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Hoch-Gefühle

Natur und Kultur im Nationalpark Harz erwandern

mho

Der 2015 eröffnete Baumwipfelpfad in Bad Harzburg präsentiert Lehrreiches über das Biotop Wald und spannende Experimentierstationen

Der Harz, Deutschlands größter Waldnationalpark, ist ein beliebtes Reiseziel vieler Schulen. Neben Sehenswürdigkeiten wie der Goslarer Kaiserpfalz, dem Bergbaumuseum in St. Andreasberg oder der Schmalspurbahn auf den Brocken gibt es Wandertouren, die Naturerlebnis und Geschichte miteinander verbinden – und auch von Grundschulkindern zu schaffen sind

Der Kaiserweg

Der Kaiserweg ist einer der wichtigsten Weitwanderwege in Deutschland und Bestandteil des Weges Deutscher Kaiser und Könige (Infos im Internet unter wanderbares-deutschland.de). Er verbindet den Burgberg Bad Harzburgs in Niedersachsen mit der Kaiserpfalz Tilleda in Sachsen-Anhalt.

Die erste Etappe des Kaiserwegs beginnt auf dem Burgberg oberhalb von Bad Harzburg, den wir mit der 1929 errichteten Seilbahn erreichen. Auf dem großen Burgberg gibt es viel zu entdecken, denn die Harzburg war die wichtigste jener Höhenburgen, die Kaiser Heinrich IV. vor fast tausend Jahren errichten ließ. Seit 2015 gibt es in Bad Harzburg übrigens auch einen Baumwipfelpfad: Er allein lohnt sich schon als naturnahes, lernanlass-reiches Ausflugsziel.

Von dem Harzrand-Städtchen geht es weiter in südöstlicher Richtung auf dem ausgeschilderten Kaiserweg, den Südwesthang des Kaltetalkopfs entlang. Vorbei am Grillplatz Molkenhaus verläuft er auf geschotterten Forststraßen und bald ist auch ein schöner Waldspielplatz erreicht (Busanschluss nach Bad Harzburg). Hier wird der Kaiserweg wieder zum Pfad, der durch einen Fichtenhochwald führt. Vorbei am Sellenberg, dem Abbenstein und an den Luisenklippen vereinen sich für ein kurzes Stück Kaiserweg und der vom Rodel- und Wanderdomizil Torfhaus zum Brocken führende Goetheweg – entsprechend viel Wandererbetrieb herrscht hier. Der Kaiserweg führt weiter zu zwei Granitklippen, die „Hopfensäcke“. Durch den Morast am Ufer eines moorbraunen Bachlaufs wandern wir hinab zum Gasthaus Oderbrück, wo sich ein Picknick als Touren-Highlight anbietet. Hier gibt es auch einen Busanschluss nach Bad Harzburg.

Überhaupt gibt es hier im Quellgebiet der Oder unzählige Rinnsale, die den Weg kreuzen oder begleiten. Für die Wanderung bis Königskrug sind wasserfeste Wanderschuhe also ein Muss! Doch bald gibt es wieder festen Boden unter den Füßen: ein mittelalterliches Kopfsteinpflaster. Und man kann hier erahnen, welche Tortur damals eine Fahrt mit den zweirädrigen Harzkarren gewesen sein muss. Lohn der Mühen sind schließlich die berühmten Windbeutel der Gaststätte Königskrug. Von dort geht‘s per Bus zurück nach Bad Harzburg.

Der Milliardenweg

Die gut ausgeschilderte Wanderpiste vom Königskrug bei Braunlage zur Achtermannshöhe heißt „Milliardenweg“. Warum dieser ungewöhnliche Name? Bestimmt nicht, weil sich hier Massen von Wanderern auf die Füße treten – die Achtermannshöhe ist zwar ein sehr schönes und lohnenswertes, aber nur spärlich besuchtes Wanderziel. Der Grund ist viel banaler: Der zwei Kilometer lange Weg wurde im Jahre 1923 angelegt – zur Zeit der Hyperinflation, weshalb er eben einige Milliarden Reichsmark kostete.

