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Digitales Klassenzimmer

Nur wunde Daumen?

Neue Studie zu Handys im Unterricht will mit Vorurteilen aufräumen

Markus Hofmann / bikl.de

Mobiltelefone im Unterricht verbessern die Lernleistung von Schülern und wirken sich sogar positiv auf das Klassenklima aus. Das zeigt eine Studie der Fachhochschule St. Pölten (Österreich), die in Feldversuchen an Schulen spielerisch Smart Phones in den Unterricht integriert hat

Handys sind in der Schule normalerweise unerwünscht, denn sie lenken ab und stören andere. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Laut einer Feldstudie der FH St. Pölten können sie einen wertvollen Beitrag für den Lernerfolg leisten. Das Handy-Lernen böte vor allem zwei Vorteile: Die Schüler beschäftigen sich aktiver mit dem Stoff und im Klassenverband entstehen neue soziale Gruppen, die zusammen lernen.

Gut für die Klassengemeinschaft

Die Ergebnisse zeigen: Die Schüler sind allein durch die Verwendung der Handys schon motiviert. Denn das mobile Gerät bietet die Möglichkeit des interaktiven Lernens – die Schüler lernen spielerisch und damit auch effizienter. So haben sie sich im Feldversuch interaktiv mit dem Lernstoff beschäftigt, indem sie Aufgaben mit dem Handy in virtuellen Gruppen lösten, z. B. Frage-Antwort-Spiele. Besonders überraschend ist darüber hinaus ein anderer Effekt: Das Handy-Lernen wirkt sich positiv auf die Klassengemeinschaft aus. Denn wird das Handy von den Schülern in anonymen Teams genutzt, fallen die üblichen sozialen Probleme bei der Gruppenbildung weg – nämlich, dass Kinder normalerweise nur mit bestimmten Mitschülern zusammenarbeiten wollen.

Neue Arbeitsteams

Welche konkreten Vorteile die Nutzung eines Smart Phones im Unterricht bringt, erklärt Projektleiter und FH-Professor Grischa Schmiedl vom Institut für Medieninformatik: „Jugendliche sind heutzutage sogenannte Digital Natives. Das heißt, sie sind mit dem Internet aufgewachsen und können daher mit Neuen Medien oft besser umgehen als mit analogen – wie zum Beispiel einem Lehrbuch. Dies sollte man sich auch in der Schule zunutze machen. Denn Smart Phones erfüllen die wichtigsten Funktionen für das Arbeiten im Internet und werden von Jugendlichen ständig und überall mitgenommen und angewendet. Das legt den Grundstein für mobiles Lernen und wirkt sich aktivierend und motivierend auf die Schüler aus.“

Darüber hinaus haben die Smart Phones noch einen anderen überraschenden Effekt: Sie schaffen bei anonymer Nutzung innerhalb der Klasse ganz neue Arbeitsteams und tragen damit zu einem positiven Klassenklima bei. Normalerweise wählen Schüler ihre Teampartner nämlich immer auf Basis von Sympathien innerhalb der Klasse. Mit den Handys können sie Aufgaben in virtuellen Teams lösen, ohne dabei ihre Teamkollegen zu erkennen. Damit finden plötzlich auch Schüler in Gruppen zusammen, die im „normalen“ Umgang Probleme miteinander haben. Von dieser Durchmischung profitieren die Jugendlichen im täglichen Umgang. Die Smart Phones ermöglichen damit das gemeinsame Konzentrieren auf den Lernstoff ohne mühsamen Teambildungs-Prozess.

Mobiles Lernen auch außerhalb der Schule

Neben den sozialen und schulischen Vorteilen kann das Handy-Lernen auch eine gute Möglichkeit bieten, Schüler zu körperlicher Aktivität zu motivieren. Gerade Jugendliche leiden bekanntermaßen oft unter Bewegungsmangel. Im Zuge der Studie arbeiteten sich die teilnehmenden Schüler im Alter von elf bis 16 Jahren mit Freude bei einer Rätselrallye quer durch die Schule. Sie lösten Aufgaben an verschiedenen Stationen und arbeiteten sich durch direkte Eingabe von Daten per Handy von Aufgabe zu Aufgabe weiter vor. Dies ist eine gelungene Abwechslung zum Lernalltag an der Schulbank, wie FH-Professor Schmiedl erläutert: „Das Handy wirkt sich aktivierend auf die Jugendlichen aus. Zusätzlich fördert die Bewegung auch das bessere Einprägen des Schulstoffs.“

Mit dieser Studie konnten dank der Partnerschulen, der wirtschaftlichen Fachschule Sta. Christiana in Rodaun und des Wienerwaldgymnasiums in Tullnerbach viele Erfahrungen für eine Handy-Nutzung im Unterricht gesammelt werden. Daraus ergeben sich Chancen, die schulische Handy-Nutzung in Zukunft zu erweitern. So könnten die Jugendlichen mit dem Handy künftig auch einen Teil ihrer Hausaufgaben erledigen. Das würde noch stärker zur Verbesserung der sozialen Gefüge beitragen. Denn anstatt alleine zuhause vor den Büchern zu sitzen, würden die Schüler im Team weiter zusammenarbeiten. Auch das will der Studienleiter der FH St. Pölten mit seinem Team und den Partnerschulen demnächst testen. Dank der Ergebnisse dieser Feldstudien könnten Handys in der Schule bald keine unerwünschten Störenfriede mehr sein. Denn die technische Entwicklung schreitet rasch voran. Und so könnte das, was diesmal nur ein Versuch war, in ein paar Jahren schon zum Schulalltag gehören.

Die Studie

Grischa Schmiedl, Thomas Grechenig, Birgit Schmiedl: Mobile Enabling of Virtual Teams in School – An Observational Study on Smart Phone Application in Secondary Education. ICETC 2010, Shanghai/ China.

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