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Unterrichten

Alles in der Hand – zum ersten Mal

Wie man die Übernahme einer 1. Klasse meistert

In der 1. Klasse sollte vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt und soziales Lernen gefördert werden

Endlich Klassenlehrer und dann auch noch bei einer 1. Klasse. Für viele Lehrer ist das ein besonderer Moment in ihrer beruflichen Laufbahn. Die anfängliche Euphorie weicht jedoch häufig sehr schnell der Erkenntnis, welche Verantwortung da auf einen zukommt. Die richtige Vorbereitung hilft jedoch dabei, damit sich Kinder gern an ihre ersten Schultage erinnern

Die 1. Klasse ist für alle Beteiligten ungewohntes Terrain. Das gilt sowohl für die Kinder, die das ihnen bekannte Umfeld der Kita verlassen und erstmals intensiv mit Schule in Kontakt kommen, als auch für die Eltern, für deren Kinder nun das schulische Lernen beginnt. Und natürlich auch für Lehrer, wenn zum ersten Mal eine 1. Klasse übernommen wird. Dementsprechend groß ist die Nervosität und Aufregung. Der Lehrer muss den Übergang von Kita zur Schule gestalten – eine Aufgabe, die nicht erst mit dem ersten Schultag oder den Sommerferien beginnt.

Vorschul- und Übergangsprogramme

Das haben die Kultusminister der Bundesländer bereits erkannt. So existieren verschiedene Vorschuleinrichtungen, um die Kinder auf die Schule vorzubereiten, wie beispielsweise Schulkindergärten oder Grundschulförderklassen. Andere Bundesländer haben spezielle Übergangsprogramme ins Leben gerufen, bei denen die Kinder regelmäßig ihre zukünftige Grundschule besuchen.

Derartige Vorschul- und Übergangsprogramme werden jedoch nicht überall angeboten. In solchen Fällen können die Kinder beispielsweise an einem Schnuppertag die Schule und ihren Lehrer näher kennenlernen. Auch ein gemeinsames Picknick oder ein Spielenachmittag mit Kindern und Eltern sorgt für eine gelöste Stimmung, mit der sich die Aufregung der Kinder vor der Einschulung abbauen lässt.

Kontakt zu Kita und Eltern

Die Schule sollte zudem einen engen Kontakt zur Kita und den Erziehern pflegen, um sich über die bisherige Entwicklung der zukünftige Schüler ausreichend zu informieren. Hierbei helfen zum Beispiel Schul­eingangsprofile, die von den Erziehern erstellt und vom Lehrer durchgesehen werden können. Durch Besuche in der Kita lernen die Kinder zudem ihren späteren Lehrer bereits kennen. Kleine Geschenke für die angehenden Erstklässler können hierbei ebenfalls hilfreich sein.

Es gilt auch, Kontakt zu den Eltern aufzubauen. Dabei hilft zum Beispiel ein Fragebogen, in dem sowohl Eltern als auch Kinder ihre Erwartungen und Wünsche an die Schule aufschreiben, die letztendlich bei der Zusammenstellung der Klassen berücksichtigt werden können. Ein solcher Fragebogen kann auch die Bitte an das Kind enthalten, ein Bild zum Schulanfang zu malen, das dann im Klassenraum aufgehängt wird. Auf dem Elternabend kann der Lehrer dann vor Schulbeginn über Organisatorisches, Unterrichtsinhalte und -methoden informieren. Darüber hinaus sollte man Fragen zu staatlicher Unterstützung beantworten können.

Um Kindern die Angst vor der Schule zu nehmen, kann der Lehrer einen Brief an seine zukünftigen Schüler schreiben – am besten mit einem aktuellen Bild. Hierin erläutert er, wie ein Tag in der Schule abläuft, welche Fächer es gibt und was die Schüler alles lernen werden. Im Idealfall macht ein solcher Brief neugierig auf die Schule. Für ein Zusammengehörigkeitsgefühl kann zum Beispiel ein dem Brief beigelegtes farbiges Armband sorgen, das die Schüler am ersten Schultag tragen, um so ohne Umschweife zu erkennen, wer zu ihrer Klasse gehört.Patenschaften von älteren Schülern aus Parallelklassen für die „Kleinen“ können die Lehrer bei alldem entlasten.

Vertraute Strukturen schaffen

Der Übergang von der Kita zur Schule wird für die Kinder umso leichter, je fließender er ist. Die Kinder haben bislang den Großteil ihres Lebens nach einem bestimmten Tagesrhythmus sowie konkreten Regel und Ritualen verbracht. Das neue Umfeld Schule sollte damit so wenig wie möglich brechen, denn vertraute Strukturen schaffen bei den Kindern Sicherheit.