Die Achtermannshöhe, im Volksmund auch gern „Der Achtermann“, liegt auf einer Höhe von 926 Metern über NN. Sie gehört damit zu den höchsten Bergen im Harz und ist die dritthöchste Erhebung in Niedersachsen. Der Aufstieg ist nicht ganz ohne, belohnt aber mit einer grandiosen Aussicht. Die felsige Gipfelkuppe überragt die umliegenden Bäume und bietet somit einen wunderschönen Panoramablick auf den Hochharz mit dem Brockenmassiv. Durch seine markanten Gipfelfelsen ist der Achtermann auch von vielen anderen Harzgipfeln gut auszumachen.

Die Hahnenkleeklippen

Die Hahnenkleeklippen befinden sich zwischen Braunlage und St. Andreasberg, also weitab des Kurörtchens Hahnenklee im Nordwestharz. Bei den Klippen handelt es sich um eine steile, etwa 700 Meter breite Felswand oberhalb des Odertals. Die Felsen ragen beinahe senkrecht etwa 200 Meter in die Höhe, an einigen Stellen sind sie sogar leicht überhängend – kein Wunder also, dass der Klotz einst als „Hohe Klippen“ bekannt war.

Von dort aus bietet sich ein herrlicher Blick auf das gegenüber liegende Rehberg-Massiv mit dem Rehberger Graben und die in der Tiefe mäandernde Oder. Am besten genießen kann man das Panorama auf dem kleinen Rastplatz des Aussichtspunkts. Der kürzeste Wanderweg zu den Hahnenkleeklippen beginnt am Königskrug. Er ist ca. 1,5 Kilometer lang und auch für ungeübte Wanderer gut zu schaffen.

Der Goetheweg

Diesen Blick über Wernigerode in Richtung Brocken mag einst Goethe genossen haben, als er beschloss, den höchsten Berg des Harzes zu erklimmen

Im November 1777 weilte Goethe in Wernigerode im Ostharz. Acht Tage lang blickte er immer wieder sehnsüchtig zum tief verschneiten Brocken. Ihn besteigen? Unmöglich, hieß es. Was aber tat Goethe? „Ich trat ans Fenster, und er lag vor mir klar wie mein Gesicht im Spiegel, da ging mir das Herz auf und ich rief: Und ich sollte nicht hinaufkommen!“ Tatsächlich fand sich ein Begleiter, der Torfhauser Förster Degen, und los ging‘s. „Ich hab‘s nicht geglaubt bis auf der obersten Klippe. Alle Nebel lagen unten, und oben war herrliche Klarheit“, schrieb er später an Charlotte von Stein, „ich war oben heut und habe auf des Teufels Altar meinem Gott den liebsten Dank geopfert.“

Heute ist diese Brocken-Route ein Klassiker unter den Wanderwegen, die auf den höchsten Harzgipfel führen. Von der Einsamkeit allerdings, die Goethe einst genoss, ist nicht mehr viel übrig: 250.000 Menschen erklimmen pro Jahr den Brocken, die meisten von ihnen auf dem Goetheweg. Eine Reise wert ist er trotzdem.

Üblicherweise wird der Goetheweg im Auf- und Abstieg begangen: hin und zurück eine Strecke von 16 Kilometern und 350 Höhenmetern. Seit 2003 ist der Goetheweg ein Teilstück des Harzer Hexenstiegs.

Wer nun meint, dass eine solche Wanderung nur von Erwachsenen bewältigt werden kann, unterschätzt die Zähigkeit von Kindern: Der Autor dieses Beitrags hat den Hexenstieg hinauf und wieder hinunter gemeinsam mit seinen 6- und 9-jährigen Kindern gemeistert. Wie stolz sie auf ihre Leistung waren!

Sollte das volle Programm aber zeitlich oder konditionell partout nicht drin sein, ist die Abfahrt vom Gipfel mit der urig-dampfenden Brockenbahn DIE Alternative schlechthin – allerdings eine nicht ganz billige. Besonders kleine Kinder sind von der Lok, die an Michael Endes „dicke Emma“ erinnert, absolut begeistert.

Weitere Wandertipps:

www.harzlife.de

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