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Humor als Lernbeschleuniger

Mit klugem Witz im Unterricht

Humor ist ein guter Aufmerksamkeitsmacher und rein intuitiv setzen ihn viele Lehrkräfte zur Auflockerung des Unterrichts ein. Spaß und Witz gezielt und didaktisch klug einsetzen zu können, ist keine Frage des Talents, sondern eine trainierbare Fähigkeit. Die Sozialpädagogin Eva Ullmann bietet solche Fortbildungen für Lehrkräfte an. In ihren Seminaren lernen Teilnehmer viel über sich selbst, erfahren, wie die eigene Art, witzig zu sein, auf andere wirkt – was verbessert werden kann und lernen die unterschiedlichen Facetten des Humors mit seinen Auswirkungen kennen.

Warum unterstützt Humor den Lernerfolg?

Eva Ullmann: Gut dosierter Humor in der Unterrichtsstunde ist wie ein scharfes Messer. Mit einem scharfen Messer kann man ein Laib Brot in Scheiben schneiden und gut portioniert verzehren. Der Unterrichtsstoff ist so leichter zu verdauen. Humor ist auch wie eine gute Würze: Es geht nicht darum, aus den Lehrern Kabarettisten zu machen, sondern sie mit verschiedensten Zutaten kochen zu lassen. Es gibt eine spannende Studie, in der ein Chemielehrer Comicbilder gezeichnet und anhand dieser das Periodensystem erklärt hat. Humor kann eben auch Schüler beschäftigen, die sich nicht so sehr für ein bestimmtes Thema interessieren. Er hat das mit 250 Schülern getestet: Diejenigen, die mit den Comics arbeiteten, konnte er tiefer in den Unterrichtsstoff involvieren. Humor ermöglicht eine Lerntiefe, wo Schüler sonst oberflächlich bleiben und nicht gut zuhören. Humor ist ein guter Aufmerksamkeitsmacher. Es reicht auch, wenn nicht jeder Schüler lacht, denn das Lachen der anderen hat ja trotzdem einen ansteckenden Effekt. Die Stimmung oder die Atmosphäre wird allgemein locker und gelassen, sodass jeder Lust zum Lernen bekommt.

Aber nicht jeder Lehrer hat Humor ...

Ullmann: Wenn ich mit Lehrern im Humortraining arbeite, dann kommen diese mit ihrem eigenen Humor. Es geht nicht darum, dass jeder fünf Witze auswendig lernt und reproduziert. Ich schaue, was typisch für den jeweiligen Lehrer ist. Das will ich in meinem Training verstärken. Manche sind sehr ironisch, ohne, dass sie das Gesicht verändern. Das muss ein Lehrer aber deutlicher machen, damit es auch die jüngeren Schüler verstehen. Andere haben einen sehr körpersprachlichen Humor, der für alle Altersgruppen gut funktioniert. Es gibt auch einen sehr trockenen oder zynischen Humor, bei dem man aufpassen muss, dass er nicht zu aggressiv für Schüler ist. Das sorgt nämlich nicht dafür, dass Schüler lernen, sondern setzt sie unter Strom. Wir schauen in den Trainings, wie der eigene Humor auf andere wirkt und reflektieren dies gemeinsam.

Wie können Lehrkräfte Humor in ihren Arbeitsalltag integrieren?

Ullmann: Was natürlich schön funktioniert, ist zu übertreiben, wie etwa eine Spielregel oder Anweisung mal anders zu formulieren. Es gibt ein schönes Beispiel von einem Busfahrer. Der war immer genervt, dass er die Fahrgäste bitten musste, nach hinten durchzutreten. Er veränderte dann seine Durchsage: „Alle Fahrgäste mit sauberer Unterwäsche bitte nach hinten durchgehen.“ Das war ein schöner Effekt, weil die Leute überrascht waren, grinsten und nach hinten durchtraten. Das ist ungefähr übertragbar auf die Situation der Lehrkräfte, die genervt sind, wenn sie etwas oft wiederholen müssen oder die Spielregeln jedes Jahr neu mit den Klassen vereinbaren müssen. Da kann man sich auch als Lehrkraft das Leben ein bisschen einfacher machen. Ein anderes Mal haben wir Romeo und Julia für den Matheunterricht umgeschrieben. Das ergibt einen lustigen Dialog mit x und y, die sich ineinander verlieben. Es geht darum, dass Lehrer Inkongruenzen finden – also Dinge, die nicht so gut zusammenpassen, und das nutzen. Ich gucke dann, wie didaktisch abwechslungsreich die Lehrer arbeiten und wo man humorvolle Methoden mit in den Unterricht nehmen kann, um einen Rhythmuswechsel zwischen ernst und humorvoll hinzukriegen. Dann hören die Schüler länger zu, sind nicht von Wiederholungen genervt und haben mehr Lust zu lernen.

Eva Ullmann arbeitet seit Jahren als Humortrainerin, Autorin und Rednerin. Nach einem Pädagogik- und Medizinstudium, Moderationsaufträgen und einer Tätigkeit, bei der sie Studenten im Bereich Psychologie ausbildete, gründete sie in Leipzig das Deutsche Institut für Humor. Eva Ullmann ist Mitgründerin der Improvisationstheater-Gruppe „ImbH“ in Leipzig.

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