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Lehrer sein

Arbeiten im schulischen Beziehungsgeflecht

Teamwork – manchmal gar nicht so einfach

Johannes Baumann

Interaktionen und Gruppierungen innerhalb des Kollegiums sind für die eigene Arbeit bedeutsamer, als Lehrberufsstarter zunächst oft meinen

Es macht einen Unterschied, ob man an einer Grundschule im ländlichen Raum mit 15 oder an einem städtischen Berufsschulzentrum mit weit über 200 Lehrkräften tätig ist. Und so stellen sich manche Fragen je nach Größe der Schule etwas anders. Wo die Chancen und Fallstricke für Junglehrer/innen liegen, schildert Johannes Baumann in seinem Buch „Lehrer sein!“, aus dem der folgende Beitrag stammt

Wie an fast allen Arbeitsplätzen ist ein Kollegium zunächst eine Art Zufallsgemeinschaft. Selbst wenn man sich seine Schule wegen Wohnortnähe, wegen ihres pädagogischen Konzepts oder aus anderen Motiven selbst ausgesucht hat – seine Kolleginnen und Kollegen kann man sich mitnichten selbst auswählen. Kollegien müssen auch nicht der Freundeskreis sein. Es handelt sich um Kooperationspartner an einem sehr verantwortungsvollen Arbeitsplatz, mit denen es professionell zusammenzuarbeiten gilt und die in ihrer gesamten Tätigkeit professionellen Standards – auch im Hinblick auf das Miteinander – entsprechen sollten. Das ist eine Herausforderung für jede Lehrkraft. Meist gibt es in den Kollegien unterschiedliche Lager oder gar Fraktionen. Das ist solange kein Problem, wie es nicht die schulische Arbeit unmittelbar betrifft, ideologisiert oder lähmt. Eine Verbandszugehörigkeit kann sinnvoll sein, solange man damit seine Unabhängigkeit im Denken und schulischen Handeln nicht aufgibt, sondern die Mitgliedschaft in einem Verband zur politischen Durchsetzung berechtigter Interessen nutzt.

Doch auch ohne Verbandszugehörigkeit sind häufig Lagerbildungen zu beobachten. Es gibt fortschrittliche, dem Neuen gegenüber eher positiv eingestellte Kolleginnen bzw. Kollegen, die unter Verkrustungen und alten Zöpfen leiden und denen manche Prozesse nicht schnell genug gehen können. Andere gehören eher dem konservativen Lager an, beklagen sich über Neuerungen und vor allem über deren Geschwindigkeit respektive über die fehlende Durchdachtheit oder mangelnde Erprobtheit, über die hohe Dauerbelastung des Lehrberufs und die immer neuen Belastungen.

Vor allem in Diskussionen im Lehrerzimmer oder in Konferenzen treten diese Lager in Erscheinung. Junge bzw. neue Kolleginnen/Kollegen werden oft umworben, jedes Lager freut sich über Verstärkung. Darüber hinaus kann es Cliquen geben: die jungen Wilden, die miteinander zum Skifahren gehen, die erfahrenen Alten, die Engagierten, die der Schulleitung nahe Stehenden, die fürsorglich Hilfsbereiten, die Reservierten, die Nörgler etc. Als Junglehrer sucht man möglicherweise etwas Heimat und Geborgenheit im zunächst unüberschaubaren und fremden Kollegium. In manche Gruppen kommt man dabei eher schlecht hinein, andere zeigen sich offener. Auf keinen Fall sollte man sich vereinnahmen lassen, sondern nach Möglichkeit seine Unabhängigkeit wahren.

Man mag die Bedeutung des Kollegiums in seiner Gesamtheit für die eigene berufliche Tätigkeit gering veranschlagen, doch auf jeden Fall tragen die Lehrkräfte einer Klasse eine deutlich erkennbare gemeinsame Verantwortung. Hier muss es selbstverständlich sein, sich als Fachlehrer einer Klasse als Teil eines Teams zu verstehen. Austausch über die Schüler der Klasse, Analyse möglicher Probleme, die Planung gemeinsamer Aktionen (z. B. Exkursionen, Projekte), Absprachen über das Anforderungsniveau und die pädagogische Linie tragen zur Wirksamkeit des Unterrichtens bei. Auch hier ist es die Ausnahme, dass die Zusammenarbeit auf gegenseitiger Zuneigung beruht, denn man wird ja von der Schulleitung einer Klasse zugeteilt.

Dessen ungeachtet ist Kooperativität schlicht und einfach eine Anforderung der Profession – ein Sachverhalt, der bei manchen Lehrkräften noch nicht angekommen ist, die sich lieber in der Rolle des ungebundenen Einzelakteurs sehen. Als Lehrkraft hat man viele Möglichkeiten, auf andere Kolleginnen und Kollegen zuzugehen. Man kann sich Partner für Teamteaching oder kollegiales Feedback suchen oder Netzwerke im Interesse notwendiger Schulentwicklung initiieren.

Vertrauen in der Schulgemeinschaft

Das Miteinander der Kolleginnen und Kollegen prägt das Schulklima. Ein Kollegium, das in hohem Maße von einer Kultur des Vertrauens, der gegenseitigen Wertschätzung und des kooperativen Zusammenarbeitens gekennzeichnet ist, trägt damit auch zum Erfolg der Schule bei – nicht zuletzt im Hinblick auf die Leistungsergebnisse (vgl. Hattie 2014, S. 79 f.). Es gibt viele Schnittmengen und Berührungspunkte, ohne dass man gleich von Teamarbeit reden müsste, die ihre eigene Bedeutung hat: Krisengespräche über einzelne Schülerinnen und Schüler, kollegiale Hospitationen und Feedback oder die Klassenübergabe an Ende oder zu Beginn eines Schuljahres. Es ist leicht nachvollziehbar, dass konstruktive Zusammenarbeit in diesen Punkten die Qualität der Arbeit in einer Schule insgesamt erhöht.

Im Team arbeiten

Die teilweise gleichzeitige Arbeit in unterschiedlichen schulischen Teams muss in aller Regel gelernt werden. Neben der grundsätzlichen Bereitschaft zur Teamarbeit ist es wichtig, sich verantwortlich einzubringen und die gleiche Verantwortlichkeit auch von den Teampartnern einzufordern. Verlässlichkeit, die Übernahme von Teilaufgaben, pünktliche Erledigung der übernommenen Aufgaben, die Bereitschaft zum kreativ-konstruktiven Diskurs und Kompromissbereitschaft sind unabdingbare Voraussetzungen gelingender Teamarbeit. Bringen sich alle Teampartner mit ihren Stärken ein und ergänzen sich mit ihren Stärken und Schwächen gegenseitig, leistet ein Team mehr, als die Beteiligten jeweils einzeln zuwege bringen könnten. Es können nicht nur Synergieeffekte erzielt werden (das Gleiche oder Ähnliches muss nicht mehrfach entwickelt werden), sondern im Idealfall wirken Teams anregend: Man entwickelt im Dialog neue Ideen. […]

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