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Klassenfahrt

Bewegende Klassenfahrt

Sport und und Kultur in Istrien – ein Reisebericht

Mirko Zurbonsen

Heutige Jugendliche bewegen sich zu wenig. Umso wichtiger ist es, im Rahmen einer Klassenfahrt sportliche Akzente zu setzen und die Schüler nicht nur durch Museen zu scheuchen. In den Bergen und an den Stränden Istriens lassen sich selbst Couch Potatoes für Sport begeistern – sei es für Bike-Touren, Kajak-Expeditionen oder Wanderungen durch ein mediterranes Paradies.

Irgendetwas kitzelt Simon (alle Namen geändert; Red.) an der Nase. Die Sonne scheint durch das Fenster und ein paar Strahlen treffen genau auf sein Kopfkissen. Daran werde er sich wohl gewöhnen müssen, denkt sich der 16-jährige Gymnasiast aus Stuttgart. Denn die nächsten fünf Tage bewohnt er gemeinsam mit vier Mitschülern eines der knapp 25 Quadratmeter großen, gut ausgestatteten Mobilhomes auf dem Campingplatz Olivia im kroatischen Rabac.

Sport tut gut …

Die 26-köpfige Stuttgarter Schulklasse verbringt mit zwei betreuenden Lehrern ihre sportorientierte Mittelstufenfahrt auf der kroatischen Halbinsel Istrien. Statt nach Berlin, London oder Rom zu fahren, hatten sich die Schüler und deren Eltern für ein sportorientiertes Angebot von Voyage, einem großen Veranstalter für Gruppen- und Klassenreisen, entschieden. Charakteristisch für die einwöchige Fahrt ist dabei die gesunde Mischung aus interessanter Geschichte und abwechslungsreichen Sportaktivitäten. „Da sich die Jugendlichen in ihrem Alltag zu wenig bewegen, haben wir den Eltern dieses Klassenfahrt-Angebot ans Herz gelegt“, berichtet Sportlehrer Henrik Berger.

Der Ankunftstag in Rabac steht ganz im Zeichen vom Einzug in die Unterkünfte und dem Kennenlernen des Campingplatzes. Nach einer kurzen Begrüßung durch Campleiterin Dani können die Schüler in ihre Mobilehomes einziehen. Simon war von Anfang an von der Ausstattung begeistert. Die Einteilung, wer mit wem zusammenwohnt, hatte die Klasse bereits vor Reiseantritt erledigt. Während sich die Schüler im Camp häuslich einrichten, setzt sich Klassenlehrerin Anja Mayer mit der Campleitung und einem der Sportguides zusammen, um den Plan für die kommende Woche zu besprechen. Dabei geht es vor allem um die Organisation und Koordination des Sport- und Ausflugsprogramms sowie der freien Zeit für die Jugendlichen.

… besonders am Wasser

Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der kleine Fischerort Rabac mit seiner schönen Bucht und den umliegenden Olivenhainen zu einem beliebten Reiseziel. Zahlreiche Badebuchten, üppige mediterrane Vegetation, die einheimische Küche und gastfreundliche Menschen locken immer mehr Gäste in den istrischen Badeort. Das Strandleben spielt sich in den umliegenden Buchten an den schönen Stein- und Kiesstränden mit ihrem kristallklaren Wasser ab. Die Strandpromenade in Rabac lädt mit ihren Verkaufsständen, Eiscafés, Restaurants und Boutiquen zum ausgiebigen Bummeln und Shoppen ein. Der Campingplatz Oliva, auf dem die Stuttgarter Schüler Quartier bezogen haben, liegt inmitten eines großen Olivenhains direkt an einem für Kroatien typischen Kiesstrand. Rabac, die Perle der Kvarner Bucht, ist nur zehn Gehminuten vom Campingplatz entfernt – nah genug für spontane Abstecher in die „City“.

Am folgenden Morgen beginnt der Tag mit einem reichhaltigen Frühstücksbüffet. Landestypische Brotsorten, Müsli, Flakes, Süßes und Deftiges, Rohkost sowie Kaffee, Tee, Milch und Kakao: Das perfekte Frühstück, um sich für vielfältige Aktivangebote zu stärken. Denn nach dem Frühstück wartet schon Torsten, ein erschreckend fitter Sportguide, auf die Schüler. Die Klasse wird in zwei Gruppen aufgeteilt. Die einen starten nach einer kurzen Einweisung mit Mountainbikes über Stock und Stein bis auf eine Anhöhe mit toller Aussicht über eine malerische Bucht. Nach einer erholsamen Abfahrt bis in die Bucht stürzen sich die Schüler auf die bereit liegenden Schnorchel-Sets. Dank des klaren Wassers ist die interessante Unterwasserwelt problemlos zu entdecken.

