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So gelingt das Lernentwicklungsgespräch in der Grundschule

Trotz gewisser Risiken, auf die der vorige Beitrag eingegangen ist: Das Lernentwicklungsgespräch (LEG) kann beim Schüler das selbstständige Lernen fördern und zu mehr Eigenverantwortung führen. Wird es jedoch falsch angegangen, gerät der Schüler schnell in die Defensive und unter Druck. Mit der richtigen Planung und Realisierung kann man das vermeiden

Auch wenn Lernentwicklungsgespräche bereits seit einigen Jahren an Grundschulen realisiert werden, tritt bei Lehrern und Eltern immer noch Skepsis gegenüber dieser neuen Form der Leistungsbeurteilung auf. Bislang sprachen die Eltern mit dem Lehrer über das Kind. Im LEG spricht der Lehrer mit dem Kind und bezieht dabei die Eltern ein. Dieses Neuland sollten weder Eltern noch Schüler völlig ohne Vorbereitung betreten. Um der Skepsis gegenüber dem Ungewohnten vorzubeugen, sollten die Eltern im Vorfeld über die Ziele und die Inhalte des Lernentwicklungsgesprächs informiert werden. Vor allem aber gilt es, ihnen auch ihre Rolle im LEG zu verdeutlichen. Sie nehmen eine Beobachterposition ein und werden erst eingebunden, wenn es um die Lernvereinbarungen geht.

Auch die Schüler sollten nicht unvorbereitet in ein LEG gehen. Das bevorstehende Gespräch wird also vom Lehrer im Unterricht thematisiert, indem zum Beispiel darauf hingewiesen wird, wie wichtig es ist, immer wieder mal auf das Erlernte zurückzuschauen und sich neue Ziele zu setzen. Viele Schulen nutzen zur LEG-Vorbereitung an die jeweilige Klassenstufe angepasste Dokumentationsbögen, die unabhängig voneinander von den Schülern und dem Lehrer ausgefüllt werden. Durch den Vergleich beider Bögen setzt der Lehrer für das LEG thematische Schwerpunkte fest.

Entspannte Gesprächsatmosphäre

Vor dem angesetzten Gesprächstermin sollte der Lehrer eine Sitzordnung wählen, bei dem sich das Kind als gleichberechtigter Partner wiederfindet, zum Beispiel an einem runden Tisch. Wie bei jedem anderen Gespräch, so spielt auch beim LEG der Beginn eine große Rolle. Hier entscheidet sich, ob sich das Kind öffnet oder ob es sich zurückzieht. Wurde das LEG bereits im Unterricht angesprochen, kann der Lehrer hieran anknüpfen und so beim Kind Vertrautheit herstellen. Des Weiteren erklärt der Lehrer den Ablauf des Gesprächs, damit das Kind abschätzen kann, was als nächstes passiert. Das nimmt die Unsicherheit vor ungewissen Situationen.

In der Regel geht der Lehrer in drei Schritten vor: Zuerst wird der Lernstand des Schülers angesprochen, dann die Defizite. Hierzu werden die Dokumentationsbögen des Kindes und der des Lehrers mit einbezogen. Wichtig ist auch die Reihenfolge: Zuerst spricht immer das Kind, dann können die Eltern zu Wort kommen oder der Lehrer führt das LEG weiter. Fachtermini haben im LEG nichts verloren. Auch sollte die Körpersprache des Lehrers mit seinen Aussagen übereinstimmen.

Gespräch mit, nicht über das Kind

Im Gespräch nimmt der Lehrer eine beratende Haltung ein und reflektiert gemeinsam mit dem Schüler seine Stärken und Schwächen. Dabei sollte der Lehrer mit dem Kind reden und nicht über seinen Kopf hinweg die Eltern ansprechen. Aktives Zuhören und genügend Zeit zum Antworten signalisieren dem Kind, dass der Lehrer an dessen Meinung interessiert ist. Nonverbale und verbale Impulse können es ebenfalls dazu anregen, sich zu öffnen.

Im Mittelpunkt steht die Selbstreflexion des Schülers, wie er sie im Dokumentationsbogen dargelegt hat. Der Lehrer bestätigt oder ergänzt die Selbsteinschätzung oder hält seine Einschätzung dagegen, ohne dabei das Kind unter Druck zu setzen. Darauf ist insbesondere dann zu achten, wenn es um die Schwächen des Schülers geht. An diesem Punkt mischen sich häufig die Eltern ein, wodurch das LEG schnell in eine ausufernde Diskussion über das Kind mündet, anstatt ein Gespräch mit ihm zu führen.

Gemeinsame Ziele und Maßnahmen

Letztlich werden gemeinsam Lernziele formuliert. Auch hier sollte die Motivation vom Schüler ausgehen. Die Ziele müssen seinen individuellen Voraussetzungen entsprechen und dürfen ihm nicht aufoktroyiert werden. Damit der Schüler auch weiß, wie er die Ziele erreichen kann, gehören ein oder zwei Maßnahmen beziehungsweise Vorsätze zu den Zielformulierungen.

Am Ende wird das LEG mit einem optimistischen Ausblick abgeschlossen. Sowohl die Eltern als auch der Schüler erhalten ein Protokoll des Gesprächs.

Im Nachgang kann es nicht schaden, Feedback von den Eltern über den Verlauf des LEG einzuholen, auch um das Gespräch weiter zu optimieren. Im Unterricht sollte der Lehrer Wert darauf legen, die Selbstreflex­ion des Schülers weiter zu fördern, indem die gemeinsam beschlossenen Ziele im Auge behalten werden. Schließlich bilden ihr Erreichen – oder Nichterreichen – die Grundlage für das nächste LEG.

Denn nach dem Gespräch ist immer vor dem Gespräch.

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