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Außerschulisches Lernen

Raus aus dem Klassenzimmer!

Außerschulische Lernorte in Köln und Umgebung

Marc Hankmann

Es muss nicht gleich eine Reise um die Welt sein wie in Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“, um Kindern und Jugendlichen außerhalb der Schule Wissen zu vermitteln. Großstädte wie beispielsweise Köln bieten eine Fülle an außerschulischen Lernorten für viele Fachrichtungen. Forschungszentren, Museen oder Bauernhöfe in der Umgebung der Domstadt laden wissbegierige Kinder und Jugendliche ein, praktische Erfahrungen zu sammeln. Lehrer werten durch solche Ausflüge ihren Unterricht auf und sorgen bei den Schülern für positive, nachhaltige Lernerlebnisse

Im Fokus außerschulischen Lernens steht das unmittelbare Erleben und Erfahren an Objekten oder didaktischen Medien. Dadurch werden Bezüge zur eigenen Lebenswirklichkeit der Schüler hergestellt. Das in der Schule erlernte Wissen wird angewendet und vertieft, wenn Schüler in die Rolle des Forschers schlüpfen, an Originalstätten das Leben ihrer Vorfahren erkunden oder spielerisch das Zusammenwirken von Flora und Fauna in einem Ökosystem entdecken. Köln und Umgebung bietet eine Vielzahl an außerschulischen Lernorten für alle Altersgruppen, Lernstufen und zu jeder Jahreszeit.

Nachts im Museum

Weltkarte im Medienraum des JuniorMuseums im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum

Die Rheinmetropole ist insbesondere für ihre Universität und Museen bekannt. Schüler begeistern sich jedoch nur sehr wenig für hinter Glas ausgestellte Exponate – ganz zu schweigen von einem kaum nennenswerten Lernerfolg, der sich durch einen schlichten Museumsbesuch einstellt. Die zum Kölner Museumsdienst gehörende Museumsschule möchte die Attraktivität des Museums als außerschulischen Lernort steigern. Dabei hält sich die Schule keineswegs nur in Ausstellungsräumen auf. Im unterirdischen Köln erforschen Schüler eines der wichtigsten Gebäude aus der Römerzeit: das Praetorium, den Regierungssitz der kaiserlichen Statthalter in Niedergermanien. Neben den historischen Museen der Stadt bietet die Schule auch Veranstaltungen in Kunst- und ethnologischen Museen an.

Eine Reise in die Vergangenheit bietet auch das LVR-Freilichtmuseum Kommern. Auf dem 95 Hektar großen Gelände stehen rund 65 historische Gebäude, die das Bauen, Wohnen und Wirtschaften der Landbevölkerung seit dem Ende des 15. Jahrhunderts widergeben. Dazu gehören auch Äcker, Bauerngärten und Obstwiesen. Die handlungsorientierten Projekte behandeln museumsrelevante und waldpädagogische Themen und orientieren sich an den Richtlinien der Primar- und Sekundarstufe. Viele Projekte sind auch für gehörlose oder schwerhörige, blinde und sehbehinderte Kinder geeignet.

Eine ganz spezielle Klassenfahrt bietet das Freilichtmuseum im Rahmen des Projekts „Schüler wohnen im Museum“. Klassen erhalten die Möglichkeit, eine Woche im Freilichtmuseum zu leben und in Kleingruppen beim Förster, bei den Landwirten, Hauswirtschafterinnen und an Handwerksvorführungen mitzuwirken. Das Projekt wird für 4. bis 7. Klassen von Mai bis September angeboten.