Für die zweite Gruppe geht es heute Vormittag zum Kajak fahren. Sportlehrer Berger freut sich auf neue Erfahrungen in der auch für ihn unbekannten Sportart. Auf dem Plan steht eine Paddeltour raus aufs Meer, an der Küste entlang zu einem abgelegenen Strand. Aber vorher müssen Simon und seine Klassenkameraden im flacheren Wasser zunächst ein Gefühl für das Seekajak bekommen – etwa bei Spielen, die das Balancevermögen mit dem Vehikel trainieren.

Nach einer kleinen Stärkung aus selbst zubereiteten Lunchpaketen tauschen die Gruppen das Sportgerät und der Spaß beginnt von vorn. Nach einem aktiven Tag mit ungewohnt intensiven Sport-Einheiten schmeckt das Abendessen gleich doppelt so gut. Der Abend steht den Jugendlichen zur freien Verfügung. Die meisten Schüler sind allerdings so müde, dass sie sich schon bald in ihre Mobilehomes zurückziehen.

Bewegung und Kultur im Wechsel

Neben Sport gehört auch gesunde Ernährung zum Programm. Auf den Buffets des Campingplatzes Oliva sind frisches Obst und Gemüse obligatorisch

Am nächsten Tag steht ein Ausflug nach Pula auf dem Programm, mit knapp 60.000 Einwohnern die größte Stadt Istriens. Der erste Eindruck von Pula ist überwältigend. Besonders das gewaltige Amphitheater beeindruckt die Schüler. Zudem gestaltet sich die gleich nach der Ankunft in Pula stattfindende Stadtführung entgegen vieler Erwartungen interessant, informativ und vor allem kurz und knackig, sodass es anschließend zügig in die Shoppingmeile geht. Um das gute Teamgefühl der Gruppe weiter zu stärken, gibt es vor der abendlichen Freizeit einen kleinen Outdoor-Spieleabend mit Frisbee, Slackline und Football-Ei. Klassenlehrerin Mayer balanciert dabei das erste Mal überhaupt auf einer Slackline, einer Art Gurt, der zwischen zwei Befestigungspunkten wie z. B. Bäumen gespannt ist.

Zueinander finden

Das bis jetzt äußerst straff getaktete Wochenprogramm wird ab dem dritten Tag bewusst etwas gelockert, damit die Jugendlichen etwas mehr Zeit für selbstorganisierte Unternehmungen haben. Klassenfahrten sind vor allem dafür da, dass die Schüler den Klassenverband und ihre Teamfähigkeit stärken sowie Kooperation, Teamarbeit und gegenseitige Rücksichtnahme zu fördern, sagt Simons Klassenlehrerin. Klassenfahrten sind seit jeher die unbestrittenen Highlights einer jeden Schullaufbahn. An die gemeinsamen Erlebnisse erinnern sich die Jugendlichen ein Leben lang.

Nach einem entspannten Vormittag begibt sich die Schulklasse nach dem Mittag auf einen gut einstündigen Fußmarsch nach Labin. Der fünf Kilometer von Rabac entfernt liegende, auf einem Bergrücken thronende Ort ist bekannt für eine der schönsten mittelalterlichen Altstädte Istriens. Der an Schluchten und Wasserfällen vorbeiführende Waldweg nach Labin begeistert einige Mitschüler von Simon fast mehr als Labin selbst.

Am späten Nachmittag nutzen die meisten Schüler die verbleibenden Sonnenstrahlen für ein Chill-out am gut 700 Meter langen Kiesstrand und eine Abkühlung im Meer. Später treffen sich alle am Abendbüffet, bevor es anschließend gemeinsam in eine Bar an der Promenade in Rabac geht.

Flipper längsseits!

Bewegungsspiele im Seekajak fördern das Balancegefühl – wichtige Voraussetzung für längere Paddeltouren an Istriens Küste

Am Abschlusstag der Klassenfahrt steht ein echtes Ausflugshighlight auf dem Programm. Gemeinsam fahren sie mit dem Boot nach Cres, der größten Insel Kroatiens. In einer wunderschönen Bucht serviert der Kapitän direkt am Schiff gegrillten Fisch, Fleischspezialitäten und leckeres Cevapcici. Nach ausgiebigem Baden und Relaxen geht es weiter in die Stadt Cres, die die Schüler durch ihre sehenswerte Altstadt und das besondere Flair begeistert. Dass das Boot auf dem Rückweg von drei Delphinen begleitet wird, ist der perfekte Abschluss des Ausflugs. Später am Abend verziehen sich viele Schüler zum Quatschen und Chillen auf die Terrassen ihrer Unterkünfte. Nebenbei werden bereits die ersten Koffer und Taschen gepackt, denn am nächsten Morgen um 7.30 Uhr steht die Bus-Abfahrt auf dem Plan. Trotzdem unterhalten sich manche noch bis tief in die Nacht.

Verrückt, wie schnell diese Woche vorbeigerauscht ist. Do videnja, Rabac! Auf Wiedersehen, Rabac!

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