bildung+ Startseite Mediadaten Impressum Links Newsletter

Journal der Leipziger Buchmesse Referendare reisen Lernen science bildungSPEZIAL medien

Digitale Zukunft

Eine Lernplattform, die alle verbindet

Schule verwalten, Lernvorgänge organisieren und Kommunikation verbessern

In der Studie „Schule digital – Der Länderindikator“* beurteilten Bremer Lehrkräfte die IT-Ausstattung ihrer Schulen und die pädagogische Unterstützung im Bereich digitale Medien im Unterricht besonders gut. Ein Grund hierfür: Sie haben einen Masterplan Medienbildung, und zu diesem gehört seit kurzem itslearning – eine Bildungs-Cloud, die alle Schulen, Schüler und Lehrer, aber auch Schulträger zusammenführt.

Aktuell befänden sich die Schulen in einem Dilemma, stellt der Leiter des Zentrums für Medien am Landesinstitut für Schule (LIS) in Bremen, Dr. Rainer Ballnus, fest: „Lange ließ sich der Computer an der Schultür aufhalten, doch das Internet schleicht sich drahtlos ins Schulhaus ein und nimmt die sozialen Netzwerke gleich mit.“ Statt der Übermittlung via Telefonkette werde rasch eine WhatsApp-Nachricht geschrieben, obwohl das dienstrechtlich nicht erlaubt sei, aber es passiere eben, stellt Ballnus fest. Die Nutzer verwendeten nicht die schulische Infrastruktur, brächten ihre eigenen Geräte mit – und wenn kein WLAN vorhanden sei, auch ihr eigenes Netz. Ballnus: „Daten, von denen wir nicht wussten, dass es sie gibt, finden Wege, die nicht vorgesehen waren, und offenbaren Dinge, auf die wir nie gekommen wären.“ Andererseits sei allen auch klar: Medienkompetenz erwirbt man nicht nebenbei. Sie müsse gefördert werden, und zwar quer zu den grundsätzlichen Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen.

In Bremen hat man sich in einem für diese Initiative günstigen Moment auf den Weg gemacht. Weil der Bildungssenatorin ein Gesamtkonzept fehlte, das Ausstattung, Lehrerfortbildung und Medienkompetenz, aber auch technischen Support zusammenführt, wurde das Thema von ihr vorangetrieben. Mit dem LIS gab es zudem eine Institution, die diese Mammutaufgabe begleiten konnte. Und auch die Bereitschaft unter den Lehrkräften war vorhanden.

Bei einer 2010 durchgeführten Erhebung hatten über 80 Prozent der befragten Lehrkräfte angegeben, dass sie digitale Medien gern verstärkt einsetzen würden und sich dazu eine gemeinsame Plattform wünschten.

Auf Grundlage von Umfragen und Diskussion mit allen Beteiligten wurden dann die Erwartungen an die Lernplattform definiert: Sie sollte zugleich Schule verwalten, Lernvorgänge organisieren, eine lebendige Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden, aber auch zwischen Schulen, Schulträgern und Behörde erleichtern und die Schulentwicklung voranbringen. Eine Komplettlösung für die pädagogische Arbeit, für technische Wartung und Entwicklung, für ein einheitliches Angebot an allen Schulen sollte es sein.

Die Wahl fiel auf das Lernmanagementsystem itslearning

Über eine Ende 2013 erfolgte Ausschreibung wurde ein System, das alle festgelegten Ansprüche erfüllt, gesucht und gefunden. Die Wahl der Bremer fiel auf das international weit verbreitete Lernmanagementsystem itslearning. Mit diesem Lernmanagementsystem konnten Schüler den kompetenten, verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien erlernen. Und gleichzeitig gab es Lehrkräften Hilfestellung, Unterricht zu gestalten und dabei die besonderen Möglichkeiten digitaler Medien zu nutzen.

Mit der Implementierung des Lernmanagementsystems wurde 2014 begonnen.

