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Digitale Medien

eTwinning macht‘s möglich

Online-Zusammenarbeit mit Partnerklassen

Antje Schmidt

Von wegen langweilig. Mathematikunterricht kann Spaß machen – grenzenlos

Motivierenden und mediengestützten Unterricht inklusive Austausch mit Partnerschulen können Lehrkräfte mithilfe der europäischen Internetplattform eTwinning unkompliziert umsetzen. Zwei Projektbeispiele aus dem MINT- und Fremd­sprachen­unterricht zeigen, wie dies gelingt.

Wie lernen Kinder und Jugendliche Europa am besten kennen? Eine Möglichkeit ist, gemeinsam mit und von Schülerinnen und Schülern aus anderen Ländern zu lernen. Die Voraussetzungen für gemeinsames digitales Lehren und Lernen bietet eTwinning, das Netzwerk für Schulen in Europa. Und manchmal folgen den virtuellen Treffen auch „richtige“ Begegnungen.

Vorbereitung für die Auslandsbegegnung

Im Fremdsprachenprojekt „Alles capito?“ zwischen einer Klasse des Kepler-Gymnasiums in Weiden in der Oberpfalz (Bayern) und ihrer italienischen Partnerklasse im norditalienischen Carpi bei Modena arbeiten die Lehrerin Ursula Bock und ihre italienische Kollegin Emma Giurlani über die eTwinning-Plattform zusammen.

Die Projekt­idee entstand, weil die Jugendlichen vor einem anstehenden Schüleraustausch immer wieder fragten: „Was sage ich, wenn …?“ oder „Wie frage ich nach …?“. Also beschloss Ursula Bock, daraus ein deutsch-italienisches Online-Projekt zu machen, in dem die Lernenden die Themen aufgreifen, die ihnen am meisten unter den Nägeln brennen.

„Für die Schüler war es sehr motivierend, weil sie sich im Projektverlauf nützliche Rede­wendungen erarbeitet haben, die lebensnah sind und die sie tatsächlich anwenden konnten“, erläutert Ursula Bock. „Außerdem haben sie das soziokulturelle Umfeld des Partnerlandes kennengelernt.“ Ziel sei es gewesen, dass sich die 15- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schüler nach dieser Vorbereitung in ihren Gastfamilien wohlfühlen und interkulturelles Verständnis entwickeln.

Austausch und digitale Kompetenzen

Als ein Angebot der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms Erasmus+ verbindet eTwinning mittlerweile über 500.000 Lehrkräfte aus Schulen und vorschulischen Einrichtungen in mehr als 40 Ländern. Nach der kostenfreien Registrierung können Lehrkräfte nach Partnern suchen und mit Kolleginnen und Kollegen im In- und Ausland Kontakt aufnehmen. Es geht vor allem darum,

  • europäische Vielfalt in das Schulleben zu integrieren,
  • interkulturellen Austausch erfahrbar zu machen,
  • digitale Kompetenzen sowohl bei Lehrkräften als auch bei Schülerinnen und Schülern zu fördern sowie
  • Fremdsprachenkenntnisse durch den Austausch mit Partnerklassen zu erweitern.

Nicht zuletzt fördern eTwinning-Projekte die Motivation und den Spaß am Lernen bei Kindern und Jugendlichen, weil sie dabei oft eigenverantwortlich in Teams arbeiten und durch den Einsatz digitaler Medien kreativ werden können. Das schult nebenbei viele Soft Skills.

Am Kepler-Gymnasium produzierten die deutschen und italienischen Schülerinnen und Schüler kurze Videoclips in ihrer Muttersprache mit typischen Dialogen beim Einkaufen, in der Schule oder zu Hause. Alle Videos teilten sie mit den Projekt­partnern über die eTwinning-Plattform, sodass diese anschließend dazu im Forum des Online-­Arbeitsbereichs mitteilen konnten, was ihnen gefallen hat, wie gut sie die fremde Sprache verstehen konnten und was verbessert werden könnte.

Kreativer Einsatz digitaler Medien

Schon als sich die Partnerklassen vorstellten, beschritten die Lehrerinnen innovative Wege: Sie bezogen die Familien mit ein und ließen beispielsweise Eltern, Großeltern oder Geschwister die einzelnen Jugendlichen und ihre Hobbys in Kurzvideos beschreiben. Anhand dieser Beschreibungen sollten die Partnerschüler und -schülerinnen die Personen auf einem Klassenfoto zuordnen.