Die Welt der Wissenschaft

Die Wissenschaftsscheune (WiS) des Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung hat sich zum Ziel gesetzt, bei Schülern die Neugier auf Pflanzen zu wecken. Mitarbeiter aus den Bereichen Wissenschaft, Pädagogik, Landwirtschaft und Gartenbau vermitteln die gesamte Bandbreite vom DNA-Molekül bis zum Anbau von Kulturpflanzen. Besonders beliebt sind zum Beispiel die Stationen „Evolution des Weizens“ oder die Kulturgeschichte des Mais. Das Angebot reicht von der Primarstufe bis zu Sekundarstufe 2. Während die Primastufe im Schaugarten die Vielfalt der Kartoffel kennenlernt, werden für die Sekundarstufen Themen wie Fotosynthese oder Gentechnik anschaulich dargestellt.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung haben zudem zusammen mit Mitarbeitern des Instituts für Genetik der Universität Köln den Verein KölnPub – Publikum und Biotechnologie gegründet. Der Verein möchte die Biotechnologie einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen und bietet daher neben Lehrerfortbildungen auch Schülerkurse an. Zusammen mit den Wissenschaftlern isolieren Schüler der Sekundarstufe 2 die Erbsubstanz aus Bakterien und Gemüse oder führen genetische Transformationsexperimente durch. Auch für die Sekundarstufe 1 bietet der Verein Veranstaltungen an, die derzeit überarbeitet werden.

Als praxisorientierte Ergänzung zum mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht versteht sich das Schülerlabor JuLAB des Forschungszentrums Jülich. Für Schulklassen der Jahrgangsstufen 4 bis 13 werden Tagesveranstaltungen durchgeführt. Die Schüler arbeiten selbstständig in Kleingruppen und lernen auf diese Weise die wissenschaftliche Vorgehensweise kennen. Die Themen orientieren sich an den Forschungsschwerpunkten des Zentrums wie Gesundheit, Energie und Umwelt oder Schlüsseltechnologien. Dabei geht es zum Beispiel um die Brennstoffzelle als Energiekonzept der Zukunft oder die Zusammensetzung von Böden.

Wider die lila Kuh

Landwirtschaft wie Anno Dazumal können die Besucher des Freilichtmuseums Kommern erleben. Die Bildungsstätte bietet aber auch Ausstellungen zu aktuellen Themen, etwa zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren

Wer Böden lieber in natura sieht oder seinen Schülern deren Nutzung vermitteln will, begibt sich auf einen Schulbauernhof in der Umgebung von Köln. Gut Hixholz in Velbert bietet beispielsweise fünf verschiedene Hoferkundungen für Schulkinder in jeder Altersstufe. Sie erfahren, wie Kühe leben, wozu Ziegen und Schafe dienen und warum sich der Bauer über nistende Schwalben und halbstreunende Hofkatzen freut. Im Stall heißt es dann selbst anpacken, wenn es um die Tierfütterung oder das Melken geht.

Zum Thema Milch bietet der Hof einen weiteren Rundgang an. Hier erfahren Schulkinder alles über Milch vom Euter bis zum Supermarkt. Weitere Schwerpunkte setzt Gut Hixholz bei den Themen Getreide und Kartoffeln. Welche Rolle die unterschiedlichen Böden bei der Bepflanzung und Ernte spielen, erfahren Schüler der Sekundarstufe 1 und 2 in einem extra dafür vorgesehenen Rundgang. Für die Schüler der Klassen 5 bis 7 bietet Gut Hixholz Lernen in Stationen an. Dabei wird den Schülern ein selbstständiges Arbeiten gemäß ihrer Lernerfahrungen und Wissensstände ermöglicht. Für die Nachbearbeitung im Unterricht stellt das Gut die einzelnen Aufgaben mit Lösungen zur Verfügung.

Ein ebenfalls reichhaltiges Angebot finden Lehrer auf dem Gertrudenhof in Hürth. Über 500 Schulklassen und Kindergärten besuchten den Hof im vergangenen Jahr. Die Betreiber bieten ganzjährig ein umfangreiches Programm, angepasst an alle Schulstufen. Sie informieren praxisnah und auf spielerische Art und Weise über gesunde Ernährung, Tiere, Pflanzen und Lebensmittelproduktion oder über Themen wie Nachhaltigkeit und Lebensmittelqualität. Auf dem Bauernmarkt präsentiert der Gertrudenhof seine Erzeugnisse. Absolutes Highlight für die Kleinen: der Streichelzoo.

