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Unterrichtspraxis

Digitale Wandkarte mit Satellitenblick

Neue Technologie für das „Stiefkind“ Geografie

Joachim Göres / klett-themendienst

Auf einer stummen Karte Städte und Flüsse einzeichnen, die der Lehrer zuvor an der Wandkarte mit einem Stock umrissen hatte – solche Erfahrungen prägen bis heute die Erinnerungen von Erwachsenen an ihren Erdkundeunterricht. Heute arbeiten viele Schulen im Fach Geografie mit Satellitenbildern und digitalem Weltatlas. Trotz verbesserter Lehrmöglichkeiten durch den Einsatz moderner Technik sorgen sich viele Erdkundelehrer um die Zukunft ihres Faches

Donnerstag, 4. Stunde im Christian-Gymnasium Hermannsburg am Rande der Lüneburger Heide. Kathleen Weber behandelt in einer 6. Klasse im Erdkundeunterricht das Thema Klima- und Vegetationszonen. Zunächst projiziert sie verschiedene Aufnahmen z. B. vom Dschungel an die Tafel, auf denen typische dort lebende Tiere eingeblendet sind. Polarzone, Tropen, Subtropen oder gemäßigte Zone – die 20 Schüler müssen meist nicht lange überlegen, um die im Bild dargestellte Landschaft der entsprechenden Zone zuzuordnen. Die Oberstudienrätin verteilt einen Zettel, auf dem 15 Städte auf einer Weltkarte markiert sind und der richtigen Klimazone zugeordnet werden sollen. Als Hilfsmittel dürfen die Schüler einen Atlas benutzen. „Timo, du kannst mal für die erste Stadt ein Kreuz auf der Karte machen“, fordert Weber einen Schüler in der ersten Reihe auf und drückt ihm einen dicken Stift in die Hand. Der geht nach vorne an die Tafel, sucht einen Moment und malt einen dicken Kringel in roter Farbe dorthin, wo seiner Meinung nach Köln liegt. „Das gehört zur gemäßigten Zone“, stellt Timo fest und wird für die richtige Zuordnung von der Lehrerin gelobt.

Anschaulichkeit ist wichtig

„Früher, als wir noch keine moderne Technik hatten, hätte ich für diese Stunde mehrere Wandkarten einmal quer durch die Schule schleppen müssen, das wäre mir viel zu schwer gewesen“, sagt Weber. Moderne Technik – dazu gehört ein Erdkunde-Atlas auf CD-ROM, dessen Karten in Großformat per Laptop an die Tafel – einem sogenannten Whiteboard – geworfen werden können. Dazu gehört, dass einzelne Kartenausschnitte durch Berühren des Whiteboard per Hand stark vergrößert werden können, um einzelne Regionen genauer, als dies mit herkömmlichen Wandkarten oder mit dem gedruckten Atlas möglich ist, unter die Lupe nehmen zu können. Dazu gehört der Zugriff auf Satellitenbilder und auch die Bearbeitung aktueller Themen anhand von auf den neuesten Stand gebrachten Karten, die Schulbuchverlage als kostenlosen Download zur Verfügung stellen. „Es gibt noch viele weitere Funktionen, die ich noch gar nicht ausprobiert habe. Auf jeden Fall ist die Anschaulichkeit groß, und das ist gerade für junge Schüler wichtig. Die haben nämlich immer mehr Probleme mit der räumlichen Orientierung“, sagt Weber. Mit 44 Jahren gehört sie zu einer Lehrergeneration, die die neuen technischen Möglichkeiten schätzt, sie aber auch kritisch hinterfragt. Die Auflösung der Karten könnte besser sein, die Farben noch intensiver.

Die Arbeit der gesamten Klasse mit dem digitalen Atlas am PC, an dem Aufgaben bearbeitet oder auch Klassenarbeiten geschrieben werden können, hält die Fachgruppenleiterin Erdkunde am Christian-Gymnasium in den unteren Klassen noch für zu früh: „In diesem Alter geht es erstmal darum, dass die Schüler lernen, wie sie einen gedruckten Atlas richtig benutzen. In der Oberstufe ist das Arbeiten am Laptop in Erdkundekursen wesentlich sinnvoller.“

Immer weniger Schüler

Erdkunde in der Oberstufe – ein Thema, bei der sich das bisher freundliche Gesicht von Kathleen Weber verfinstert. „Wer in Niedersachsen Erdkunde wählt, der wird bestraft, weil er dennoch Geschichte und Politik belegen muss und so zusätzliche Stunden hat.“ Die Folge: Immer weniger Schüler entscheiden sich in der Oberstufe für Erdkunde. Ihre Zahl dürfte vermutlich noch sinken, weil künftige Abiturienten nach zwölf Schuljahren entlassen werden, was dazu führt, dass sie zusätzliche Stunden, die nicht unbedingt nötig sind, wegen ihrer hohen Pflichtstundenzahl noch stärker abwählen, als dies bei den bisherigen Abiturienten mit 13 Schuljahren der Fall war. „In weiten Teilen des Ostens und in NRW hat das Fach Erdkunde noch einen viel schlechteren Stand als in Niedersachsen. Wir haben den Eindruck, dass in vielen Ländern die politisch Verantwortlichen Erdkunde auf Dauer aus der Oberstufe verbannen wollen“, sagt Frank Czapek, Bundesvorsitzender des Verbandes Deutscher Schulgeographen. Dabei sind aktuelle Themen wie Globalisierung, Klimawandel, Migration oder Wasserknappheit nach seiner Auffassung geradezu prädestiniert dafür, im Erdkundeunterricht behandelt zu werden. „Wirtschaftsthemen spielen bei der Ausbildung der Erdkundelehrer eine große Rolle, und es wäre sinnvoll, ökonomische Fragen in unserem Unterricht zu behandeln. Stattdessen wird dieser Bereich dem Fach Politik zugeschlagen“, klagt Czapek. Das Argument, dass durch die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre auch der Stoff reduziert werden muss, damit Schüler nicht überfordert werden, lässt er nicht gelten: „Erdkunde ist schon immer mit maximal zwei Stunden die Woche unterrichtet worden. Seit 40 Jahren sind wir es gewohnt, exemplarisch zu arbeiten. Die sinkende Bedeutung von Erdkunde hat in Zeiten knapper Kassen auch Folgen für die finanzielle Ausstattung des Faches. „Gerade in den Großstädten sieht es schlecht aus“, sagt Czapek: „Die Bedeutung von Geografie steht und fällt mit der Haltung der Schulleitung. An meinem Gymnasium in Hannover gibt es kaum Geld für Neuanschaffungen, und es heißt nur: ‚Erdkunde ist für die Oberstufe nicht vorgesehen.‘“

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