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Praxis- und Buchtipps

Gesetzlich oder privat?

Vor- und Nachteile der Krankenversicherungen: Worauf Sie achten müssen

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Spätestens mit Beginn des Referendariats ist es soweit: Beim Wechsel ins Beamtenleben muss auch Ihr Versicherungsschutz mit der beruflichen Veränderung Schritt halten. Bei der wichtigsten Absicherung, der gegen Krankheit, stehen viele vor der Qual der Wahl und müssen sich entscheiden: Privat oder gesetzlich?

Anders als bei der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist es bei der Privaten Krankenversicherung (PKV) üblich, dass der/die Versicherte die Behandlungskosten vorstrecken muss. In der Praxis bedeutet das: Nach Erhalt der Arztrechnung beträgt das Zahlungsziel vier bis sechs Wochen. Wird die Rechnung zeitnah an die PKV und Beihilfe weitergereicht, bekommt man die Kosten in der Regel nach zwölf bis 15 Tagen erstattet. Bei Mehraufwand in der Abrechnungsabteilung kann die Priorisierung der anstehenden Erstattung beantragt werden. Und wenn alle Stricke reißen, kann der Arzt das Zahlungsziel verlängern.

Demgegenüber entfällt bei der GKV die Rechnung, aber dafür übernimmt sie die Kosten für komplizierte oder alternativ-medizinische Behandlungen, für Chefarztbehandlung und Einzelbett-Unterbringung nur teilweise oder gar nicht. Das macht je nach persönlichem Anspruch private Zusatzversicherungen notwendig, die dann unterm Strich so teuer werden können wie die PKV eines altgedienten Beamten.

Und: Während der Arbeitgeber bei Angestellten im Rahmen der GKV einen Teil der Krankenversicherungsbeiträge übernimmt, erhalten Sie als GK-versicherter Beamter von Ihrem Dienstherrn – Ihrem Bundesland – nichts. Sie müssen den gesamten Beitrag selbst tragen. Als PK-versicherter Beamter bekommen Sie und auch Ihre Angehörigen stattdessen von Ihrem Dienstherrn eine Beihilfe, die bundesweit unterschiedlich, aber immer recht stattlich ausfällt. Das heißt, das Land als Dienstherr/Arbeitgeber zahlt einen Teil der tatsächlich anfallenden Behandlungskosten – in der Regel 50 Prozent für einen Referendar/Beamten, 70 Prozent für beihilfeberechtigte Ehepartner und 70 bis 80 Prozent für beihilfeberechtigte Kinder. Aus diesem Grund sind Beamte von der Versicherungspflicht befreit, denn theoretisch könnten sie die restlichen Behandlungskosten aus eigener Tasche zahlen – was aber angesichts potenziell immenser Kosten nicht ratsam wäre. Deshalb können Beamte, die sich privat versichern, PKV-Verträge mit einem Beihilfeergänzungstarif abschließen. Versichert werden damit nur die fehlenden prozentualen Anteile, die nicht von der Beihilfe des Dienstherrn beglichen werden.

Rein finanziell betrachtet, ist die PKV für Beamte auf Widerruf meist attraktiver, zumal die Leistungen deutlich besser sind. Es gibt jedoch Aspekte, die Sie bei Ihren Überlegungen berücksichtigen sollten:

  • Falls Sie Familie haben, kann die GKV aufgrund der kostenfreien Mitversicherung von Familienmitgliedern ohne eigenes Einkommen günstiger sein.
  • Sind Sie bereits 35 Jahre alt oder werden es während des Referendariats, ist u. U. die GKV günstiger, da der ermäßigte Beitragssatz der PKV für Sie nicht mehr gilt. Andererseits bieten einige Gesellschaften gesonderte Ausbildungskonditionen an. So bewegt sich der Beitrag je nach Gesundheitszustand zwischen 100 und 150 Euro. In der GKV zahlen Referendare meist über 200 Euro.
  • Falls Sie chronisch krank sind, kann eine PKV, die vor Versicherungsbeginn immer eine Gesundheitsprüfung vornehmen lässt, Sie ablehnen oder Ihnen nur einen Tarif mit hohen Risikoaufschlägen und/oder eingeschränkten Leistungen anbieten. Die GKV dagegen versichert Kranke genauso wie Gesunde.
  • Die Beiträge in der PKV steigen unabhängig vom monatlichen Einkommen mit dem Alter kontinuierlich an und werden auch im Ruhestand nicht ermäßigt. Doch betrifft das meist die Angestellten eines Schulbetriebs, denn mit dem Renteneintritt erhalten diese keinen Arbeitgeberanteil mehr. Beamte hingegen bekommen bei Eintritt in die Pension eine höhere Beihilfe – 70 statt den anfänglichen 50 Prozent.

… und nach dem Referendariat?

  • Falls Sie nach dem Referendariat verbeamtet werden, können Sie in der PKV bleiben oder in diese eintreten. Dann aber gilt der normale Beitragssatz.
  • Freiwillig in der GKV versichern kann sich ein verbeamteter Lehrer nur, wenn er es bereits während des Referendariats war.
  • Falls Sie als Lehrer im Angestelltenverhältnis arbeiten, müssen Sie in der GKV bleiben. Es sei denn, Ihr Bruttogehalt übersteigt die Jahresentgeltgrenze von z. Zt. 56.250 Euro.
  • Frühpensionierung, Sabbatjahr, Teilzeitarbeit, späteres erneutes Studium, nicht berufstätiger Ehepartner? All dies sind berufliche und private Zukunftsszenarien, die Sie bei Ihrer Entscheidung berücksichtigten sollten.
  • Alle Referendare werden zwischen dem zweiten Staatsexamen und dem ersten Schultag mindestens sechs Wochen arbeitslos. Die Beihilfe entfällt nach 31 Tagen, wenn kein neues Beamtenverhältnis entsteht. Welche Tarife kann die PKV für diese Übergangszeit oder bei längerer Arbeitslosigkeit bieten?

Anwartschaft bei Arbeitslosigkeit

Melden Sie sich in einer Phase der Arbeitslosigkeit arbeitssuchend und beziehen Arbeitslosengeld, entsteht dadurch eine Versicherungspflicht in der GKV – oder es gilt ein Übergangstarif der PKV. Waren Sie zuvor privat versichert und wechseln nun in die GKV, ist es oft sinnvoll, für einen geringen Betrag eine Anwartschaft abzuschließen, sofern Sie absehen können, später verbeamtet zu werden. In diesem Fall „ruht“ die PKV während der vorübergehenden GKV. Der Vorteil: Bei erneuter Verbeamtung wird die Anwartschaft unbürokratisch und ohne erneute Gesundheitsprüfung wieder zu einer regulären privaten Krankenversicherung.

Achtung: Haben Sie sich während des Referendariats für einen günstigen PKV-Tarif entschieden, möchten aber später in einen Tarif mit besseren Leistungen wechseln, so ist dies oft nur mit erneuter Gesundheitsprüfung und mit Zustimmung des Versicherers möglich.

Zusammengefasst:

Dass die PKV generell für Referendare empfehlenswert ist, wäre eine viel zu pauschale Aussage. Sicherlich ist sie für viele eine gute Option, jedoch sind die individuellen Voraussetzungen, Zukunftspläne und nicht zuletzt die Konditionen der verschiedenen Versicherungen so unterschiedlich, dass keine eindeutige Aussage möglich ist. Lassen Sie sich deshalb unbedingt von einem unabhängigen Versicherungsmakler beraten und versuchen Sie, möglichst viele Zukunftsszenarien zu berücksichtigen.

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