Natur und Tier

Sägen, bauen, matschen und entdecken: Beim Verein Querwaldein lernen Schüler in, mit und von der Natur

In die freie Natur geht’s mit Querwaldein. Der Verein will Schülern die Vielfalt der Natur auf sinnlich-ästhetische Weise näherbringen. Kinder sollen ein sozial und ökologisch nachhaltiges Denken und Handeln erfahren. Dafür müssen Schulklassen noch nicht einmal ins nahe gelegene Sauerland oder die Eifel fahren. Der Verein bietet viele Erlebnistouren in Köln an, zum Beispiel am Adenauer Weiher, im Stadtpark oder dem Forstbotanischen Garten. Und das nicht ganz ohne Hintergedanken. Querwaldein will den Kindern ein Wiederkehren nach der Veranstaltung ermöglichen und sucht daher die räumliche Nähe zu Schulen. Natürlich reduziert dies auch die Fahrtkosten und den Zeitaufwand.

Querwaldein bringt Schülern zudem die heimische Tierwelt näher, indem zum Beispiel der Frage nachgegangen wird, wie Tiere im Wald überwintern. Welche Überlebensstrategien Giraffen, Nashörner oder Elefanten anwenden, erfahren Schulklassen in der Zooschule des Kölner Zoos. Sie existiert bereits seit 50 Jahren, weshalb anlässlich des Jubiläums neben einem neuen Gebäude etliche außerplanmäßige Fortbildungen angeboten werden. Kinder und Jugendliche erleben in der Zooschule Tiere in naturnahen Umgebungen und Kontexten. Der Unterricht rund um das lebende Tier beinhaltet sowohl fachlich-biologische als auch soziale und kulturelle Aspekte. Der Kölner Zoo will auf diese Weise die Handlungsbereitschaft und Handlungskompetenz für den Natur- und Umweltschutz fördern sowie den Nachhaltigkeitsgedanken vermitteln.

Die Geparden-Anlage ist nur eine von vielen Lernstationen der Kölner Zoo-Schule

Die Webseite der Zooschule bietet Lehrern vielfältige Materialien, die im Unterricht und für den Ausflug in den Kölner Zoo eingesetzt werden können. Dazu gehören zum Beispiel Rätselspiele, Rallys oder der Forscherausweis, mit dem Lehrer ihren Schülern im Unterricht die Methoden und Kompetenzen des naturwissenschaftlichen Forschens im Zoo näherbringen. Er eignet sich zudem für die Vorbereitung eines Zoobesuchs.

Wasser ist nicht nur unser Lebenselixier, sondern auch ein spannender Lerngegenstand. Die Wasserschule Köln lässt Kinder das hautnah erleben

In einer Stadt, die durch den Rhein geprägt ist, darf natürlich eine Wasserschule nicht fehlen. An den Lernorten Villa Öki in Stammheim und dem RheinEnergie-Wasserwerk in Westhoven informiert die Wasserschule Köln über alle Aspekte des Wasserkreislaufs, von der Trinkwassergewinnung über die Ursachen von Hochwasser bis hin zur Abwasserreinigung. Die erlebnisorientierten Unterrichtseinheiten dauern drei Stunden. Sie sollen bei den Schülern ein ökologisches Bewusstsein und ein Verantwortungsgefühl im Umgang mit Wasser wecken. Neben Themenführungen durchs Wasserwerk Westhoven und das Großklärwerk Köln-Stammheim setzt die Wasserschule Köln eigens entwickelte Lehrmaterialien ein, die für die Stationsarbeit verwendet werden. Darüber hinaus kann Unterrichtsmaterial beispielsweise für eine physikalisch-chemische Trinkwasseranalyse über die Webseite der Schule bestellt werden.

Lernen vor der eigenen Haustür

Die Webseiten der hier vorgestellten außerschulischen Lernorte halten für die Vorbereitung eines Ausflugs weitere Informationen wie Gruppengröße, Öffnungszeiten oder Preise sowie Kontaktdaten bereit. Um Schülern das zu veranschaulichen, was die Schule meist nur in grauer Theorie lehren kann, bedarf es keiner weiten Reisen. Außerschulisches Lernen liegt in Köln quasi vor der Tür.

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Perspektive inklusive

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