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Lehrer sein

Erklärvideos finden – und bereitstellen

Eine Übersicht zur Nutzung von Videoportalen

Karsten D. Wolf

Erklärvideos können sowohl als vorhandene Bewegtbilder didaktisch in den Unterricht eingebettet als auch durch Lehrende oder Schülerinnen und Schüler selbst erstellt werden. Damit stellen sich zwei Fragen: Wo kann man bereits existierende Videos finden, und wie kann man eigenerzeugte Erklärvideos für andere Nutzerinnen und Nutzer verfügbar machen?

Erklärvideos und Lehrfilme finden sich auf sogenannten ­Videoportalen – internetbasierte Dienste, welche den Zugriff auf audiovisuelle Bewegtbildmedien ermöglichen (Wolf 2017). Dabei kann man unterscheiden zwischen:

Mediatheken, also Videoportalen von Fernsehsendern. Dort werden die Eigenproduktionen der (öffentlichen) Sender für eine zumeist begrenzte Zeit zum wiederholten Anschauen bereitgestellt (die genaue Dauer wurde im zwölften Rundfunkänderungsstaatsvertrag vom 18. Dezember 2008 festgelegt), lediglich zeit- und kulturgeschichtliche Inhalte wie z. B. auch das Wissenschaftsmagazin „Quarks & Co.“ dürfen unbegrenzt vorgehalten werden – und gewährleisten damit eine gewisse Verlässlichkeit der Bereitstellung auch über ein Schuljahr hinaus. Deshalb muss die Verfügbarkeit eines gespeicherten Videolinks möglichst am Tag vorher noch einmal geprüft werden.

Die Filme auf Mediatheken dürfen auch im öffentlichen Raum des Unterrichts gestreamt werden. Nicht erlaubt ist es dagegen, sie herunterzuladen und zu speichern Während die öffentlich-rechtlichen Mediatheken werbefrei sind, spielen die privaten Sender in ihren Mediatheken häufig Werbungen ein, was ihre Verwendung im Unterricht einschränkt. Auch die Landesmedienzentren bzw. -institute der Länder sowie das FWU stellen Mediatheken mit lizensierten Lehrfilmen bereit, welche im Unterricht genutzt werden dürfen. Ein Vorteil ist hier, dass es häufig noch zusätzliches Unterrichtsmaterial zu den Filmen gibt. Auch hier kann man sich didaktische Anregungen für die Einbettung eigener Erklärvideoproduktion und -nutzung in den Unterricht holen.

Partizipative Videoportale fokussieren auf „user generated content“, also von den Nutzer/innen hochgeladene Videoinhalte. Dabei kann es sich handeln um

  1. (illegal geteilte) Kopien von professionell produziertem Videomaterial, also z. B. von DVDs oder Blu-rays gerippte Filme und mitgeschnittene Fernsehsendungen und Streams ohne weitere Bearbeitung,
  2. selbsterstellte (also von Amateuren eigenproduzierte) Inhalte,
  3. selbst gefilmte Aufnahmen von Live-Auftritten und -Performances („Video-Bootlegs“) z. B. bei Vorträgen, Musikkonzerten und Sportveranstaltungen,
  4. veränderte Inhalte (zu den Genres siehe unten), wie z. B. Re-Montagen von Filmtrailern oder als Parodie neu synchronisierte Filme wie etwa die Harry-Potter-Synchros der YouTuberin Kathrin Fricke ( coldmirror). Das größte und weltweit bedeutendste partizipative Videoportal ist YouTube und kann als die größte audio-visuelle Enzyklopädie der Welt verstanden werden (Wolf 2015).

Neben YouTube existieren einige wenige weitere partizipative Videoportale wie z. B. das inhaltlich ähnliche DailyMotion, welche aber nur einen geringen Marktanteil aufweisen. Das Videoportal Vimeo hat sich als weitgehend werbefreier Premiumanbieter für anspruchsvolle, eigenerstellte, semi-professionelle sowie unabhängig produzierte Profi-Inhalte positioniert. Generell dürfen Videos auf YouTube & Co. im Klassenzimmer öffentlich gestreamt, aber nicht heruntergeladen werden.

