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Sicherheit lernen

Laufbusse und Taxi-Eltern

Tipps für die Verkehrserziehung in der Grundschule

Alle 19 Minuten verunglückte im Jahr 2015 ein Kind im Straßenverkehr, viele davon auf dem Schulweg. Gerade in der Grundschule sollten Lehrer daher Eltern für die Verkehrserziehung besonders sensibilisieren

In der Altersgruppe der 6- bis 14-Jährigen zählte das Statistische Bundesamt für das Jahr 2015 rund 9.500 Verkehrsunfälle mit Personenschaden, die auf das Fehlverhalten der Kinder als Fußgänger oder Radfahrer zurückzuführen sind. In über 88 Prozent wird ein Unfall mit Schülern beim Überqueren der Fahrbahn verursacht. Bei den jungen Radfahrern sind die falsche Straßenbenutzung, insbesondere die Nutzung der falschen Fahrbahn, sowie das Abbiegen und Wenden die häufigsten Unfallursachen.

Besonders betroffen sind natürlich die Schulanfänger, die gleichzeitig Verkehrsanfänger sind. Es fehlt an Erfahrung, um die Entfernung und Geschwindigkeit eines Fahrzeugs richtig einzuschätzen. Sie können nicht über parkende Fahrzeuge hinwegschauen, ihr Gesichtsfeld ist noch sehr eingeschränkt und die Verkehrsregeln sind auch noch nicht vollständig verinnerlicht. Grund genug also, den Eltern bereits vor dem ersten Schultag einige Ratschläge an die Hand zu geben, wie ihre Kinder den Weg zur neuen Schule sicher meistern können.

Der Schulweg sollte gemeinsam mit dem Kind festgelegt und eingeübt werden. Dabei ist nicht unbedingt der kürzeste auch der sicherste Weg. Eltern sollten beispielsweise darauf achten, dass ihr Kind möglichst wenige Fahrbahnen überqueren muss. Die Schule kann die Wahl des richtigen Schulwegs mit Schulwegplänen unterstützen, auf denen Fußgängerampeln und Zebrastreifen eingezeichnet sind.

In den ersten Wochen ist es ratsam, dass die Eltern ihr Kind auf dem Schulweg begleiten. Dabei können sie das Verhalten des Kindes beobachten, um zu erkennen, wo noch geübt werden muss. Hektik am Morgen sollte auf jeden Fall vermieden werden, denn das vermindert die Konzentration des Kindes auf den Straßenverkehr.

Nicht alle Eltern haben die Zeit, ihr Kind jeden Morgen auf den Schulweg zu begleiten. Für Entlastung sorgt zum Beispiel ein sogenannter Laufbus, der in der Nachbarschaft organisiert werden kann. Dabei wird eine Gruppe von Kindern von zwei oder mehr Erwachsenden auf dem Schulweg begleitet. Wie ein richtiger Bus folgt der Laufbus einer vorher festgelegten Strecke. Ebenso hält er an vereinbarten Treffpunkten, an denen die Kinder „einsteigen“ können.

Mit Rad und Auto

Nicht wenige Eltern wollen ihr Kind bereits in der 1. Klasse mit dem Rad zur Schule schicken. Davon ist jedoch dringend abzuraten, da die Kinder in diesem Alter mit den komplexen Anforderungen des Verkehrs noch überfordert sind und das Unfallrisiko immens steigt. In der Regel wird ab der 3. Klasse eine Radfahrausbildung vorgenommen. Erst nach dem erfolgreichen Abschluss dieser Ausbildung sollten Kinder alleine mit dem Rad zur Schule fahren. Zu beachten ist auch, dass Kinder nur bis zum zehnten Lebensjahr mit dem Rad auf dem Gehweg fahren dürfen. Anschließend müssen sie wie jeder andere Fahrradfahrer auch den Radweg oder die Straße benutzen.

Natürlich ist es nicht immer möglich, dass die Kinder den Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen. Knapp ein Drittel der Schüler unter 15 Jahren wird heute von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht. Dabei muss nicht nur die Sicherheit im Auto berücksichtigt werden. Insbesondere vor den Schulen sorgen diese „Taxi-Eltern“ bisweilen für Chaos und erhöhen damit das Unfallrisiko.

Rücksichtsloses Parken und Rangieren kann durch die Einrichtung von Hol- und Bringzonen vermieden werden. Solche Zonen sollten nicht direkt vor dem Schulgebäude eingerichtet werden, sondern in einiger Entfernung. So wird der Autoverkehr vor der Schule entzerrt und die Kinder bewegen sich noch ein wenig, bevor der Unterricht beginnt. Ohnehin sollten Lehrer den Eltern nahelegen, dass die Kinder den Schulweg zu Fuß oder später mit dem Rad zurücklegen, denn auch der Weg zur Schule ist ein Lernort. Ganz abgesehen vom Erlernen der Verkehrsregeln, treffen Schüler hier auch auf ihre Kameraden und tauschen sich aus.

Vorbild sein

Nicht nur als Taxifahrer geben Eltern häufig ein schlechtes Vorbild für den Nachwuchs ab. Auch beim Tragen eines Fahrradhelms bekleckern sie sich nicht gerade mit Ruhm. „Zwei Drittel der Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren sind stets mit Helm unterwegs“, erklärt Dorothee Bär, Parlamentarische Staatsekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Bei den Erwachsenen sind es je nach Alter nur zwischen sieben und 21 Prozent.

Doch gerade bei der Verkehrserziehung kommt es darauf an, dass die Eltern als Vorbilder fungieren. Sie sollten mit ihrem Kind über ihr Verhalten im Verkehr sprechen, denn Kinder lernen am besten in der Situation sowie durch Nachahmung und ständige Wiederholung. Lerneffekte stellen sich jedoch nicht ein, wenn Eltern mit ihren Kindern am Wochenende den Schulweg üben, denn dann herrscht weniger Verkehr als in den Morgen- und Nachmittagsstunden. Die Verkehrserziehung im Unterricht gelingt umso besser, je frühzeitiger der Lehrer die Eltern mit einbindet.