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Interaktive Whiteboards

Gute Wahl

Kennzeichen der Whiteboard-Technologien

Jürgen Schlieszeit

„Man braucht Organisationstalent“: Berufseinstiegsbegleiterin Sylvia Morasch

Interaktive Whiteboards sind auf dem Vormarsch in deutschen Klassenzimmern. Anschubfinanzierungen und Fördertöpfe aus dem Jahr 2009 haben die Anschaffungen beschleunigt, viele Schulen konnten erste Erfahrungen mit digitalen Tafeln sammeln. Falls Ihre Schule noch keine hat, werden Sie sicher vor vielen Fragen stehen. Allen voran: Welche Whiteboard-Technik ist die richtige?

Bei all den verschiedenen Angeboten kann man schon mal ins Schlingern geraten. Es gibt die „klassischen“ Interaktiven Whiteboards (IWB), interaktive Beamer von Epson, Dell und Eiki, die ebenfalls als Whiteboard-Lösung eingesetzt werden können, und nun auch noch eine ganz neue IWB-Technologie, die Panasonic auf der didacta 2010 vorgestellt hat. Wer soll da noch wissen, welches Board für welche Schulart und Bedürfnisse das richtige ist?

Lösungen ohne einheitlichen Softwarestandard

Mittlerweile tummeln sich mehr als 15 verschiedene IWB-Anbieter auf dem deutschen Markt. Ob i-Pen, interaktiver Beamer oder Board mit harter oder weicher Oberfläche: Jeder preist seine Hard- und Software als die beste für den täglichen Unterrichtsbedarf an. Doch Tafelbilder untereinander austauschen können (und sollen sie im Sinne der Hersteller) alle nicht. Zwar sind weiterhin einheitliche Formate im Gespräch und manche Software bietet immerhin einen Importfilter. Doch dieser funktioniert nur mit Einschränkungen.

Die mitgelieferte Board-Software kann in der Regel jeder Lehrer nutzen, sobald ein IWB an der Schule installiert wurde. Damit macht er seine Unterrichtsvorbereitung und erstellt sogenannte „dynamische Tafelbilder“. Doch was geschieht mit seinem Material, wenn der Lehrer die Schule wechselt und an seinem neuen Arbeitsplatz ein anderes IWB oder einen interaktiven Beamer vorfindet? Darüber machen sich die Hersteller anscheinend kaum Gedanken. Immerhin: Erste Lösungsansätze sind in onlinebasierter Boardsoftware zu erkennen, wie im von McGraw-Hill angebotenen „math manipulatives“ oder SMART Notebook Express von SMART Technologies. Und neu auf den Markt drängende, unabhängige Tafelsoftware verspricht allumfassende Importfunktionen.

Teamboard

Passive Stifte (Promethean)

Eigene Vorlieben prüfen

Abgesehen von der Tafelsoftware: Die wichtigste Frage für Sie ist, welche Board-Technologie in den nächsten Jahren Ihren Unterricht unterstützen soll. Und da scheiden sich die Geister schon bei der Bedienung. Möchten Sie mit dem Finger oder Stift arbeiten? Schreiben Sie lieber auf einer weichen oder harten Oberfläche? Wie gut kommen Sie mit dem Stift zurecht, wie fühlt sich das Schreiben an? Zwar haben Sie sich auch an die Kreide irgendwie gewöhnt, doch das Schreiben auf einem IWB hat eine eigene Haptik.

Auf der diesjährigen didacta in Köln, Europas größter Bildungsmesse, wurde eine weitere Technologie vorgestellt (kapazitiv), die zeigte, wie mit Hilfe des Fingers oder eines Stiftes Tafelinhalte und Programme bedient werden können. Wir sind also noch nicht am Ende der Entwicklung.

Doch schauen wir nun auf die verschiedenen Technologien, die zur Zeit den Markt beherrschen. Vier IWB-Prinzipien haben sich durchgesetzt:

  • analog resistiv,
  • elektromagnetisch,
  • trigonometrisch (optisch),
  • kapazitiv.

Einige kurze Erläuterungen dazu sollen die Unterschiede verdeutlichen.

Analog resistive Whiteboards

Die Oberflächen solcher Boards bestehen aus zwei Kunststofffolien, die selbst mit einem Gitternetz aus Leiterbahnen einseitig beschichtet sind. Dort hindurch fließt ein schwacher Strom, der einem Widerstand ausgesetzt ist. Zwischen den beiden Folien befindet sich eine dünne Isoliermembran, die die Berührung der beiden Folien verhindert. Wird nun mit dem Finger oder mithilfe eines Gegenstandes Druck auf die Board-Oberfläche ausgeübt, entsteht dort ein Kontakt zwischen den beiden Folien, woraus eine Art Kurzschluss resultiert. Diese Änderung des Widerstandes wird registriert, an die Software weitergegeben, als Befehl oder Aktion interpretiert und die entsprechende Funktion aufgerufen. Vertreter dieses Boardtyps sind z. B. das SMART Board von SMART Technologies und das TeamBoard von Egan TeamBoard.

