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Außerschulisches Lernen

Perspektive inklusive

Berufsorientierte Klassenreisen bieten Impulse für die Jobwahl – und vereinfachen den Lehrern ihre Arbeit

mho

Berufspraktika für Schüler sind vorgeschrieben. Sie aber für bis zu 30 Jugendliche pro Klasse zu organisieren, übersteigt oft die Möglichkeiten der betreuenden Lehrer. „Horizonte Reisen“ bietet Hilfe an: Klassenfahrten mit Berufsfeld­erkundungen, wo jeder Schüler bis zu drei Tagespraktika absolvieren kann, an die spätere Berufsbildungsmaßnahmen nahtlos anschließen

Timon knurrt der Magen. Der 14-Jährige kann es kaum erwarten, sich eine Bratwurst vom Grill zu schnappen. Denn Lernen macht ziemlich hungrig.

Seine Mitschüler haben die gleiche Erfahrung gemacht. Gemeinsam mit zwei Lehrern chillen sie im Hof des Jugendgästehauses im emsländischen Papenburg und lassen den Tag Revue passieren – den zweiten Tag einer ziemlich ungewöhnlichen Klassenfahrt. Denn heute haben alle 25 Realschüler ihr erstes von drei Berufspraktika absolviert, die in dieser Woche anstehen. Alle unter dem Dach der Johannesburg, einem Ausbildungszentrum des Landkreises Emsland, wo Jugendliche in 15 verschiedene Ausbildungsberufe schnuppern können. Timon ist heute in einer Tischlerwerkstatt gestartet. Die Lehrer hören aufmerksam zu, notieren sich hin und wieder Eindrücke und Meinungen ihrer Schüler. Dann geht‘s ab in die Federn, denn morgen steht für jeden Jugendlichen ein neues Berufsfeld auf dem Programm.

Berufspraktikum: ungeliebter Dauerbrenner

Irgendwann in der 8. Klasse ist jeder Schüler dran, Berufspraktika zu machen. Das bedeutet jede Menge zusätzliche Arbeit und Organisationsschwierigkeiten für alle Beteiligten. Zwar integrieren einige Bundesländer die Kurzpraktika mittlerweile schon in ein mehrstufiges Gesamtkonzept von Berufsbildungsmaßnahmen; NRW etwa ist da mit seinem 4-Phasenmodell „NüS“ schon sehr weit. Nur fehlen vor Ort an den Schulen oft schlicht die Kapazitäten, um die offiziellen Vorgaben umzusetzen. „Ganz ehrlich: Berufspraktika für 25 oder mehr Schüler organisieren, und gleich drei pro Person – das ist der Hammer“, berichtet Lehrer Dietmar Frontzek (Name geändert; Red.), der seine Klasse nach Papenburg begleitet hat. „Das Problem fängt schon damit an, dass es in unserer ländlichen Gegend gar nicht so viele Firmen gibt, bei denen man ein Praktikum machen kann. Und sollte man doch eine Stelle bekommen, stellt sich dann oft weiter die Frage: Wie kommt der Schüler da hin?“

Außerdem möchten Frontzek und seine Kollegen ihren Schülern zeigen, dass der Arbeitsmarkt viel mehr bietet als nur Kfz-Mechaniker, Friseurin oder kaufmännische Berufe. Aber eben nicht immer direkt vor der Haustür. Wo die Angebote sind, müssten die Lehrer also erst mühsam recherchieren. Kurz: Es gibt einfach zuviele Hemmschuhe für eine nachhaltige Berufs­orientierung an den Schulen.

Marktlücke geschlossen

Das hat auch Jürgen Stobbe erkannt. Der Geschäftsführer und sein Team von Horizonte-Reisen baut zur Zeit das neue Segment „berufsorientierte Klassenfahrten“ auf – und stößt damit auf immer breiteres Interesse bei den Schulen. „Wir bieten komplette Reise- und Berufserkundungspakete an, zu denen eben auch bis zu drei Berufspraktika je Schüler gehören“, erläutert Stobbe. „Alles ist im Vorfeld organisiert: An- und Abreise, Unterbringung, Verpflegung und die Plätze in verschiedenen Ausbildungsbetrieben.“ Dafür kooperiert Horizonte-Reisen mit Ausbildungsstellen in ganz Deutschland, die über große Kapazitäten verfügen, so auch mit der Johannesburg in Papenburg, einem Konglomerat aus Betrieben verschiedenster Branchen. Die Einrichtung ist zertifiziert nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) des Gesetzgebers. „Das bedeutet, dass die Betriebe eine qualitativ hochwertige, pädagogisch fundierte Berufsorientierung ermöglichen, auf die die Folgephasen der landeshoheitlichen Berufsbildungsmaßnahmen aufsetzen“, erläutert Stobbe. Die Maßnahmen passen perfekt in die Phase 2 des in NRW vorgegebene 4-Phasen-Modell NüS. Die Ergebnisse da­raus bilden die Basis für die vertiefende dritte Phase.

