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Vielfalt

Herausforderungen im Team bewältigen

Studie zum Kooperationsverhalten von Lehrkräften

Viele gegenwärtige Probleme und künftige Herausforderungen lassen sich im Team besser bewältigen. Nicht ohne Grund ist diese Form der Zusammenarbeit ein Kern­element der heutigen Arbeitswelt. Wie eng Lehrkräfte kooperieren und in welchen Bereichen bereits heute Teamarbeit stattfindet, hat eine Studie untersucht.

Bereits heute werde der Unterrichtsalltag der Lehrer durch Zusammenarbeit geprägt. Diese beschränke sich aber vor allem auf den Austausch von Materialen und über Schüler. Wenig verbreitet hingegen seien Unterricht im Team oder Hospitationen. Diese fänden in intensiver Form nur in Schulen mit Inklusionsangebot und in gebundenen Ganztagsschulen statt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Lehrerkooperation in Deutschland“, die 2016 von der Bertelsmann Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Stiftung Mercator und Deutsche Telekom Stiftung in Auftrag gegeben wurde.

Laut dieser Untersuchung wenden Lehrkräfte fünf von durchschnittlich 43 Stunden Wochenarbeitszeit für Kooperationen mit Kollegen, anderen pädagogischen Fachkräften sowie Eltern und außerschulischen Partnern auf. Im Vordergrund stehe dabei der Austausch von Unterrichtsmaterialien und über Schüler (82 Prozent) sowie die Arbeitsteilung unter Kollegen (77 Prozent). Weniger verbreitet seien komplexere Formen der Zusammenarbeit, z.B. in fachbezogenen Teams (50 Prozent). Weniger als ein Viertel der Lehrkräfte unterrichtet öfter im Team (23 Prozent) und nur jeder zehnte Lehrer hospitiere häufiger im Unterricht anderer Lehrer (9 Prozent). Die kollegiale Zusammenarbeit hingegen erachten 97 Prozent der Lehrkräfte als wichtig und für 87 Prozent lohne sich der damit verbundene Aufwand. Das ergab eine Infratest-Befragung von mehr als 1.000 Lehrkräften, deren Ergebnisse in die Studie einflossen. Diese Befragung hätte zudem aufgezeigt: Die meisten Lehrer mögen ihren Beruf. 80 Prozent bezeichneten sich als hoch motiviert und 76 Prozent seien sehr zufrieden. Lediglich 6 Prozent der Befragten klagten über große Erschöpfung und nur 2 Prozent hätten starke Zweifel an der eigenen Kompetenz. Besonders positiv äußerten sich diejenigen Lehrer, die eng mit Kollegen kooperierten.

Die Zusammenarbeit der Lehrkräfte sei allerdings nicht so intensiv wie in anderen Ländern, heißt es in der Studie: In Deutschland unterstützten sich zwar mehr Lehrer gegenseitig mit Unterrichtsmaterialien als im OECD-Mittelwert (62 zu 46 Prozent), gehe es jedoch um Diskussionen über die Lernentwicklung von Schülern (50 zu 62 Prozent) oder gemeinsame Bewertungsstandards (33 zu 41 Prozent), falle Deutschland hinter den internationalen Durchschnitt zurück.

Feststellbar sei: Je komplexer die Zusammenarbeit, desto weniger Lehrer beteiligten sich daran. So hätten nur 50 Prozent der Lehrer angegeben, sie würden gemeinsam mit Kollegen Unterrichtskonzepte oder Strategien zur Bewältigung beruflicher Probleme entwickeln. Besonders schwach ausgeprägt, so die Autoren der Studie, sei die Feedback-Kultur innerhalb des Lehrerkollegiums. Ein Großteil der Lehrkräfte in Deutschland erhielte nur selten oder gar keinen Einblick in den Unterricht anderer Kollegen. Anders sehe es im Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern aus: Mehr als jeder zweite Lehrer gebe seinen Schülern regelmäßig Rückmeldung über deren Lernentwicklung (53 Prozent). Die Meinungen der Schüler zum Unterricht hingegen fragten nur 32 Prozent der Lehrkräfte regelmäßig ab. Besonders verbreitet sei die Zusammenarbeit der Lehrkräfte an gebundenen Ganztagsschulen sowie an nicht-gymnasialen Schulformen.

Die Ergebnisse der Studie hätten deutlich gemacht, dass Inklusion die Kooperationsbereitschaft fördere: Je höher der Anteil von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sei, desto häufiger und intensiver arbeiteten Lehrkräfte auch konzeptionell zusammen.

Wichtige Voraussetzungen, die eine intensive Teamarbeit förderten, sind aus Sicht der Autoren der Studien die Unterstützung durch die Schulleitung, fest installierte Teamarbeitszeiten und gemeinsame Anwesenheit in der Schule sowie außerhalb des Unterrichts, feste Strukturen für jahrgangsinterne und -übergreifende sowie fachbezogene und -übergreifende Abstimmungen. Die Untersuchung hätte gezeigt, dass eine intensive Kooperation von Lehrern nicht nur zu Kompetenzaufbau, größerer Zufriedenheit oder besserer Gesundheit führe. Teamarbeit im Lehrerkollegium – unter Einbezug anderer Professionen wie Sozialarbeiter und Schulpsychologen – sei ein Schlüssel dafür, mit der wachsenden Vielfalt in den Klassen umgehen und kommende Herausforderungen bewältigen zu können.

* Die Studie „Lehrerkooperation in Deutschland: Eine Studie zu kooperativen Arbeitsbeziehungen bei Lehrkräften“ wurde von Dirk Richter (Bergische Universität Wuppertal) und Hans Anand Pant (Humboldt-Universität Berlin, Deutsche Schulakademie) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Stiftung Mercator und Deutsche Telekom Stiftung verfasst.

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