Viele Inhalte auf partizipativen Videoportalen bewegen sich allerdings in einer rechtlichen Grauzone, da sie das geistige Eigentum von Rechteinhabern verletzen. Als Konsequenz analysiert z. B. YouTube alle hochgeladenen Videos auf unautorisierte Nutzung von copyright-geschützten Audio- und Videoinhalten (Content ID).

Pay-to-View-Videoportale wie z. B. Amazon Video, iTunes, Netflix, Maxdome, Watchever oder Sky Online erlauben entweder gegen eine Abogebühr („Subscription-based Video-on-Demand“ [S-VoD]) oder ­eine einmalige Zahlung („Trans­action-VoD“ [T-VoD]), Filme und Serien entweder online „auszuleihen“, also für einen kurzen Zeitraum zu streamen, oder als digitale (geschützte) Videokopie dauerhaft zu ­erwerben („Download to own“ [Dto]). Zu berücksichtigen ist hier ­allerdings, dass es sich bei der Vorführung im Klassenzimmer nicht um eine private Vorführung handelt. Im Zweifelsfall hat man – wie auch bei Film-DVDs aus dem Einzelhandel – keine Aufführungsrechte im Klassenverbund.

Erklärvideos online bereitstellen

Will man eigene Produktionen oder insbesondere Erklärvideos der Schülerinnen und Schüler nicht nur z. B. von einem (am besten verschlüsselten) USB-Stick oder einer externen Festplatte vorführen, sondern auch online zur Verfügung stellen, gibt es ebenfalls unterschiedliche Möglichkeiten.

Hier bieten sich zunächst partizipative Videoportale wie insbesondere YouTube an. Nicht gelistete Videos können nur über den direkten Link betrachtet werden. Teilt man diesen mit den Schülerinnen und Schülern, kann er allerdings einfach weitergeleitet werden. Das private Teilen der Videos mit einem geschlossenen Benutzerkreis bedarf Accounts auf der jeweiligen Videoplattform für alle Personen, für die man das Video bereitstellen will.

Auf Vimeo kann man Videos auch mit einem Passwort schützen. Hier zeigt sich, dass das Bereitstellen von Videos auf Videoportalen bei Schülerinnen und Schülern unter 18 Jahren unbedingt die Einverständniserklärung der Eltern benötigt. Gleichzeitig müssen Schülerinnen und Schüler darüber aufgeklärt werden, dass sie nicht einfach das Video einer Gruppenarbeit ohne Einwilligung der Gruppenmitglieder z. B. auf ihrem eigenen YouTube-Channel bereitstellen dürfen (u. a. Recht am eigenen Bild). Alle großen Videoportale bieten mittlerweile auch Live Streaming, also Echtzeit-Übertragung an, was sich aber im Kontext von Erklärvideos meistens nicht anbietet zu groß ist das Risiko, dass etwas nicht funktioniert oder schiefgeht.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Nutzung schulischer Lernplattformen der Länder wie etwa mebis in Bayern oder itslearning in Bremen (siehe S. 17), soweit diese über die erforderlichen Kapazitäten für die Bereitstellung von Videos verfügen. Für eine schulinterne Bereitstellung könnten auch alternativ ein Video-CMS wie z. B. YouPHPTube oder Vimp genutzt werden, also dedizierte Serversoftware, welche die Funktionalität von Videoportalen zum Selbst-Hosten bereitstellen. Die technischen und administrativen Anforderungen sind hier aber sehr hoch.

Karsten D. Wolf
Professor für Medienpädagogik an der Universität Bremen

! Literatur

(1) Wolf, K. D. (2015): Bildungspotenziale von Erklärvideos und Tutorials auf YouTube: Audio-Visuelle Enzyklopädie, adressatengerechtes Bildungsfernsehen, Lehr-Lern-Strategie oder partizipative Peer Education? [Educational potentials of explanatory videos and tutorials on YouTube]. In: merz, 59(1), 30 – 36.

(2) Wolf, K. D. (2017). Videoportale. In Schorb, B./Hartung-Griemberg, A./Dallmann, C. (Hrsg.), Grundbegriffe Medienpädagogik. 6., neu verfasste Auflage. kopaed, 395 – 400.

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