Natürlich wird es Veränderungen geben, aber zum Beispiel Geburtstagsrituale, feste Zeiten, die der Bewegung dienen oder in denen vorgelesen wird, sowie Pausen zum Frühstücken können übernommen werden. Auch räumlich sollte der Lehrer an die Kita anknüpfen, damit die Erstklässler von Anfang an Vertrautes, wie etwa Materialboxen mit ihrem Namen oder eine extra gestaltete Leseecke, vorfinden und den neuen Klassenraum als Wohlfühlort annehmen.

Soziales Lernen fördern

In den ersten Tagen und Wochen spielen die einzelnen Fächer noch keine große Rolle. Kinder nehmen in diesem Alter ihre Umwelt ganzheitlich war. Dementsprechend wurde in der Kita auch mit allen Sinnen gelernt. Diesen Ansatz sollte man zunächst auch in der Schule weiter verfolgen. Daher verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Schulfächern zumindest in den ersten Wochen.

Insbesondere sollte der Klassenlehrer viel Zeit auf das soziale Lernen verwenden. Nichts ist wichtiger, als dass die Kinder in den ersten Tagen Beziehungen zu ihren Mitschülern und den Lehrkräften aufbauen. Spiele können dabei helfen, dass sich Lehrer und Schüler mit all ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Ausprägungen schnell kennenlernen. So entsteht auch eine Klassengemeinschaft, die das gemeinsame Lernen unterstützt.

Freiräume schaffen

An alles gedacht? In Ruhe Materiallisten zu erstellen und danach rechtzeitig die Tasche zu packen, schützt vor Hektik am ersten Schultag

Je besser der Lehrer auf die ersten Schultage vorbereitet ist, desto schneller kehrt ein Schulalltag ein. In den ersten Tagen wird der Lehrer durch unzählige Fragen und Befindlichkeiten der Erstklässler in Beschlag genommen. Häufig kommen noch Fragen von Eltern dazu, die nun ihr erstes Kind in der Schule haben und für die diese Situa­tion ebenfalls ungewohnt ist. Viel prasselt auf den Lehrer ein und muss anscheinend sofort und gleichzeitig erledigt werden.

Aber lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen! Sie können sich zeitliche Freiräume schaffen, indem Sie viele organisatorische Dinge schon vor dem Schulbeginn regeln. Das fängt bei der Besprechung mit den Kollegen für eine Materialliste an, geht über die Sichtung und Bestellung benötigter Arbeitshefte und reicht bis zu Namensschildern für die Sitzplätze, Garderobe oder Ablagesysteme. Zudem muss der Klassenraum gestaltet, eventuell ein Maskottchen für die Klasse besorgt oder auch die Begrüßung durch Zweitklässler organisiert werden.

Material und Atmosphäre

Gewohntes gibt Sicherheit: Rückzugsbereiche wie etwa Lese-Ecken kennen die Kinder aus ihrer Kita

Die Materialliste sollte sämtliche Schulmaterialien aufführen, die während des gesamten ersten Schuljahrs benötigt werden. Das bedarf einiger Vorbereitung. Zum einen sollte man die Liste mit Kollegen absprechen, um Doppeleinkäufe zu vermeiden und so das Schulbudget zu schonen. Zum anderen gilt es zu vermeiden, dass die Eltern während des Schuljahrs Materialien nachkaufen müssen. Bei den Fragen, wie viel und welches Material benötigt wird, wissen die älteren Kollegen meistens Rat. Es kann auch nicht schaden, die Liste dem örtlichen Schreibwarenladen auszuhändigen, damit sich dieser auf die Bestellungen einrichten kann. Auch bei den Arbeitsheften sollte man sich vor der Bestellung im Klaren sein, in welchem Umfang man welche Hefte benötigt. Kaum gefüllte, aber bezahlte Arbeitshefte sind den Eltern verständlicherweise ein Dorn im Auge.

Für den ersten Schultag will jeder Klassenlehrer eine besondere Atmosphäre schaffen, wie etwa durch einen bunten Blumenstrauß auf dem Pult oder kleine Vasen mit Blumen auf den Tischen der neuen Schüler. Auch die Tafel kann mit einem „Herzlich willkommen“ besonders verziert werden. Die Namensschilder können ein Bild des Klassenmaskottchens oder ein Anlautbild zeigen. Man sollte sie auf jeden Fall auf beiden Seiten beschriften, damit der Schüler nicht auf ein leeres Blatt Papier schauen muss.

Eines wird deutlich: Die Übernahme einer 1. Klasse ist mit viel Arbeit verbunden. Deshalb gilt hier besonders: Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Gegenüber den Eltern demonstriert der Lehrer so Kompetenz und Engagement. Die Schüler finden sich schnell zurecht, legen ihre Aufregung ab und fühlen sich gleich im neuen Umfeld wohl. Und auch der Lehrer kann sich seiner anfänglichen Nervosität entledigen, wenn er feststellt, dass seine Arbeit von den Eltern geschätzt wird und bei den Erstklässlern gut ankommt.

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