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Architektur

Handicap Barrierefreiheit

Behinderte Schüler haben an vielen Schulen das Nachsehen

mho

Das Konjunkturpaket II sowie weitere in Aussicht gestellte Finanzmittel für den Bildungssektor geben Anlass, ein unbeliebtes Thema aus der Versenkung zu holen: die Barrierefreiheit von Schulen, ohne die einer ganzen Schülergeneration die Bildungschancen ihrer nicht behinderten Altersgenossen versagt blieben.

Eine barrierefreie Schule, an der behinderte und nicht behinderte Schüler gemeinsam lernen: eine tolle Sache, ganz klar. Allein, der Wille fehlt, Schulgebäude barrierefrei umzubauen. Oder wie sonst sollte man es deuten, dass das deutsche Bildungssystem die Bedürfnisse behinderter Kinder nach wie vor kaum im Blick hat? Ausgrenzung statt Inklusion: Das ist die Realität. Gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern – bis dato kaum mehr als „nice-to-have“.

Dabei fördert gemeinsames Lernen alle Kinder. Behinderte und Nichtbehinderte entwickeln im Umgang miteinander Wertschätzung von Individualität und Vielfalt. Sie erleben Beeinträchtigungen nicht als Makel, sondern als Teil gesellschaftlicher Normalität und Vielfalt. Auch gründet das kognitive Lernen auf Erfahrung, die Kinder dann in besonderer Weise sammeln können, wenn sie sich in ihrer Unterschiedlichkeit gegenseitig anregen und bereichern.

Maßnahmen zu Ende denken

Der gemeinsame Unterricht darf nicht an Barrieren wie Treppenstufen oder fehlenden Aufzügen scheitern. Die Chance, die das Konjunkturpaket II bietet, muss genutzt werden. Und zwar jetzt. Denn zur Zeit werden viele Schulen – endlich – saniert. Falls dabei die Bedürfnisse behinderter Kinder unberücksichtig bliebe, wären Zigtausende ihrer Chancen auf gleiche Bildung beraubt. So müssen alle Schüler, ob mit oder ohne Behinderung, in Gemeinschaftsräumen oder Mensen zusammen essen können. Fahrstühle, Verkehrswege in der Schule, Türen, Toiletten, Wandschalter, Bedienelemente in Fachräumen, Kleiderhaken – die gesamte Schul-Infrastruktur sollte gleich behindertengerecht ausgelegt werden, wenn man ohnehin schon Fördergeld und Werkzeug in die Hand nimmt, um sie zu sanieren. Vorausschauende Planung vermeidet umständliches und teures Nachbessern am fertigen, aber für Behinderte unzulänglichen Gebäude.

Ein Auftrag von Staat und Gesellschaft

Auch außerhalb des Gebäudes gilt es, barrierefreie Verkehrswege zu schaffen und behindertengerechte Verkehrsmittel wie etwa Niederflurbusse einzufordern. Denn Kinder mit Behinderung können den wohnortnahen Kindergarten und später die Regelschule nicht besuchen, wenn diese Einrichtungen nicht barrierefrei erreichbar und nutzbar sind. Dies bedeutet Ausgrenzung von Anfang an – und belastet auch die Eltern zusätzlich. Ähnliches gilt für den Hochschulbereich: Studenten mit Behinderung können sich derzeit ihre Universität nicht nur nach Studieninhalten aussuchen, sondern müssen in der Regel erst recherchieren, ob sie die Hochschuleinrichtungen nutzen können. Der Anteil von Studenten mit Behinderung ist auch aus diesem Grund unterdurchschnittlich. Kostbares Potenzial bleibt so auf der Strecke. Von der im Grundgesetz verbrieften Chancengleichheit ganz zu schweigen.

mho