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Architektur

Experten sind gefragt

Jugendliche gestalten ihren Spielraum

Öffentliche Räume gehören allen. Darum sollten sich auch alle bei der Gestaltung dieser Räume einbringen dürfen. Doch in der Praxis bestimmen Planungsgremien meist über die Köpfe der Kinder und Jugendlichen hinweg. Dass es auch anders geht, zeigt SPIELRAUM, ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung – mit Modellcharakter auch für die Zukunft unserer Schulen

Gabriele Schmidt ist verantwortlich für das Programm SPIELRAUM der DKJS.Bianka Pergande ist Bereichsleiterin der
Programmabteilung „Verantwortungwagen“ der DKJS. Wo sich junge Menschen in ihrer Freizeit treffen und miteinander austauschen, ergibt sich häufig aus den verfügbaren Plätzen. In eng bebauten Bezirken großer Ballungsräume sind diese jedoch oftmals wenig attraktiv: Zum Treffpunkt wird der ungenutzte Parkplatz, der kaputte Sportplatz oder die Brachfläche. Für Kinder und Jugendliche ist gerade der öffentliche Nahraum ein Ort des Aufwachsens und der Persönlichkeitsentwicklung. Bildung in einem erweiterten Verständnis findet also auch in den vielfältigen Interaktionen von Heranwachsenden im öffentlichen Raum statt.

Stadtplanung wird in der Praxis meist ohne Kinder und Jugendliche gemacht. Was in der urbanen Realität noch immer fehlt, sind lokal-sozialräumliche Konzepte, in denen Menschen über Zuständigkeitsgrenzen hinweg gemeinsam mit Jugendlichen Verantwortung für ihr Lebensumfeld übernehmen. Hier setzt SPIELRAUM an, ein gemeinsames Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und Nike.

Öffentlicher Raum als Lernumgebung

Die Idee des Programms ist, die Attraktivität von Sport für einen einfachen Zugang zu Kindern und Jugendlichen zu nutzen, die von klassischen Angeboten der Jugendsozialarbeit oftmals nicht gut erreicht werden. In Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Wien und Zürich werden seit 2008 öffentliche Plätze unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zu lebenswerteren Orten umgestaltet. Es entstehen SPIELRÄUME, in denen junge Menschen sich treffen und Sport machen können. In dem Programm geht es jedoch um mehr als um Sport. Es setzt auf ein erweitertes Verständnis von Bildung: Die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen und damit die partizipative Ausgestaltung der SPIELRAUM-Projekte rückt einen Aneignungs- und Selbstbildungsprozess in den Blick, in dem der öffentliche Raum Lern- und Lebensumgebung ist. Der Ansatz der Befähigung (Empowerment) ist die Voraussetzung für Aneignungs-, Handlungs- und Orientierungskompetenz im Kontext einer bewegungsorientierten Platznutzung.

Mit gutem Beispiel voran

Darüber hinaus geht es auch darum, flexible und multifunktionale Nutzungsräume zu zu gestalten. Und schließlich um die Frage, wie Verantwortungsgemeinschaften gelingen, ob Kinder und Jugendliche, Bürgermeister und Bauämter, Streetworker, Vertreter von Schulen, Eltern und Anwohner miteinander ins Gespräch kommen. Die Verantwortlichen müssen ihre Budgets öffnen, Geld zusammenlegen, ihre Zuständigkeitsgrenzen ausweiten.

An allen SPIELRAUM-Standorten ist das gelungen: Die örtlichen Bau- und Jugendämter haben sich mit großem Engagement und wichtigen Investitionen an den Bau- und Projektmaßnahmen beteiligt. In vier von fünf SPIELRÄUMEN wurden Kinder und Jugendliche von Anfang an den Gestaltungsprozessen involviert. In Planungsworkshops haben sie gemeinsam mit den erwachsenen Verantwortlichen ihre Wünsche und Vorstellungen zusammengetragen und ihre Realisierbarkeit geprüft. Bei den anschließenden Umbau- und Neubaumaßnahmen haben alle Akteure gemeinsam angepackt und mit großem Engagement ihre Ideen in die Realität umgesetzt. Mit Stadtteilfesten unter Beteiligung aller Gruppen aus dem jeweiligen Sozialraum (Verwaltung, Familien, benachbarte Träger der Jugendhilfe und die Stadtteilmanagements) wurden die SPIELRÄUME von den Jugendlichen feierlich eröffnet.

Nach Abschluss der baulichen Umgestaltungsphasen bleiben die lokalen Netzwerkpartner vor Ort weiter aktiv und binden den Platz in ihre kontinuierliche pädagogische Arbeit ein. Damit die entstehenden Plätze Bestand haben, ist es wichtig, dass die Jugendlichen ihre eigenen Regeln für ihre Plätze entwickeln und Verantwortung für deren Pflege und Erhalt übernehmen. Sie erleben, dass sie etwas aus eigener Kraft verändern können und lernen, Probleme anders zu lösen als mit Gewalt.

Eine frühzeitige Beteiligung schafft Identifikation. Identifikation bringt die Motivation, sich für das eigene Lebensumfeld zu engagieren. Kinder und Jugendliche an Stadtplanungsprozessen zu beteiligen heißt, sie als lokale Experten ernst zu nehmen und ihnen zu ermöglichen, ihre Interessen nicht nur zu artikulieren, sondern selbst auf ihre Umsetzbarkeit hin zu prüfen und mit zu realisieren. Kurz: Demokratie ganz praktisch zu erfahren.

! Weitere Informationen unter:

www.dkjs.de

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