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Lesen – Schreiben – Sprechen fördern

Expeditionen ins Tierreich

Mit Büchern literaturpädagogische Projekte entwickeln

Manuela Hantschel

Abb. 1: Schreiben überwindet Grenzen – zwischen Kontinenten, aber auch im eigenen Denken. Diese Erfahrung haben die kleinen Autoren dieser Briefe gemacht

Die aktuelle IGLU Studie 2016 zeigt: Jeder fünfte Schüler kann nicht richtig lesen, trotzt zahlreicher Leseförderprogramme stagniert die Lesekompetenz. Ist die Leseförderung, so wie sie bisher praktiziert wurde, also nicht effektiv genug? Mit der Weiterbildung „Lese- und Literaturpädagogik“ hat der Bundesverband Leseförderung ein curriculares Modell entwickelt, das die Leseförderung ganzheitlich versteht und in ihre Komplexität einzigartig ist

Literaturpädagogisches Handeln bedeutet, dass Kinder durch bildlich-illustrative, darstellende, spielende, handelnde Erschließung ein Verhältnis zum Buch und Lesefreude entwickeln. Das Vermitteln von positiven Leseerfahrungen gelingt besonders nachhaltig mit Büchern, die die Kinder ansprechen, sie berühren, ihnen den Blick öffnen, sie neugierig machen, sie irritieren, sie zum Lachen bringen und ihre Fantasie anregen.

Das kreative Potenzial der Literaturvermittlung zeigt sich vor allem, wenn Buch und Kind in einer spielerisch originellen Partnerschaft – wie in den folgenden, praxiserprobten Unterrichtssequenzen beschrieben – aufeinander treffen. Vorbereitende Überlegungen des Vermittlers können sein:

  • Wie bringe ich die Kinder vor dem Lesen in Verbindung mit dem Buch/Thema?
  • Welche Methoden passen im Verlauf des Lesens zu den Fähigkeiten und Fertigkeiten der Zielgruppe?
  • Wie vermittle ich den Textbezug zur eigenen Lebenswelt?
  • Wie motiviere ich die Zielgruppe zum Lesen?
  • Wie erreiche und sichere ich Nachhaltigkeit auch nach der Lektüre?

Klasse 1 und 2 – Themen: Tiere, Briefe, Freundschaft (fächerübergreifend mit Sachkunde, Kunst)

Megumi Iwasa: Viele Grüße, Deine Giraffe!

In der afrikanischen Savanne lebt Giraffe und sehnt sich nach einem Freund, denn ihr Leben ist schrecklich langweilig. Da Pelikan gerade seine Poststation eröffnet hat, schreibt Giraffe einen Brief: „Du sollst ihn dem ersten Tier übergeben, das dir hinter dem Horizont begegnet“, sagt sie zu Pelikan. Den Brief erhält Pinguin und so entsteht zwischen der weit entfernten Walsee am Südpol und der afrikanischen Savanne ein konstruktiver Briefwechsel und eine tiefgründige Brieffreundschaft.

Es macht gar nichts, dass beide Tiere keine Ahnung vom Leben des anderen haben. Denn schon bald beschließt Giraffe, ihren Brieffreund als Pinguin verkleidet zu besuchen …

In diesem kleinen Briefroman aus der Erstlesereihe des Moritz Verlages steckt eine Fülle an kreativer Vermittlungsenergie. Eine geglückte Wertschätzung des Schreibens, ein Plädoyer für Toleranz und die Neugier auf Andere. Die Botschaft, dass Schreiben Entfernung und Fremdheit überbrückt, kommt bei Buchfiguren ebenso an wie bei den Lesern. Die folgende Anregung stellt hier nur das Potentzial des freien und angeleiteten Schreibens vor.

Einführung:
zwei Gruppen (Afrika + Antarktis)

In einem Brainstormings sammelt jede Gruppe Tiere mit den Charaktermerkmale für Afrika oder für den Südpol. Inwieweit die Sammlung methodisch begleitet werden muss, hängt vom Alter der Kinder und ihren Fähigkeiten ab.

Eine fundierte, vielfältige Auswahl an Sachbüchern macht das Zusammentragen der Ergebnisse für alle zum aufregenden Erlebnis. Die Recherche lässt sich mit der Suche im Internet ergänzen. Spiele wie Pantomime, Stille Post, „Wer bin ich“ oder Bilderpuzzles lockern die Recherche auf. Bewegung und Spannung schaffen zum Schluss einen „Wettlauf“: Wer hat die meisten Tiere, Begriffe … gefunden? Ein Quiz wie im TV-Duell macht den Kindern auch viel Spaß und vermittelt Vorwissen für die Lektüre.

