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Digitale Zukunft

Schulen müssen sich auf ihre Stärken besinnen

Google, YouTube & Co.: Konkurrenz zu den Schulen?

Ein im Lehrplan fest verankerter und flächendeckender Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist derzeit noch Zukunftsmusik, aber zwingend notwendig. Denn wer Menschen ausbilden will, muss ihnen auch zeitgemäße Hilfestellungen anbieten können.

Der tägliche Umgang mit digitalen Medien prägt nicht nur die Freizeit von Kindern und Jugendlichen. Das durch Videospiele verbreitete System kontinuierlicher Rückmeldungen hat sich längst übertragen – auf die Art, wie diese lernen. Nach Ansicht von Bildungsforschern ist das eine Feedback-Kultur, die gut geeignet sei für individuell geförderte Lernprozesse. Ein großes Potenzial sehen sie deshalb im didaktisch gesteuerten Einsatz digitaler Medien im Unterricht.

Doch bevor eine individuelle Förderung und damit ein schnelles, leistungsbezogenes Feedback in Schulklassen überhaupt möglich ist, müssen die dafür notwendigen Grundlagen geschaffen werden. An den meisten deutschen Schulen jedoch fehlen sowohl die technischen als auch die fachlichen Voraussetzungen, um digitale Medien im Unterricht einzusetzen.

Umfrageergebnisse der Telekom-Stiftung zeigen zudem, dass es vielen Schulen auch am kabellosen Internetzugang mangelt. Bei der Studie „Schule digital – Der Länderindikator 2016“ gab lediglich ein Drittel der befragten Lehrkräfte an, dass W-LAN in ihren Klassenräumen verfügbar sei. Aber die Studie zeigt auch erfreuliche Entwicklungen: Die Medienbildung ist in der Lehrerausbildung angekommen und hat einen höheren Stellenwert erlangt. Positive Signale zur Selbsteinschätzung im Umgang mit digitalen Medien kommen vor allem von den Jüngeren: Lehrkräfte, die 39 Jahre und jünger sind, gaben im Vergleich zu älteren Lehrkräften häufiger an, dass ihre universitäre Lehrerausbildung (31 Prozent) und ihr Referendariat (45 Prozent) sie zu einer Auseinandersetzung mit den Auswirkungen digitaler Medien auf Lehrmethoden bewogen habe. Fest steht: Wer als Lehrer Medienkompetenz vermitteln will, muss selbst über diese verfügen. Das erkannte auch die Kultusministerkonferenz (KMK) und machte 2016 das Thema „Bildung in der digitalen Welt“ zu einem ihrer Schwerpunkte. Die Ende 2016 vorgestellte KMK-Strategie definiert nicht nur Handlungsfelder, sondern auch Ziele für alle Bildungsbereiche sowie konkrete Verfahrensvorschläge. Neben der Weiterentwicklung von Bildungsplänen und Curricula geht es darin um die technische Ausstattung der Bildungseinrichtungen und das Angebot von Aus- und Weiterbildungen für Lehrende.

Der Einsatz digitaler Medien ist zwingend notwendig

Mit der Bildungsoffensive „Digitalpakt#D“ will auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Digitalisierung in der Bildung vorantreiben: Für die nächsten fünf Jahre hat es den rund 40.000 Schulen in Deutschland fünf Milliarden Euro für Breitbandanbindung, W-LAN und Geräte in Aussicht gestellt. Im Gegenzug sollen die Länder für entsprechende pädagogische Konzepte sowie Bildungsangebote für Lehrkräfte sorgen.

Das sei ein wichtiges Signal, so der Bildungsforscher Prof. Dr. Hurrelmann über die Initiative des BMBF. Für ihn absolut nicht in Ordnung sei aber, dass es in der Verantwortung der einzelnen Lehrkräfte bliebe, ob sie sich mit dem Thema befassten, und plädiert deshalb für eine Teilnahmeverpflichtung an Fortbildungen, die schul- und jahrgangsspezifisch ausgelegt sein müsste. Denn Schulen, die beim technischen Fortschritt nicht mitkämen, so Hurrelmann, verlören bei den Kindern an Autorität.

Klar ist: Das Wissen um den technischen Umgang mit digitalen Medien ist eine Sache, Medienkompetenz eine andere. Bei der Vermittlung des kompetenten Umgangs sind neben der Schule auch die Eltern gefragt. „Schule und Eltern können sich nicht den Schwarzen Peter zuschieben und vorgeben, die andere Seite müsste diese Kompetenzen vermitteln“, warnt der Schweizer Lehrer und Publizist Philippe Wampfler. „Der Einsatz digitaler Medien ist nicht mehr oder weniger wichtig: Er ist zwingend.“ Wampfler geht sogar noch weiter und sieht in der Suchmaschine Google oder dem Videoportal YouTube Konkurrenz für den Schulunterricht: Jugendliche würden sich eher Erklärvideos anschauen, wenn sie etwas nicht verstünden, und sich in erster Linie nicht an der Schule orientieren. „Auf diese Konkurrenzsituation muss die Schule reagieren und sich auf ihre Stärken besinnen: Die liegen nicht primär in der Wissensvermittlung, sondern in der Pflege sozialer Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden, denn das kann Google nicht anbieten.“

Ein im Lehrplan fest verankerter und flächendeckender Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist derzeit noch Zukunftsmusik. Doch einzelne Vorreiterschulen könnten mit ihren Erfahrungswerten sicherlich helfen. Diese Hoffnung teilt auch der Bildungsforscher Hurrelmann: „Solche Schulen sollten zu Multiplikatoren werden, die viel stärker von ihren Erfahrungen berichten und mit anderen Schulen im Austausch stehen, sodass Schritt für Schritt aus den Erfahrungen Kompetenzfelder für Schüler und Lehrkräfte entwickelt werden können.“

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