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Digitale Medien

Blick über den Zaun

Wie digitale Bildungswerkzeuge in anderen Ländern eingesetzt werden

Sabine Huber

Schule soll Spaß machen. Wellbeing – für Lernende und Lehrende – gehört zum finnischen Bildungskonzept

Herausforderungen an das bestehende Bildungssystem zeigen sich derzeit in nahezu allen Ländern dieser Erde. Die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler hat sich außerhalb der Schule schneller verändert, als neue Konzepte und Innovationen Einzug in Schulen halten konnten. Der Beitrag gibt Einblicke in Bildungsprojekte in zwei Ländern – und zeigt, welche Erkenntnisse sich daraus für Deutschland ableiten lassen.

Dem Ansatz des klassischen didaktischen Dreiecks folgend, vermittelt Schule Wissen, indem die Lehrkraft für die Lernenden einen zuvor eindeutig definierten Inhalt didaktisch aufbereitet. Betrachtet man die Wissensvermittlung als Hauptsäule schulischer Bildung, ergeben sich gegenüber dem Modell des klassischen didaktischen Dreiecks jedoch zunehmend Herausforderungen.

Wie sieht moderner, qualitativ hochwertiger Unterricht aus? Wie wird der Wandel vom traditionellen zum modernen Unterricht praktisch und alltäglich umgesetzt? Und wie werden Lehrkräfte, Schulleitungen, Lernende und Eltern auf diesen Veränderungsprozess vorbereitet und dabei begleitet?

Entrümpelung des Lernalltags statt Überforderung durch Überfrachtung gilt für Schülerinnen und Schüler wie für Lehrkräfte und Schulverwaltung gleichermaßen. Unterricht nach einem reformierten didaktischen Dreieck integriert die außerschu­lische Lebenswirklichkeit in den Unterricht und motiviert dadurch, dass die Relevanz von Lerninhalten, Fertigkeiten und Kompetenzen für die eigene Person erkannt wird. Schule kümmert sich um den Erwerb von Lernmethoden und individuell passenden Lernstrategien, fördert durch vielfältige Übungsgelegenheiten mit persönlichem Feedback, spricht persönliche Neigungen der Lernenden ebenso wie der Lehrenden an und schafft eine Lernumgebung, die es erlaubt, auf persönliche Lernbedürfnisse einzugehen.

Vorbild Finnland

Das finnische Bildungssystem legt Wert aufs Lernen, nicht aufs Testen. Reformschulen in Finnland experimentieren seit dem Schuljahr 2016/2017 mit Lernräumen, die Möglichkeiten der individuellen Licht-, Temperatur- und Geräuschsteuerung bieten. Die am Projekt beteiligten Schulen verfügen über normale Schulgebäude ohne Gebäudeautomatisierung. Es liegt in der Verantwortung der Schülerinnen und Schüler, Kenntnisse über spezielle Wellbeing-Aspekte zu erlangen und auszuprobieren, in welcher Lernumgebung welche Lernaufgaben besonders gut ausgeführt werden können.

Die Reform des finnischen Bildungs­konzepts stützt sich auf die drei Säulen Lernen, Lehren und Wellbeing. Wellbeing, also das Lehren und Lernen in einer vertrauensvollen, kreativen und den eigenen Bedürfnissen entsprechenden Atmosphäre, gilt gleichermaßen für Lernende und Lehrende. Flexible Lernzeiten mit unterschiedlichen Ankunftszeiten in der Schule, individuelle Lernpläne und Lernbesprechungen zwischen Lehrkraft und Lernenden erfordern ein hohes Maß an Flexibilität im Stundenplan, in der Raumplanung und im Aufteilen der Schülerinnen und Schüler auf verschiedene Lehrkräfte. Hierzu wird moderne Technologie mit gesundem Menschenverstand gepaart: Kostengünstige Smart-­Building-, Temperatur- und CO2-Sensoren weisen die Nutzer eines Lernraums beispielsweise darauf hin, dass jetzt das Fenster geöffnet werden sollte, um ein besseres Lernklima zu schaffen. Normale Klassenzimmer werden in Kreativräume verwandelt, indem beispielsweise herkömmliche Tipis (Zelte) mit LED-Lämpchen ausgestattet werden, sodass anregende, beruhigende oder entspannende Kleingruppen- oder Individualräume entstehen.

