schaut man auf das Jahr 2016, ist die Zahl der Kinder mit Zuwanderungshintergrund im Vergleich zu 2011 um mehr als ein Drittel gestiegen. „Lehrkräfte haben es jetzt mit einer extrem heterogenen Schülerschaft zu tun“, betont IQB-Direktorin Petra Stanat. „Es ist äußerst anspruchsvoll, Unterricht so zu gestalten, dass Kinder mit unterschiedlichen kognitiven und sprachlichen Voraussetzungen und unterschiedlichem kulturellen Hintergrund gleichermaßen profitieren.“ Bei Inklusion und Integration ist fachspezifisches Personal dringend nötig, um Kinder mit besonderem Bedarf zu unterstützen und so einen geregelten Schulalltag für alle Schüler zu schaffen.

In der Lehrerbildung ansetzen

Eine Institution auf der didacta ist alljährlich das Forum Bildung, das sich auch mit der Veränderung der Lehrerrolle befasst

Die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe fordert, dass die Lehrerausbildung verstärkt auf den Umgang mit einer sehr heterogenen Schülerschaft vorbereiten soll. Doch die unterschiedlichen Lehramtsstudiengänge in den Bundesländern machen umfassende Veränderungen schwierig. BLLV-Präsidentin Fleischmann spricht von einem „Reformstau“.

Eine weitere Hürde sind der Einsatz digitaler Lernmittel und die Vermittlung von Medienkompetenz im Unterricht. Hier fehlen vielen Lehrkräften sowohl das nötige Know-how als auch die technischen Mittel. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung zur IT-Ausstattung im Bildungswesen werden für eine „lernförderliche Infrastruktur“ bundesweit jährlich 2,8 Milliarden Euro benötigt. Hinzuzurechnen sind die Kosten für Qualifizierungsmaßnahmen. Das Bundesbildungsministerium hatte im Oktober 2016 mit dem „DigitalPakt#D“ lediglich eine Milliarde jährlicher Investitionen angekündigt. Der Pakt zwischen Bund und Ländern soll für fünf Jahre abgeschlossen werden. Die tatsächliche Höhe der Förderung und wann sie den Ländern zur Verfügung stehen könnte, ist nun Gegenstand der Koalitionsverhandlungen einer neuen Bundesregierung.

Trotz all der Herausforderungen sieht Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands, der Zukunft von Lehrern und Schule positiv entgegen: „Lehrkräfte sind und bleiben fachliche Spezialisten und entscheiden sich bewusst für ihre Fächer und die Schulart. Diese Begeisterung überträgt sich auch auf die Schüler und führt letztlich zu einer besseren Schule.“

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