Insgesamt beinhaltete das Projekt viele unterschiedliche Übungen zum Hör- und Leseverstehen, zum Sprechen und Schreiben in der Zielsprache, sodass die Jugendlichen gut vorbereitet zu ihren Gastfamilien reisten.

Während des Austauschs in Italien dokumentierten die Schülerinnen und Schüler per Video, wie sie die neu erworbenen Italienischkenntnisse anwandten und beispielsweise Eis in einem Eiscafé bestellten. Beim Gegenbesuch in Weiden konnten die italienischen Partnerinnen und Partner dann eine Unterhaltung in deutscher Jugend­sprache zum Besten geben.

In der Rückschau reflektierten die Projektbeteiligten abschließend die Zusammenarbeit in der Gruppe und trugen in einem E-Book zusammen, wie Austauschbegegnungen gelingen können.

Mathematik ohne Grenzen

eTwinning bietet größtmögliche Flexibilität für Lehrkräfte – sie können frei entscheiden, wie sie es in ihren Unterricht einbinden. Meike Stamer von der Goetheschule Wetzlar (Hessen), einem Oberstufengymnasium, nutzt eTwinning seit vielen Jahren im Rahmen ihres Mathematikunterrichts.

Im Erasmus+-Projekt M.A.T.H.S. arbeiteten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte aus Deutschland, Griechenland, Italien, Spanien und der Türkei zusammen. Kennzeichnend für Erasmus+-Schulpartnerschaften sind persönliche Begegnungen von Schülerinnen und Schülern sowie ihrer Lehrkräfte an den beteiligten Partnerschulen.

Spannender Mathematikunterricht

Mithilfe des Projekts sollte der Matheunterricht durch digitale Lern­methoden wie GeoGebra – eine Open-Source-­Mathematik-Software – effizienter und inte­ressanter werden. Alle Beteiligten nutzten die eTwinning-Plattform, um sich zwischen den Vor-Ort-Treffen online auszutauschen, und erarbeiteten gemeinsam Materialien zu interaktiven Mathematikaufgaben. Die gesamte Kommunikation fand dabei auf Englisch statt. Die Projektergebnisse flossen direkt in den Unterricht der beteiligten Schulen ein.

„Schülerinnen und Schüler finden das Fach Mathematik oft schwierig und ab­strakt“, sagt Meike Stamer. „Deshalb war unser Ziel, den Matheunterricht interaktiver und mediengestützt zu gestalten. Mithilfe von GeoGebra lassen sich mathematische Verbindungen visualisieren und so verständlich darstellen. Die Schülerinnen und Schüler haben für ihre jeweiligen Partner Spiele und Rätsel entworfen und verschiedene Anwendungsbeispiele erstellt, mit denen sich beispielsweise die Geometrie von Architektur untersuchen oder das Epizen­trum eines Erdbebens lokalisieren lassen.“

In multinationalen Teams entwickelten die 15- bis 19-Jährigen Unterrichtssequenzen sowie Lehrvideos und unterrichteten sich bei realen Begegnungen vor Ort an den Partnerschulen gegenseitig.

„Ein konkretes und nachhaltiges Produkt unseres Projekts sind die gemeinsam erstellten und erprobten GeoGebra-Bücher, die wir in die Sprachen aller teilnehmenden Projektpartner übersetzt haben. Die engagierten Schülerinnen und Schüler haben aktiv zu einer umfangreichen Auf­gabensammlung beigetragen, die sicher­lich zukünftig in meinem Mathematikunterricht zum Einsatz kommt“, erklärt Meike Stamer. Die Lehrerin plädiert dafür, den Unterricht an die Entwicklung der Technik anzupassen und digitale Medien einzubeziehen, weil Jugendliche in der Regel täglich Smartphones nutzen.

Fortbildung für Lehrkräfte

Damit Lehrkräfte bei aktuellen Entwicklungen digitaler Medien oder pädagogischer Konzepte auf dem Laufenden bleiben, können sie von dem umfangreichen Fortbildungsangebot bei eTwinning profitieren, das von Online-Seminaren bis zu Veranstaltungen im In- und Ausland reicht. Zudem können sie sich mit Kolleginnen und Kollegen in ganz Europa vernetzen, sich beispielsweise in Online-Gruppen fachlich austauschen und gegenseitig Tipps geben. eTwinning stellt dazu eine geschützte Plattform bereit, die in 29 Sprachen genutzt werden kann.

Antje Schmidt, PAD

Weitere Informationen:

beim Pädagogischen Austauschdienst:

www.etwinning.de

beim europäischen eTwinning-Portal:

www.etwinning.net

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