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MINT und Medien

Internet? Na klar!

Das Smartphone in der Schultüte: Medienerziehung in der Grundschule

Nicole Schmitt

Ob wir es gutheißen oder nicht: Die Mehrheit der Kinder besitzt heute ein Smartphone. Darum muss ihnen die Schule „gutes Rüstzeug“ mitgeben, um es vernünftig nutzen zu können, fordert die Medienpädagogin Katharina Mowitz

Mehr als die Hälfte der Achtjährigen ist bereits online. Von den Sechsjährigen geht fast ein Drittel ins Internet. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). Damit ist bewiesen: Schon bei kleinen Kindern gehört das World Wide Web zum Alltag

Fast 20 Jahre ist es her, da bekam die Grundschule Heidenoldendorf in Detmold ihren ersten Computer mit Internetzugang. Seitdem hat sich viel getan. Grundschüler surfen zu Hause mit Papas Tablet oder chatten über WhatsApp mit den Klassenkameraden – natürlich mit dem eigenen Smartphone. Dieser Entwicklung gelte es Rechnung zu tragen, stellt die Medienbeauftragte der Grundschule, Katharina Mowitz, fest: „Für die Kinder ist es mittlerweile völlig selbstverständlich, sich Filme im Internet anzuschauen, die erst für Jugendliche ab 14 oder 16 Jahren geeignet sind. Sie bewegen sich in Foren wie Facebook, die eigentlich eine Altersbeschränkung haben. Die Kinder denken gar nicht darüber nach, was da überall für Gefahren dahinterstecken können. Deshalb müssen sie von uns angeleitet werden, sodass sie gutes Rüstzeug an die Hand bekommen und sich mit den vielen Medien auch vernünftig auseinandersetzen können.“

Die richtige Auswahl treffen

Dieses Rüstzeug bringt Sabine Schattenfroh in die Klassenzimmer. Sie ist Medienpädagogin und Bildungsreferentin. An Schulen spricht sie mit Kindern darüber, wie sie die digitalen Medien am besten nutzen und sich im Internet sicher bewegen können. Was sie bei ihrer täglichen Arbeit erfährt, deckt sich mit den Ergebnissen der DIVSI-Studie: Die Kinder, die mit Smartphones, Tablets und Notebooks hantieren, werden immer jünger. WhatsApp, Instagram, YouTube – all diese Dinge seien mittlerweile auch in der Grundschule angekommen, so die Medienpädagogin. „Im Alter zwischen sechs und zehn steht an erster Stelle noch der Spaß. Die Kinder spielen furchtbar gern im Internet. Da gibt es viele schöne Seiten wie das Internet-ABC oder die Suchmaschinen Blinde Kuh und FragFINN. Das sind Seiten, die extra für Kinder gemacht sind. Dort haben sie einen geschützten Raum. Diese Seiten muss man aber auch kennen.“

Sabine Schattenfroh stellt diese Seiten vor und greift bei ihren Vorträgen auch andere Aspekte wie Cybermobbing und soziale Netzwerke auf. Informationen und Tipps rund um die neuen Medien können Schüler und Lehrer außerdem im neuesten Leitfaden der Medienpädagogin, dem kleinen Webcoach erhalten. Dieser geht explizit auf die Interessengebiete der Grundschüler ab der dritten Klasse ein: „Wenn ich selber mit dem Heft arbeite, nehme ich, je nachdem, was gewünscht ist, einzelne Themen raus, weil ich ja immer nur zwei bis drei Tage an den Schulen bin. Das können Verhaltensregeln im Internet sein oder gute Spiele ohne versteckte Werbung. Manchmal nutze ich dafür auch Medienberater, also Schüler, die ich in den achten und neunten Klassen zu Internet-Experten ausgebildet habe. Die gehen dann mit mir in die Klassen und wir arbeiten mit den Grundschulkindern in verschiedenen Gruppen. Am Ende wird dann alles zusammengefasst. Das, was wir nicht geschafft haben, können die Lehrer dann später mit den Heften nacharbeiten.“

Digitale Medien als Informationsquelle nutzen

Während Sabine Schattenfroh Kindern ab der dritten Jahrgangsstufe die Welt der digitalen Medien nahebringt, setzt die Grundschule in Detmold bereits in der ersten Klasse an. Zur Stärkung der Medienkompetenz nutzen die Lehrkräfte Lernsoftware, mit der Gelerntes eingeübt und vertieft werden soll. Ab der zweiten Klasse bekommen die Grundschüler Gelegenheit, auch Internetplattformen wie Antolin oder die Lernsoftware Blitzrechnen in den Lernalltag einzubinden. Datenverwaltung und Text-Kurse stehen ab dem dritten Schuljahr auf dem Programm. Ziel ist es, dass ab dem zweiten Halbjahr alle Schüler Texte tippen, bearbeiten, drucken und speichern können – und das eigenverantwortlich. Mit diesem Medienkonzept erfüllt die Grundschule Heidenoldendorf eine Richtlinie des Landes Nordrhein-Westfalen. Dazu erklärt die Schulamtsdirektorin des Kreises Lippe, Marlies Böke: „Es ist nicht so, dass wir für Medienerziehung eine bestimmte Anzahl von Fachstunden haben. Medienerziehung ist ein Querschnittsthema, das sich durch alle Fächer zieht. Vorwiegend ist das so bei Fächern, in denen Recherche betrieben werden muss. Im Sachunterricht beispielsweise ist das Internet fast schon selbstverständlich dabei. Aber auch in Fächern wie Deutsch und Mathe nehmen die Kinder die Rechner mittlerweile als selbstverständliches Lernmedium wahr.“

Das zeigt sich auch an der Grundschule Heidenoldendorf. Besonders die Computerräume würden fleißig genutzt, berichtet der stellvertretende Schulleiter Peter Ölker. Hier recherchieren die Grundschüler zu verschiedensten Themen und vertiefen diese. Ein Austausch mit Lehrern und Mitschülern erfolgt über das eigene Netzwerk der Schule. So kann auch gemeinsam an einem Projekt gearbeitet werden. Besonders stolz ist die Schulfamilie auf die alljährliche Computernacht, die in diesem Jahr bereits zum 14. Mal stattfand und wiederholt auf großes Interesse stieß. „Bei dieser Computernacht bekommen die Kinder vielfältige Angebote aus den Bereichen Computer und Medien. Unter anderem bringen ältere Schüler von weiterführenden Schulen den Kindern Gefahren und Schwierigkeiten im Internet näher. Das kommt bei den Kindern viel mehr an, als wenn wir Lehrer oder Eltern das sagen“, erzählt Peter Ölker und fügt gleichzeitig an, dass bei aller Affinität zur digitalen Welt die Grundschule Heidenoldendorf doch auf eines verzichtet: auf Computer in den Klassenräumen der ersten Jahrgangsstufe. „Im ersten Schuljahr liegt der Schwerpunkt wirklich darauf, mit dem Stift das Schreiben und mit dem Buch das Lesen zu lernen – ganz banal. Der Computer ist an der Stelle vielleicht manchmal zur Unterstützung in Förderstunden sinnvoll. Aber die Medien des ersten Schuljahres sind ganz klar Stift und Buch.“

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