Vertiefung

Die Lehrperson liest in der Folgestunde das Buch von Seite 13 bis 21 vor. (Das Cover des Buches sollten die Kinder zu diesem Zeitpunkt nicht sehen – am besten mit Packpapier einschlagen.) Daran schließt sich eine lebhafte Diskussion an: Was ist hinter dem Horizont?

Inwieweit die Kinder jetzt selbstständig lesen oder in Auszügen kopierte Seiten lesen, oder weiter vorgelesen wird – das hängt von den Lesefähigkeiten der Kinder ab. In jedem Fall wird der Brief auf Seite 42 zum Anlass genommen, um anstelle des Pinguins zu antworten (siehe Abb. 1).

Der nun angeleitete Schreibprozess begleitet abschnittweise das Lesen der Lektüre. Viele amüsanten Überraschungsmomente werden zum Leseerlebnis.

Das Lesen der Briefe im Buch und das eigene Schreiben/Antworten lassen sich mit der Vermittlung von Kenntnissen zum Aufbau eines Briefes und der Gestaltung eines Briefumschlages verbinden.

Intensivierung des Leseerlebnisses

Darüber hinaus bieten sich nach der gemeinsamen Lektüre noch weitere produktive Methoden zur Vertiefung des Gelesenen an:

  • Steckbrief zu Giraffe, Pinguin, Pelikan, Robbe und Wal schreiben und gestalten
  • Versuche mit Wasser machen
  • Eine Geschichte schreiben, die Handlung fortführen: Was erleben Giraffe und Pinguin in der Heimat des anderen? Welche Tiere könnten sich noch treffen?

Klasse: 3 und 4 – Themen: Tiere, Freundschaft, Lüge und Wahrheit, Identität, Moral

Ulrich Hub: Füchse lügen nicht

Ideal für kreativen Literatur-Unterricht: Iwasas „Viele Grüße, Deine Giraffe“ und Hubs „Füchse lügen nicht“

Die Handlung in „Füchse lügen nicht“ spielt ausnahmslos in der Animal-Lounge eines Flughafens. Dort warten sechs Tiere anfangs noch sehr geduldig auf ihre Flüge: Eine Gans, zwei kluge Klon-Schafe, ein Affe, ein Tiger und ein Panda.

Der Wachhund hat seine Not, die zunehmend quengelnde, aufsässige Tiergruppe zu bändigen. Ablenkung bringt der plötzlich auftauchende Fuchs. Mit vortrefflichen Lügen und geschickten Tricks gewinnt er nach und nach jedes Tier für sich …

Können Tiere lügen? Diese zentrale Frage bestimmt das Thema des Buches und wird mit den verschiedenen Tierfiguren auf unterhaltsame Weise immer wieder neu gestellt. Im Unterrichtsgespräch lässt sich besonders repräsentativ herausarbeiten, welche Wirkung die literarische Gestaltung auf die Sprache und die Handlung hat. Die Förderung der sozialen Kompetenzen (sprachliche, moralische und emotionale Entwicklung) folgt daraus.

Bei der Lektüre „Füchse lügen nicht“ können sich Kinder anhand der tierischen Figuren mit unterschiedlichen Verhaltensmustern auseinandersetzen, Perspektivübernahmen als literarisches Mittel erkennen und sich darüber hinaus die persönliche Frage stellen, warum Menschen lügen.

Abb. 2: Literaturpädagogische Vermittlungsmethoden zu Ulrich Hubs Buch „Füchse lügen nicht“

Für die Klassenstufe 3 und 4 lassen sich die Motive und Themen des Buchs vortrefflich umsetzen. In der Übersicht (siehe Abb. 2) wird dargestellt, welche literaturpädagogischen Methoden in den drei Phasen Anbahnen – Vertiefen – Intensivieren eingesetzt werden können.

Ein umfassendes Unterrichtsmodell zum Buch steht im kostenlosen Download bereit unter: www.carlsen.de/taschenbuch/fuechse-luegen-nicht/68653

Vorsitzende Bundesverband Leseförderung e. V.

Verwendete Literatur

Megumi Iwasa: Viele Grüße, Deine Giraffe.

Übersetzt aus dem Japanischen von Ursula Gräfe.

Mit Illustrationen von Jörg Mühle.

Frankfurt 2017, Moritz Verlag

Ulrich Hub: Füchse lügen nicht. Mit Illustrationen von

Heike Drewelow. Hamburg 2016, Carlsen Verlag

Weitere Informationen:

www.bundesverband-lesefoerderung.de

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