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Lehrer werden

Aufpoliert

Sachsen will mit milliardenschwerer Offensive Lehrkräfte locken

mho / Sächsisches Kultusministerium

August, der Herzog von Sachsen, ließ Dresden Anfang des 18. Jahrhunderts zu einer Metropole der Bildung ausbauen. Die heutige Regierung nimmt auch ländliche Regionen in den Fokus

Die Bundesländer reißen sich um neue Lehrer. Um auf dem hart umkämpften deutschen Lehrer­arbeitsmarkt zu punkten, beschloss etwa Sachsens Regierung im März ein Handlungsprogramm für über 1,7 Milliarden Euro, will die Einstellung von Lehrpersonal flexibilisieren – schafft damit aber auch ein Gefühl der Benachteiligung bei älteren Lehrern

Neulehrer in Sachsen sollen künftig verbeamtet werden, Rückkehrer können ihren Beamtenstatus behalten und Grundschullehrer werden besser bezahlt als in den meisten anderen Bundesländern. Auch viele Jahre im sächsischen Schuldienst tätige Lehrkräfte sollen finanzielle Vergünstigungen bekommen. Gleichzeitig sind Maßnahmen zur Entlastung der Lehrer vorgesehen. Dazu hat im vergangenen Juli die Staatsregierung ein Handlungsprogramm in Höhe von über 1,7 Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre vorgelegt.

Schub für die Nachwuchsgewinnung

„Wir haben ein Handlungsprogramm, das an den richtigen Stellschrauben ansetzt, um Lehrerinnen und Lehrer für den Freistaat zu gewinnen. Der früher geäußerte Vorwurf, dass andere Bundesländer für Lehrer bessere finanzielle Konditionen anbieten als Sachsen, gilt nicht mehr. Gleichzeitig haben wir vielfältige Maßnahmen beschlossen, um die Lehrkräfte wertzuschätzen und zu entlasten, die über viele Jahre unser sächsisches Schulsystem getragen haben und zu Erfolgen führen“, kommentierte Sachsens Kultusminister Christian Piwarz das Handlungsprogramm. Viele der hiermit Angesprochenen sind da zwar weniger euphorisch – vor allem jene über 42 Jahre, die sich finanziell zu wenig berücksichtigt sehen und Gewissenskonflikte bei jungen Kollegen prophezeien. Doch angesichts des steigenden Alters vieler Kollegien und anstehender Pensionierungen gibt sich Piwarz kompromisslos.

Sachsen ist neben Berlin das einzige Bundesland, das Lehrer bisher nicht verbeamtet. Das soll sich nun ändern. Ab 1. Januar 2019 sollen grundständig ausgebildete Neulehrer und Lehrer, die schon im sächsischen Schuldienst tätig sind, bis zur Vollendung des 42. Lebensjahres Jahren verbeamtet werden. Lehrer, die als Beamte aus anderen Bundesländern nach Sachsen wechseln, können den Status behalten. „Damit wollen wir all jenen Lehrerinnen und Lehrern eine Perspektive bieten, die den Freistaat einst verlassen haben. Und wir sagen allen Bewerbern, die hier studiert haben, aber aus anderen Bundesländern stammen: Bleiben Sie in Sachsen“, so Kultusminister Christian Piwarz. Die Möglichkeit der Verbeamtung soll bis Ende 2023 befristet werden. Bis dahin verbeamtete Lehrkräfte behalten natürlich den Beamtenstatus.

Finanzielle Anreize – auch leistungsbezogen

Wirbt um neue Lehrer – und auch für die Rückkehr nach Sachsen: Kultusminister Chris-tian Piwarz (CDU)

Darüber hinaus sollen grundständig ausgebildete Grundschullehrer nicht wie bisher in die Gehaltsgruppe E 11, sondern in die E 13 oder als Beamte in die A 13 eingruppiert werden. „Dieses Gehaltsangebot für Grundschullehrer gehört zu den führenden in Deutschland“, so Kultusminister Piwarz.

Für geleistete Mehrarbeit (Überstunden) werden Grundschullehrer ab 1. Januar 2019 ebenso entlohnt wie Lehrer der übrigen Schularten. Auch für die sogenannten „Lehrer unterer Klassen“ (DDR-Lehrer) wird gesorgt. Sie sollen zum 1. Januar 2019 in die Entgeltgruppe 13 (E 13) höhergruppiert werden.

Darüber hinaus wird durch Ausbringung von 20 Prozent Beförderungsstellen den nicht verbeamteten grundständig ausgebildeten Lehrkräften an den weiterführenden Schulen ab 1. Januar 2019 eine Höhergruppierung in die E 14 angeboten. „Damit schaffen wir eine zusätzliche Aufstiegsmöglichkeit für verdiente Lehrkräfte“, hält der Kultusminister seinen Kritikern entgegen.

Jede Schule erhält zudem ab 1. Januar 2019 ein frei aufteilbares Prämienbudget zur Ausgabe individueller und kollektiver Leistungsprämien. Über die Vergabe entscheidet der Schulleiter in Abstimmung mit dem Örtlichen Personalrat. Das Prämienbudget in Höhe von jährlich neun Millionen Euro wird auf die öffentlichen Schulen im Freistaat Sachsen entsprechend der Anzahl der Lehrkräfte an jeder Schule aufgeteilt.

Ältere dürfen bleiben, wenn sie wollen

Sachsen startet darüber hinaus ein Programm „Senior-Lehrkräfte“. Damit soll allen Lehrern unmittelbar vor ihrem Renteneintritt eine Weiterbeschäftigung als „Senior-Lehrkraft“ angeboten werden. Aufgabe der Senior-Lehrkraft ist die Begleitung und Einarbeitung von Seiteneinsteigern, Referendaren und Praktikanten sowie die Unterstützung der Schulleitung bei ihren organisatorischen Aufgaben. Eine Unterrichtsverpflichtung gehört nicht dazu. Die Weiterbeschäftigung erfolgt analog zu den Maßgaben des Programms Unterrichtsversorgung. Für das Programm sollen auch bereits in Rente befindliche Lehrkräfte gewonnen werden.

Die mit dem Lehrermaßnahmenpaket bekannte Bindungszulage für ältere Lehrkräfte bleibt davon unberührt und wird weiter angeboten.

Quereinstieg und Teilzeit vereinfacht

Der Freistaat startet zudem das Programm „Schulassistenz“. Vor allem an Schulen mit besonderen Herausforderungen haben die Lehrkräfte viele zusätzliche Aufgaben zu erledigen. An diesen Schulen soll zusätzliches nichtpädagogisches Personal zur Unterstützung und Entlastung der Lehrkräfte gewonnen werden. Dieses Programm soll bis zu einem Drittel aller öffentlichen Schulen erreichen.

Ferner wird das bisher praktizierte Sabbatjahrmodell zum Modell „Flexi-Teilzeit“ weiterentwickelt und ausgebaut. Danach übernimmt die Lehrkraft für einen bestimmten Zeitraum ein höheres Unterrichtsvolumen, als sie vergütet bekommt und kann dieses zu einem späteren Zeitpunkt durch eine in gleichem Maße gewährte Ermäßigung der Unterrichtsverpflichtung ohne Einkommensverlust abgelten.

Außerdem stellt das Land zur Unterstützung der Schulen beginnend ab 1. Januar 2019 bis zu 20 zusätzliche Schulpsychologen ein.

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