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Sprachförderung

Sprachförderung im Sachunterricht

Naturwissenschaft: Besonders gut dafür geeignet, das gemeinsame Sprechen zu fördern

Sprachförderung ist ein wesentlicher Themenschwerpunkt in der bildungs­politischen Debatte – genauso wie die frühzeitige Förderung von Naturwissenschaften. Wie sich beides gewinnbringend miteinander verbinden lässt, zeigt das Arbeitsheft „Laternenmond und heiße Ohren“, das von Lehrkräften für Lehrkräfte entwickelt wurde.

Sprachförderung mit Naturwissenschaften in der Grundschule: Das klingt zunächst nach einer gewagten Kombination. Naturwissenschaften verbindet man schließlich mit einer Sprachform voller Formeln und abstrakter Begriffe. Wie lässt sich also beides verbinden?

Kinder im Vor- und Grundschulalter bringen eine natürliche Neugier mit. Sie wollen ihren Alltag verstehen: Warum klebt der Kleister? Wie reden Ameisen miteinander? Wie kommt das Bild in den Fernseher? Fragen über Fragen, die sich am besten über forschend-entdeckendes Lernen beantworten lassen. Das wiederum erlaubt Sprachförderung in besonderer Weise. Mario Spies, Rektor der Grundschule Landkern, hat für die gemeinnützige Bildungsinitiative Science on Stage Deutschland e. V. die Entwicklung des Arbeitsheftes „Laternenmond und heiße Ohren – Sprachförderung im Sachunterricht“ betreut.

Alltagsphänomene – forschend entdecken und darüber sprechen

Als Grundschullehrer weiß er um die Herausforderung, Sprachförderung in den Unterricht einzubinden. Wichtig für ihn, wie für die Autorinnen und Autoren der Unterrichtsbroschüre, war es deshalb, Lehrkräften eine konkrete Hilfestellung an die Hand zu geben: „Sprache hat beim forschenden Lernen eine wesentliche Bedeutung: einerseits als Gegenstand des Nachdenkens, andererseits als Mittel, die Welt und sich selbst zu verstehen sowie sich mit anderen auszutauschen. Forschendes Lernen ist nicht allein Handeln beim Experimentieren. Um gemeinsam zu einem Ergebnis zu kommen, lernen die Kinder zielgerichtet zu planen, über ihre Erfahrungen zu sprechen, ihre Erkenntnisse zu dokumentieren und das Erlernte zu präsentieren. Das bietet viele tolle Möglichkeiten, Schülerinnen und Schüler zur zielorientierten Kommunikation anzuregen.“

Forschen wie die Großen

Naturwissenschaften in der Grundschule zu behandeln, braucht keine hohe Wissenschaft zu sein. Das Arbeitsheft „Laternenmond und heiße Ohren“ wählt einen einfachen Ansatz: Zeitgenössische Forscherinnen und Forscher erzählen in kurzen Biographien in einfacher Sprache, was sie im Alltag besonders fasziniert hat, wie sie angefangen haben zu tüfteln und wie sie dabei zu ihrer Berufung gefunden haben.

Vorgestellt wird etwa die Chemikerin Petra Mischnik. Als Kind hat sie ihrem Vater gerne beim Tapezieren geholfen. Der Kleister hatte es ihr dabei besonders angetan, denn sie machte eine kuriose Beobachtung: Sie nahm sich heimlich ein wenig Kleber und verwahrte ihn wie einen Schatz. Als sie ihn ein paar Tage stehen gelassen hatte, schien er verschwunden. In dem Topf war stattdessen plötzlich ein kleinerer Topf aus durchsichtigem Material. Heute beschäftigt sich Petra Mischnik vor allem mit der Chemie von Lebensmitteln und erforscht dabei die Rolle von Kohlenhydraten in der Industrie, so zum Beispiel auch von Stärke. In der zu ihrer Biographie anschließenden Arbeitseinheit dürfen die Schülerinnen und Schüler in ihre Fußstapfen treten: Mit Maisstärke stellen sie einen „Brei“ her, und erforschen seine Struktureigenschaften mit ihren Händen, einem Löffel und einem Hammer. Dabei können sie feststellen, dass dieser gleichzeitig flüssig, elastisch und fest ist.

Ein anderes Beispiel gibt der Physiker Otto Lührs. Er interessierte sich als Junge sehr für Elektrizität. Auf dem Bauernhof, auf dem er aufwuchs, sammelte er Drähte und Kabel, verband diese mit einer Motorradbatterie und versuchte, damit eine Glühbirne zum Leuchten zu bringen. Die Birne leuchtete aber nur schwach, weil das Kabel selbst zu viel Energie verbrauchte. Als er alt genug war, studierte er Elektrotechnik und Physik und wurde später zum Leiter des „Spectrum“, des ersten Science Centers in Deutschland, wo er physikalische Phänomene über „Kunststücke“ anschaulich vermittelte. Mit einer „Disc-Rotografie“ bauen die Kinder in „Laternenmond und heiße Ohren“ ein solches Exponat nach: Auf einem CD-Rohling bringen die Schülerinnen und Schüler einen Schaltkreis an, über den eine LED zum Leuchten gebracht wird. Dann wird die CD zum Rotieren gebracht und aus dem einzelnen Lichtpunkt wird plötzlich ein Lichtkreis. Bei diesem Versuch erforschen die Kinder nicht nur, wie ein Stromkreis funktioniert, sondern teilen auch ihre Ideen, wie für unser Auge aus einem Punkt ein Kreis entstehen kann.

Praktische Fortbildungen für Lehrkräfte

Die Bedeutung von Naturwissenschaften in der Grundschule ist inzwischen unumstritten. Um Lehrkräfte bei der praktischen Umsetzung zu unterstützen, hat die Bildungsinitiative Science on Stage Deutschland e. V. nicht nur das Arbeitsheft „Laternenmond und heiße Ohren“ herausgegeben, sondern veranstaltet auch regelmäßig kostenfreie Lehrerfortbildungen zu den Inhalten der Broschüre. Durchgeführt werden diese von Ehrenamtlichen von Science on Stage, die andere Lehrkräfte dazu ermuntern möchten, stärker mit interdisziplinären Ansätzen zu arbeiten, um bei Kindern mit unterschiedlichen Begabungen einen Zugang zur Sprachförderung zu finden. „Die Arbeit mit den Biografien kann helfen, „Türöffner“ zu sein, das heißt Interesse und Motivation zu wecken“, bestätigt eine Fortbildungsteilnehmerin über den Einsatz des Materials in ihrem Unterricht. Das Staunen über naturwissenschaftliche Phänomene erweist sich als guter Motor, um selbstständiges Lernen und Sprechen anzuregen.

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