Technisch läuft itslearning in Bremen über eine Schul-Cloud, über WLAN und mobile Endgeräte, teils privat, teils schulisch. Da das Bundesland bereits über einen zentralen Schulserver verfügte, ließ sich durch Integration von Namen und Benutzerkennung die Nutzerverwaltung automatisieren. Auswirkung: An jedem Schulort werden die persönlichen Geräte aller Schüler und Lehrer über die Benutzerkennung vom System erkannt und können genutzt werden; Schul- oder Klassenwechsel erfordern keinen zusätzlichen administrativen Aufwand und auch der Zugang zu Angeboten in Mediatheken erfolgt unmittelbar.

Um eine breite Mitwirkung sicherzustellen, wurde ein Steuerungsteam aus allen beteiligten Gruppen gebildet, das bei seinen Treffen anstehende Aufgaben bespricht. Da die Ausgangssituationen an den Schulen und auch die Personalressourcen für Fortbildungen sehr unterschiedlich seien, so Michael Plehnert, am LIS verantwortlich für die Einführung und den Betrieb von itslearning, erfolge die Implementierung an jeder Schule in drei Phasen: „Das stellt sicher, dass nur Schulen mit der Lernplattform konfrontiert sind, die das auch wollen und können.“

In den Schulungen geht es zunächst um die Organisation der schulinternen Kommunikation, dann wird die Unterrichtsgestaltung thematisiert und schließlich die schulische Verwaltung. Fortgebildet werden jeweils ausgewählte Lehrkräfte, die dann als Multiplikatoren an ihren Schulen ihr Wissen weitergeben. Weitere unterstützende Maßnahmen befassen sich mit der Schulleiterqualifizierung und wenden sich an die Ausbildungsseminare für angehende Lehrkräfte.

Eine Evaluation der Entwicklung soll bis 2017 vorliegen. Die bereits vorliegenden Rückmeldungen seien ermutigend, berichtet Plehnert: „Die Nutzung beginnt zu diffundieren. Die ersten Lehrkräfte konnten wir bereits von Public-Cloud-Diensten auf die Plattform locken, wo alle letztlich Herr über ihre Daten sind.“ Nach LIS-Angaben haben 40 Schulen die erste Fortbildungsphase bereits durchlaufen, zehn auch die zweite und 27 befänden sich in der Einführungsphase. Die Zahl der Zugriffe auf die Plattform stiege kontinuierlich an und bis 2018 sollen alle 170 Bremer Schulen itslearning nutzen können.

Den landesweiten Ausbau von WLAN hat der Landtag bereits beschlossen, aber wenn alle Schulen gemeinsam den Internetzugang nutzen, gehört dazu auch eine entsprechende Bandbreite. Die nötigen Investitionen hierfür stehen noch aus. Trotzdem ist man am LIS optimistisch. Ballnus: „Bremen zeigt hier exemplarisch, dass Bildung in einer Welt des digitalen Wandels gelingen kann, wenn sie von allen Beteiligten vorangetrieben wird.“

„Schule digital – Der Länderindikator 2016“, eine von der Deutschen Telekom Stiftung in Auftrag gegebene Studie, befragte Lehrkräfte zu ihren Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien.

Digitale Zukunft

Spielerisch Programmieren

Ein unscheinbar aussehender und nur handtellergroßer Computer könnte entscheidend dazu beitragen, kommende Schülergenerationen auf … mehr

Digitale Zukunft

Ein Roboter mit Einfühlungsvermögen?

Er ist eher klein als groß, kann sich selbstständig bewegen sowie orientieren, versteht viele Sprachen und ist weltweit in Schulen … mehr

Digitale Zukunft

Schulen müssen sich auf ihre Stärken besinnen

Ein im Lehrplan fest verankerter und flächendeckender Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist derzeit noch Zukunftsmusik, aber z … mehr

Digitale Zukunft

Lehreralltag in der Zukunft

An guten Ideen und provokanten Vorschlägen fehlt es nicht: „Lernräume, wie wir sie heute kennen, werden in Zukunft obsolet sein“, s … mehr