Apropos: Damit überhaupt verlässliche, reproduzierbare Ergebnisse herauskommen, kooperiert Horizonte Reisen eng mit Manuel Epker vom IFBK. Das Münsterländische IFBK ist ein profilierter Anbieter von Potenzialanalysen. Die Evaluation der „Berufsorientierten Klassenfahrten“ baut also direkt auf Phase 1, der Potenzialanalyse auf. Jeder Schüler erhält nach Abschluss der berufs­orientierten Klassenfahrt eine Evaluation, ein Zertifikat und weitergehende Informationen zu den gewählten Berufsfeldern. Diese Dokumente sind kompatibel zum Berufswahlpass oder dem Portfolioinstrument, die jeden Schüler während der vier Phasen der Berufsorientierung an der Schule begleiten.

Auch diese Werkzeuge vereinfachen den Lehrern ihren Job. Sie können sich während der Klassenfahrt darauf konzentrieren, ihre Schüler bei den Praktika zu beobachten, ihnen Tipps zu geben und sie bei der Selbst-Evaluation zu unterstützen.

Im Team fallen Hemmschwellen

Eine Beobachtung hat Dietmar Frontzek bereits am zweiten Tag der Klassenfahrt schwer beeindruckt: „Keiner ziert sich, keiner drückt sich vor der Arbeit. Alle Schüler sind pünktlich und absolut gewissenhaft bei der Sache.“ Das ist nicht immer so. Oft genug kneifen Schüler kurz vor Antritt einer auf normalem Wege organisierten Praktikumsstelle – etwa weil sie Versagensangst haben oder einfach keine Lust. „Dann rufen die zu Recht erbosten Ausbilder in der Schule an und verweigern jede weitere Zusammenarbeit“, berichtet Frontzek. Bei den berufsorientierten Klassenfahrten dagegen besuchen immer zwei bis drei Schüler gemeinsam einen Betrieb. „Es sind also immer ein paar Peers dabei“, sagt Horizonte-Mann Stobbe. „Da will sich keiner eine Blöße geben. Außerdem steigt bei allen Schülern so die Motivation, eine gute Arbeit abzuliefern.“

Bei weitem kein Luxus

Hand aufs Herz: Was so eine fünftägige Klassenfahrt mit Praktika und Evaluationstool kostet, wollen wir von Jürgen Stobbe wissen. „Je nach Anreiseentfernung zwischen 200 und 250 Euro pro Schüler“, sagt der Reisefachmann. Gut, das ist mehr, als manche „normale“ Klassenfahrt kostet. Aber wenn man betrachtet, dass der Preis alles einschließt, relativiert sich das schnell. „Bei einer üblichen Klassenfahrt mit pädagogischen Inhalten, die beispielsweise 180 Euro kostet, kommen meist noch Eintrittsgelder, Kurtaxen und andere Kosten dazu, dann zahlt man unterm Strich kaum weniger.“

Hinzu kommt, dass die Schulen, wenn sie es geschickt anstellen, z. B. von der Agentur für Arbeit Fördermittel bekommen können, da es sich ja um eine zertifizierte Berufsbildungsmaßnahme handelt. „Da sollten Schule, Lehrer und Eltern sich die vielen lokalen und überregionalen Fördertöpfe zu Nutze machen“, rät Stobbe. Zudem seien mitunter durchaus auch Firmen in der Nachbarschaft der Schulen bereit, einen Teil der Kosten zu übernehmen, berichtet er. „Sie sehen es als Chance, an ihrem Standort später mal Berufseinsteiger mit festen Perspektiven und guter Qualifikation zu finden.“

Mit derlei Tipps berät Stobbe die Schulen übrigens auch gern direkt, denn er weiß: „Fundraising und externe Kooperationen sind das Gebot der Stunde. Die Schulen können sich dadurch große Spielräume schaffen. Die Chance sollten sie nutzen.“

! Weitere Informationen

www.berufsorientierte-klassenreisen.de

www.horizonte-reisen.de

Jürgen Stobbe, Tel. 0251-48166-0

JS@horizontemail.de

IFBK – Institut für Bildungskooperation

www.ifbk-muenster.de

Manuel Epker, info@ifbk-muenster.de

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