Für die Schule der Zukunft wurde der finnische Lehrplan so weit entrümpelt, dass die Schülerinnen und Schüler nachmittags ausgiebig Zeit zum Spielen, Experimentieren und Kindsein haben. Ganzheitliches, phänomenbasiertes Lernen zielt auf ein erfahrungsbasiertes, tieferes Lernverständnis und dadurch auf den Erwerb von Fertigkeiten und Fähigkeiten. In allen Schulformen werden bereits heute digitale Lerninhalte über moderne, intelligente Lernplattformen und Wissensdatenbanken je nach Bedürfnis und Kenntnisstand der Lernenden verteilt. Die Lehrkraft übernimmt immer mehr die Rolle des Lernberaters, die bloße Wissensvermittlung spielt eine untergeordnete Rolle. Um eine pädagogisch hochwertige Lernberatung zu ermöglichen, investiert Finnland in eine der weltweit führenden Aus- und Weiterbildung seiner Lehrkräfte.

Türkei: Keine Angst vor Technik

Im Zuge der digitalen Bildungsreform unter dem Namen FATIH-Projekt wurden mittlerweile nahezu alle Unterrichtsräume von der Grundschule bis zur Universität mit digitalen Tafeln mit Anbindung an digitale Lerninhalte ausgestattet. Um den Wechsel von der Kreide­tafel zur digitalen Tafel zu beschleunigen und die Akzeptanz der Lehrkräfte zu steigern, konnten diese mehrfach mitbestimmen, ob zwei grüne Kreidetafeln, eine grüne Kreidetafel und eine weiße Stifttafel oder zwei weiße Stifttafeln das digitale Whiteboard umschließen sollen. Nach einem halben Jahr waren in den meisten Schulen die Kreidetafeln durch weiße Stifttafeln ersetzt und der Weg für digitale Whiteboards vorbereitet.

An der privaten Doğa Schulgruppe in der Türkei wird nach einem ganzheitlichen Lernkonzept in Räumen gelernt, die situativ eine inspirierende Lernumgebung schaffen und ideale Lernmittel bereithalten. Im Fremdsprachenunterricht sind dies beispielsweise wöchentliche Videokonversationen mit NASA-Mitarbeitern. In den Naturwissenschaften wird gemeinsames Tüfteln und Ausprobieren gefördert.

Bereits im Jahr 2013 hat die Doğa Schulgruppe ein Schulkonzept entwickelt, das Lernen und Lehren mit neueren Technologien fokussiert und den Forscherdrang alltäglich werden lässt. Der Tuzla Campus in Istanbul war die erste von mittlerweile über zehn Schulen, in denen die Schülerinnen und Schüler in den naturwissenschaftlichen Fächern Technologielabore nutzen können. Sie werden dabei unterstützt, sich Kenntnisse und Fertigkeiten im Bereich von innovativer Technologie, Software, Hardware und auch beispielsweise dreidimensionalem Industriedesign anzueignen.

Erkenntnisse für Deutschland

Moderner Unterricht integriert die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte. Lernmotivation und das bewusste Erkennen von Lernrelevanz geht auch mit modernen Lern- und Lehrwerkzeugen sowie dem Ansprechen von tatsächlichen Sorgen und Problemen der Lernenden und Lehrenden Hand in Hand.

Ganzheitliche Konzepte, die einen systemischen Wandel ermöglichen und bestehende Hürden überwinden, müssen Eingang in den Schulalltag finden. Hierbei gibt es nicht die eine richtige Lösung, da sich Schulentwicklung je nach Schulform und Schule auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen bewegen kann. Essentiell sind jedoch ganzheitlich gedachte Standards, die technisch einwandfrei funktionieren und somit hinter die Pädagogik zurücktreten können.

Die Ausstattung von Schulen sollte daher von den pädagogischen Bedürfnissen gedacht und geplant werden. Möglicherweise fördert es die Nutzung angeschaffter digitaler Inhalte, wenn jeder Lehrkraft ein Dienstlaptop inklusive Dienst-E-Mail-Adresse zur Verfügung gestellt wird. Zudem wird damit der Lehrkraft die ihr gebührende Wertschätzung signalisiert.

Vor einer umfassenden Investition und Schulausstattung ist es wichtig, mit den Beteiligten zu sprechen – allen voran mit den Lehrkräften und Schülervertretern. Wie immer in modernem Projektmanagement ist Erfolg abhängig von drei Faktoren: Kommunikation, Kommunikation und Kommunikation.

Dr. Sabine Huber, Head of Education Intel
Deutschland GmbH, www.intel.com/education

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