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Lehrer werden

„Unterrichtsbesuche sind keine Examensprüfungen“

Im Interview: Referendariats-Experte Frank Nix

Als Fachleiter für Mathematik und Technik begleitet Frank Nix Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter seit 13 Jahren durch das Referendariat

Referendare sind Lernende und Lehrende zugleich. Diese Doppelrolle nehmen sie insbesondere bei Unterrichtsbesuchen ein, bei denen sie als Lehrkraft vor der Klasse stehen – unter den Augen ihres Ausbilders. Der Gesamtschullehrer und Lehrbeauftragte an der Universität Duisburg-Essen Frank Nix glaubt, dass sie sich dabei häufig zur sehr unter Druck setzen

Herr Nix, warum sind Unterrichtsbesuche Stresssituationen für Referendare?

Die meisten Referendare betrachten einen Unterrichtsbesuch als vorgezogene Examensprüfung. Es ist oft das erste Mal, dass sie als Lehrkraft unter Beobachtung stehen, und dann wird das auch noch benotet. Deswegen setzten sie sich stark unter Druck. Auch, weil sie häufig erst dann eine Stelle bekommen, wenn sie beim späteren 2. Staatsexamen die Bestnote erreicht haben. Die Einstellungssituation ist schwierig: Die Bundesländer haben eine Ausbildungspflicht, aber keine Einstellungspflicht. Das heißt, es kann Zeiten geben, in denen deutlich mehr Referendare ausgebildet als Lehrer gebraucht werden und andersherum. Unterrichtsbesuche sind aber gar keine Prüfungen. Das kann man Referendaren nur nicht so leicht vermitteln, weil es dafür Noten gibt.

Wie können sich Referendare auf einen Unterrichtsbesuch vorbereiten?

Zunächst sollte man vorher die Erwartungen klären: Was möchte mein Ausbilder überhaupt von mir sehen? Was versteht mein Fachleiter unter gutem Unterricht? Dann sollte man natürlich mit der Schule darüber sprechen, welche Lerngruppe sich für den Unterrichtsbesuch eignet und welche Räumlichkeiten genutzt werden können. Man kann eigentlich gar nicht früh genug damit anfangen, aber spätestens drei Wochen vor dem Unterrichtsbesuch sollte man mit der konkreten Vorbereitung beginnen. Sehr wichtig ist die Terminabsprache. […] In NRW muss man fünf Unterrichtsbesuche pro Fach absolvieren. Wenn man zu lange mit der Vereinbarung der Termine wartet, kann es zum Ende hin eng werden.

Wie haben sich Unterrichtsbesuche in den letzten Jahren verändert?

[…] In den 90er-Jahren war noch diffus, was eigentlich erfolgreicher Unterricht ist. Deswegen hat man sich eher daran orientiert, welche Methode der Fachleiter vorgeschlagen hat und es dann genauso gemacht. Heute gibt es konkrete Vorstellungen davon, was guter Unterricht ist, und zwar nicht an Methoden gebunden, sondern an Faktoren: etwa an das Feedback der Schüler zu ihrem Lernerfolg oder an die Zieltransparenz und die Klarheit von Abläufen. Diese Kriterien sind heute viel deutlicher und die Referendare können besser einschätzen, was erwartet wird. Außerdem ist es zumindest etwas klarer geworden, dass ein Unterrichtsbesuch eine Beratungssituation ist, keine Prüfung.

Sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Ich finde es schwierig, dass Unterrichtsbesuche beratenden und gleichzeitig bewertenden Charakter haben. Das sollte komplett getrennt werden. In prüfungsartigen Unterrichtsbesuchen sollte es nur um die Noten gehen. In beratenden Unterrichtsbesuchen sollte dagegen besprochen werden, was bereits gelungen ist und wo sich der Referendar weiterentwickeln sollte – ganz ohne Noten. Lehramtsanwärter müssen diese Unterrichtsbesuche ja machen. Das heißt, sie lassen sich von mir nicht freiwillig beraten und werden dann obendrein noch benotet. Das führt dazu, dass sie sich nicht so leicht auf eine Beratung einlassen können. Mir hat mal ein Referendar gesagt: „Ich muss doch meine Stunde verteidigen!“ Das hat mir wieder gezeigt, dass oft nicht richtig verstanden wird, was ein Unterrichtsbesuch ist. Wer nur seine Stunde verteidigen will, kann sich nicht auf gemeinsame Überlegungen einlassen, wie man sie anders hätte halten können.

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