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Digitale Medien

Meta-Analysen unter der Lupe

Wie wirksam sind digitale Medien im Unterricht?

Heike Schaumburg

Wie gut lernen Schüler? Das hängt beim Unterricht mit digitalen Medien stark von der (Medien-) Kompetenz der Lehrkräfte ab

Die Zahl der Studien zur Lerneffizienz von Computer, Internet und Smartphone ist kaum zu überblicken. Sowohl Befürworter digitaler Medien in der Schule als auch Skeptiker finden Ergebnisse, die ihre Position stützen. Der folgende Beitrag fasst die Ergebnisse aus verschiedenen Meta-Analysen zusammen.

Meta-Analysen sind Untersuchungen, die die Ergebnisse vieler Studien miteinander verrechnen. Auf diese Weise kann über verschiedene Untersuchungen hinweg ein gemeinsamer Wert für die Wirksamkeit des Medieneinsatzes, die sogenannte Effekt­stärke, angegeben werden – unabhängig von der Stichprobengröße und den in den Originalstudien verwendeten Maß­einheiten.

Meta-Analysen berücksichtigen nur Studien, in denen die Wirksamkeit des Medien­ein­satzes anhand objektiver Tests ermittelt und die Ergebnisse mit einer Kontroll­gruppe verglichen werden. Studien, die lediglich über subjektiv wahrgenommene Kompetenzgewinne berichten, bleiben außen vor. Außerdem nehmen die untersuchten Meta-­Analysen nur die fachlichen Kompetenz­gewinne in den Blick. Welche überfachlichen Kompetenzen – insbesondere computer- und informationsbezogene – erworben werden, wird nicht berücksichtigt. Doch gerade die sind heute und in Zukunft wichtig.

Viele Faktoren beeinflussen die Lerneffektivität

Die Ergebnisse sind auf den ersten Blick ernüchternd. Zwar wirkt sich digital unterstütztes Lernen insgesamt positiv auf die fachlichen Leistungen von Schülerinnen und Schülern aus; eine negative Wirkung zeigt sich in keiner Meta-Analyse. Die Effekte sind aber – egal, welche Maßnahme oder welches Konzept betrachtet wird – meist nur gering, bei jüngeren Studien oft sogar geringer als bei älteren.

Die eher enttäuschenden Ergebnisse lassen sich (auch) durch die Komplexität des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht erklären. Die Lernwirksamkeit wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Damit die lernförderlichen Potenziale digitaler Medien ausgeschöpft werden, müssen die entsprechenden technischen Voraussetzungen – also Hard- und Software – stimmen. Die Lehrkraft muss die Medien auf die Unterrichtsinhalte und die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler abstimmen und methodisch-didaktisch sinnvoll in den Unterricht integrieren. Auch ihre Einstellung zu digitalen Medien und ihre Innovations­bereitschaft spielen eine Rolle.

Beispiel: Interaktive Whiteboards

Interaktive Whiteboards ersetzen die tradi­tionelle Wandtafel und werden im Unterricht hauptsächlich als Präsentationswerkzeug genutzt. Durch ihren Einsatz beschleunigt sich das Unterrichtstempo oft, da der Wechsel zwischen verschiedenen Medien, zum Beispiel zwischen Tafel und Overheadprojektor, entfällt. Außerdem können Tafelbilder bereits im Voraus erstellt und müssen nicht während des Unterrichts an die Tafel gebracht werden.

Whiteboards werden von Lehrkräften sehr unterschiedlich in den Unterricht integriert. Die meisten schöpfen die interaktiven Möglichkeiten nicht aus. Zudem können technische Probleme bzw. Probleme mit der Bedienung den Unterricht behindern.

Der Einsatz von interaktiven Whiteboards kann den lehrerzentrierten Unterricht verstärken. Die Klasse kann jedoch auch intensiver in den Unterricht einbezogen werden, wenn die Lehrkräfte mehr offene Fragen stellen, häufigere Nachfragen zulassen und ausführlichere Rückmeldungen zu Schüleräußerungen geben.

In einer Studie an 14 Schulen mit mehr als 3.000 Schülerinnen und Schülern sowie 72 Lehrkräften wurden positive Effekte auf die Lernleistungen in den Fächern Mathematik und Deutsch vor allem bei den Lehrkräften festgestellt, die interaktive Whiteboards häufiger und vielfältiger einsetzen. Sie nutzen die interaktiven Funktionen stärker, lassen die Schülerinnen und Schüler selbst am Whiteboard arbeiten und sie beispielsweise verschiedene Lösungsansätze für mathematische Probleme entwickeln, die dann mit der Klasse diskutiert werden. Setzen die Lehrer die interaktiven Whiteboards dagegen primär für Lehrerpräsentationen ein oder um die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Stunde mit einem kurzen Film zu motivieren, zeigen sich keine positiven Auswirkungen auf die Lernleistungen.

Beispiel: Mobile digitale Medien

Verschiedene Untersuchungen zeigen: Der Einsatz von Mobilgeräten wie Laptop oder Tablet-PC führt dazu, dass verstärkt individualisiert und kooperativ gelernt wird. Mobile digitale Medien werden häufig im Rahmen von Projektarbeit genutzt, für problem­basiertes Lernen sowie generell für eine Öffnung des Unterrichts. Im Vergleich zu Klassen, die keine Laptops nutzen, arbeiten Laptopklassen mehr schriftlich bzw. mit eigenen Texten. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Lehrer-Schüler-Interaktion intensiviert wird. Als Nachteile werden übereinstimmend technische Probleme sowie die Ablenkung der Schülerinnen und Schüler genannt.

Zwei Meta-Analysen belegen, dass die Lern­effektivität deutlich höher ist, wenn die Tab­lets verstärkt zur Kommunikation der Schüler untereinander eingesetzt werden. Vor allem der Einsatz mobiler digitaler Medien für projekt- und problembasiertes, forschendes und entdeckendes Lernen erhöht die Lernleistungen signifikant. Auch computerbasierte Tests und Quizze sowie selbstgesteuertes Lernen wirken sich positiv aus.

Fazit: Auf die Lehrer kommt es an

Der Einsatz digitaler Medien wirkt sich insgesamt positiv auf die fachlichen Leistungen von Schülerinnen und Schülern aus. Es gibt keinen generell schädlichen Einfluss auf die Lerneffektivität des Unterrichts. Allerdings ist die Lerneffektivität gemessen an Aufwand und Kosten eher gering und im Vergleich zu anderen Maßnahmen zur Lernförderung unterdurchschnittlich. Aus den vorliegenden Studien lässt sich auch nicht eindeutig ableiten, dass bestimmte Ausstattungskonzepte besonders wirksam sind.

Eine zentrale Rolle spielen Unterrichtsform und Lehrkräfte: Das lernförderliche Potenzial digitaler Medien wird bei schülerorientierten, problemorientierten und offenen Unterrichtsformen weit besser ausgeschöpft als bei lehrerzentriertem Unterricht.

Lehrerinnen und Lehrer werden im Unterricht mit digitalen Medien nicht überflüssig – im Gegenteil: Es kommt gerade auf sie an. In einem konstruktivistischen Unterricht, der den Schülerinnen und Schülern Frei­räume für die selbstgesteuerte und forschende Bearbeitung komplexer Aufgabenstellungen und Probleme gibt, brauchen sie individuelle Unterstützung durch Lehrkräfte und/oder Mitschülerinnen und Mitschüler. Auch muss der Einsatz digitaler Medien sorgfältig vorbereitet, begleitet und ausgewertet werden, damit sich fachliche und medienbezogene Lernvorteile einstellen.

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