Smartboard

Interwrite Board

Elektromagnetische Whiteboards

Das Board besteht aus einer kratz- und stoßfesten Melamin-Oberfläche, ähnlich einer Küchenplatte. Darunter befinden sich eng aneinander liegende Leiterbahnen. Mithilfe eines speziellen Stiftes wird nun am Berührungspunkt eine Spannung am Board induziert. Es kommt an dieser Stelle aufgrund einer Magnetfeldänderung zu einem kurzfristigen Stromfluss. Generell gibt es zwei Varianten von Stiften:

  • aktiver Stift: Dieser Stift ist mit einer Batterie oder einem Akku versehen und sendet stets schwache Stromsignale. Sobald die Stiftspitze in die Nähe der Board-Oberfläche kommt, wird der Mauszeiger aktiv. Vertreter dieses Boardtyps sind z. B. das Interwrite Board von eInstruction oder das Clasus Board von Clasus.
  • passiver Stift: Dieser Stift ist mit einer Magnetspule ausgestattet. Drückt man nun die Stiftspitze auf das Board, wird eine Induktion erzeugt. Diese wird am Board bzw. über dessen unter schwacher Spannung stehenden Leiterbahnen registriert und an die Software zur Interpretation der Mausposition weitergegeben. Vertreter dieser Bauweise ist z.B. das ACTIVEBoard der Firma Promethean.

Beide Stiftvarianten haben zudem eine Taste für die rechte Mauszeigerfunktion. Der aktive Stift kann zudem über die angebrachte Taste programmiert werden.

Qomo Board

elite Panaboard

Trigonometrische Whiteboards

Sie basieren auf der Laser-, Ultraschall- oder Infrarot-Technologie. Die Oberfläche des Boards ist dabei sekundär. Es gibt z. B. Systeme, die mobil und unabhängig von jeder Oberfläche angebracht werden können, die sich für Präsentationen eignet.

Diese Boardtypen benötigen für die Eingabe einen besonderen Stift. Auf den Seiten oder Eckpunkten der Boardoberfläche befinden sich entsprechende Empfänger, die das Infrarotlicht oder die Aussendung des Ultraschallsignals in ihrer Position erkennen und diese an die Software weitergeben.

Hier muss darauf geachtet werden, dass die Verbindung zwischen Sender und Empfänger nicht unterbrochen wird, da sonst die Systeme die Stiftposition nicht mehr berechnen können. Vertreter dieser Technik sind z.B. Hitachi (Infrarot), Legamaster (Ultraschall) und PolyVision (visuell via VGA-Übermittlung per Bluetooth).

Eine verwandte Lösung ist die Verbindung aus einer im Beamer befindlichen Kamera und einem zugehörigen Infrarot-Stift, den die Kamera erkennt und die Position an die Software weitergibt. Anbieter dieses Typs sind beispielsweise Kindermann, Eiki, Epson, Dell und co.tec.

Aktive Stifte

Kapazitive Whiteboards

Diese Technologie ist relativ neu und wird z.B. von Panasonic (elite Panaboard) angeboten. Sie funktioniert ähnlich wie ein iPhone: Durch Berührung der Oberfläche mit dem Finger bewirkt der Anwender über seine Körper eine kapazitive Erdverbindung. Es entsteht ein geringer Ladungstransport, der in Form eines schwachen Stroms gemessen wird. Die Eckpunkte des Boards dienen dabei als Messpunkte. Die daraus resultierenden elektrischen Ströme werden gemessen und die genauen Koordinaten an die Software weitergegeben. Die robuste Oberfläche des Boards besteht aus Melamin.

Ohne Fortbildung geht gar nichts

Neben all den technischen Dingen, die bei der Anschaffung von IWBs berücksichtigt werden müssen, sollte eines klar sein: Die Einführung einer digitalen Tafel in der Schule sollte Hand in Hand mit einer methodisch-didaktischen Fortbildung gehen.

Dort spielt nicht nur die Vermittlung der Umgangs mit der Board-Software eine Rolle. Die Lehrkräfte können und sollen in der Fortbildung auch eine Reihe pädagogisch-didaktischer Fragen klären: Wann muss ich welche Methode sinnvollerweise einsetzen? Welche Werkzeuge stehen mir dazu zur Verfügung und wann sollte ich sie anwenden? Wie kann ich die Schüler mehr in die Arbeit am Board einbeziehen und wie können sie selbst am Board tätig werden?

Wichtig dabei ist, dass Sie motiviert und mit jeder Menge Anregungen für ihren Unterricht aus einer Fortbildungsveranstaltung kommen. Denn es wäre schade um das IWB, wenn es mangels Ideen nicht genutzt würde. Inspirierende Fortbildungen und Beratungen dieser Art bietet der Autor selbst an.

Jürgen Schlieszeit

ist Lehrer, Medienpädagoge und Experte für Interaktive Whiteboards sowie Gründer und Betreiber des ersten deutschen unabhängigen Internetportals für Whiteboards, www.myBoard.de.

Kontakt: schlieszeit@myboard.de