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Lehrer werden

Fokus auf Teamwork

Ganztag: Alltag in der Schulpraxis, aber noch nicht in der Lehrerausbildung

CHE – Centrum für Hochschulentwicklung

In Ganztagsschulen müssen neben Lehrern auch andere pädagogische Fachkräfte miteinander kooperieren. Dieses Teamwork wird im Lehramtsstudium aber bisher kaum vermittelt

Im Berufsalltag vieler Lehrer ist die Ganztagsschule längst Realität – und damit auch die Kooperation mit anderen pädagogischen Berufsgruppen. In der Ausbildung spielt dies allerdings nur eine Nebenrolle, wie eine Publikation des „Monitor Lehrerbildung“ zeigt. Experten plädieren dafür, angehende Lehrkräfte bereits im Studium besser auf die Erfordernisse multiprofessioneller Teamarbeit und das Unterrichten im Ganztag vorzubereiten

Der klassische Halbtags-Unterricht hat an immer mehr Einrichtungen ausgedient. Im Schuljahr 2015/16 boten zwei Drittel aller allgemeinbildenden Schulen in Deutschland Ganztagsangebote an, 39 Prozent aller Schülerinnen und Schüler nahmen sie wahr. In der Lehrerausbildung an den Hochschulen hat das Thema Ganztag allerdings noch keinen entsprechenden Stellenwert. Dies zeigt eine Befragung von Hochschulen und Ländern im Rahmen des Monitor Lehrerbildung 2016 für die Publikation „Neue Aufgaben, neue Rollen?! – Lehrerbildung für den Ganztag“. Demnach sind Lehrveranstaltungen, in denen Kompetenzen zur Organisation und Gestaltung von Ganztagsschule vermittelt werden, nur an rund einem Drittel der befragten Hochschulen verpflichtend. Die Ergebnisse unterscheiden sich dabei minimal nach Lehramtstyp. Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich beim Angebot verpflichtender Lehrveranstaltungen, in denen Kompetenzen zu „inner- und außerschulischer Kooperation im Ganztag“ vermittelt werden.

Studium noch nicht zukunftsfähig

„Die Lehramtsstudierenden von heute werden später mehrheitlich an einer Ganztagsschule unterrichten. Im Curriculum der Lehrerbildung ist der Ganztag als künftiger Normalfall allerdings noch nicht angekommen“, bilanziert Jörg Dräger. Das Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung fordert deshalb bereits im Studium systematische Angebote zum Thema. Kompetenzen zur qualitätsvollen Gestaltung des Ganztags seien im späteren Berufsleben wichtig.

Zu den Besonderheiten von Ganztagsschulen gehört die Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen im Schulalltag. In der Regel sind hier auch Sozialpädagogen, Schulsozialarbeiter, Psychologen, Erzieher, Honorarkräfte und Ehrenamtliche im Einsatz. Deshalb hat der Monitor Lehrerbildung erhoben, inwieweit Lehramtsstudierende auf die Arbeit in solchen multiprofessionellen Teams bzw. auf das gemeinsame Unterrichten vorbereitet werden. Das Ergebnis: Weniger als die Hälfte aller befragten Hochschulen sehen verpflichtende Lehrveranstaltungen vor, in denen es um eine solche professionenübergreifende Zusammenarbeit geht. Nur im Lehramt für Sonderpädagogik bietet mehr als die Hälfte der befragten Hochschulen solche Lehrveranstaltungen an.

Plädoyer für mehr Zusammenarbeit

„Lehrerkooperationen sind ein zentraler Erfolgsfaktor von Schule. Das gilt erst recht für die Ganztagsschule, in der Lehrkräfte auch auf Vertreterinnen und Vertreter anderer pädagogischer Professionen treffen“, sagt Ekkehard Winter, Geschäftsführer der Deutsche Telekom Stiftung. „Auf die spätere Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams müssen sie schon in ihrer Ausbildung vorbereitet werden. Hier sind die lehrerbildenden Hochschulen in der Pflicht“, so Winter.

Der Monitor Lehrerbildung spricht sich deshalb unter anderem für gemeinsame Lehr- und Prüfungsformate mit Studierenden anderer pädagogischer Disziplinen aus. Eine fächerübergreifende Zusammenarbeit bietet Vorteile für die Ausbildung und das spätere Berufsleben. Von gegenseitiger Wertschätzung und einem Kompetenzaustausch etwa zwischen Sozial- und Sonderpädagogen, Psychologen und Lehramtsstudierenden könnten dann im Schulalltag alle Beteiligten profitieren.

Lernunwillen und Depression einzelner Schüler belasten nicht nur das Unterrichtsklima, sondern auch den Lehrer. Gut also, wenn Pädagogik-Studierende Know-how aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie erwerben können – wie jetzt in Sachsen

Der Monitor Lehrerbildung ist die bundesweit einzige Datenbank zum Lehramtsstudium. Unter www.monitor-lehrerbildung.de sind relevante Daten zu dieser ersten Phase der Lehrerbildung übersichtlich dargestellt. 69 Hochschulen und alle 16 Länder beteiligten sich an der Erhebung des Monitor Lehrerbildung 2016. Die neuen Daten sind seit dem 31. 05. 2017 unter www.monitor-lehrerbildung.de frei zugänglich. Erstmals wurden Hochschulen und Länder gezielt zur curricularen Verankerung ganztagsrelevanter Inhalte, wie etwa die Arbeit in multiprofessionellen Teams oder weiterer professioneller Kompetenzen, wie Organisation und Gestaltung von Ganztag, befragt. Der Monitor Lehrerbildung ist ein gemeinsames Projekt von Bertelsmann Stiftung, CHE Centrum für Hochschulentwicklung, Deutsche Telekom Stiftung und Stifterverband.

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