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Special

Ein bisschen Spaß muss sein

Freizeitparks – pädagogisch wertvoll?

mho

Kann man von Freizeitparks ernsthaft das Angebot und den Anspruch eines außerschulischen Lernorts erwarten? Sicher nicht. Trotzdem lohnt es sich, bei der Planung von Klassenfahrt und Exkursion mal zu schauen, was der lokale Freizeitpark außer Fun und Action sonst noch bietet – denn das kann durchaus Lehrreiches sein.

Im Herbst 2012 schlugen die Wellen hoch in deutschen Lehrerzimmern: Einige Berliner Parlamentarier von CDU und FDP hatten sich damals dafür stark gemacht, Freizeitparks als außerschulische Lernorte anzuerkennen. Auf breiter Front ernteten die Politiker Spott und Häme, selbst von der Yellowpress wie der Bild-Zeitung.

In der Tat ist es überzogen, Freizeitparks mit anerkannten außerschulischen Lernorten gleichzustellen. Die meisten Parkbetreiber versuchen das auch erst gar nicht – ihnen geht es vorrangig um familientaugliche Unterhaltung und Nervenkitzel. Warum sich aber manche Pädagogen Ende 2012 in Internetforen und Leserbriefen derart echauffierten, bleibt rätselhaft. Es beschneidet ihnen ja niemand die Planungshoheit bei Klassenfahrt und Wandertag. Allerdings immer nur Museen und Gedenkstätten zu besuchen – das ist in den Augen der meisten Schüler etwas reizarm. Besonders im Rahmen von mehrtägigen Klassenfahrten sollte ein bisschen Spaßhaben schon erlaubt sein, sofern es das Budget hergibt.

Solche und solche

Wenn man nur genau hinschaut, findet man in Deutschland viele Freizeitparks, die neben dem Entertainment-Angebot durchaus einen Bildungsanspruch haben, ja sogar mit lokalen Umwelt- oder Naturpark-Verbänden kooperieren. Die Lehrer der Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim etwa, eine engagierte UNESCO-Projektschule und Trägerin des Deutschen Schulpreises, haben keine Scheu, mit ihren (jüngeren) Schülern den nahen Freizeitpark Sottrum zu besuchen und dort auf kurzweilige Wissens-Schnitzeljagd zu gehen: Neben obligatorischer Tretboot-Gaudi und Pommesbude bieten die dortigen Rundgänge nämlich viel Informatives über heimische Tier- und Pflanzenarten, über die vor Jahrmillionen dort umtriebige Dino-Population, über Physik, Geologie und vieles mehr, im Wechsel mit bewegungsfördernden Kletter- und Geschicklichkeitsstationen, ohne Plastik, Glitzer und Bumm-Zisch naturnah in die Umgebung integriert. Für Unterhaltung sorgt der Turnernachwuchs des örtlichen Sportvereins, der gemeinsam mit Zirkuskindern aus aller Welt Akrobatisches in einem Zirkuszelt aufführt.

Solche Parks findet man überall in ganz Deutschland. Darum wäre es schade, wenn Pädagogen sich kategorisch allem verschließen, was den Begriff „Freizeitpark“ im Namen führt. Denn dabei lassen sie sich gern von einem Klischee leiten: dem eines quietschbunt verkitschten, bildungsfernen Disneylands für reizüberflutete Stubenhocker . Doch nicht alle sind so. Warum da nicht mal über seinen Schatten springen?

In Tripsdrill kann man in zwei völlig unterschiedliche Welten eintauchen: den Erlebnispark mit über 100 originellen Attraktionen und das Wildparadies mit rund 40 verschiedenen Tierarten. Wer in die neue Katapult-Achterbahn „Karacho“ einsteigt, wird für seinen Mut belohnt: Der Start von 0 auf 100 km/h in nur 1,6 Sekunden, Dunkelfahrten und vier unterschiedliche Überschläge sorgen für Nervenkitzel pur! Im thematisierten Wartebereich stellt der Erfinder „Karle Kolbenfresser“ seine Werkstatt mit zum Teil kuriosen Erfindungen vor. Ein gigantisches Erlebnis ist auch die Fahrt durch die gewaltige Sägemühle der Holz­achterbahn „Mammut“. Der Erlebnispark Tripsdrill zeichnet sich durch einen abwechslungsreichen Angebotsmix für alle Alters- und Zielgruppen aus: rasante Achterbahnen, spritzige Wasserfahrten, gemütliche Attraktionen und speziell für Kinder gestaltete Spiellandschaften wie beispielsweise das neue Gaudi-Viertel mit Kinderfreifallturm.

Im Eintritt enthalten ist auch das benachbarte Wildparadies Tripsdrill. Zehn Gehminuten vom Erlebnispark entfernt begeistern hier rund 40 Tierarten ebenso wie Wald-Erlebnispfad, Barfuß-Pfad und Abenteuerspielplatz. Täglich (außer freitags) steht lehrreiches Vergnügen auf dem Programm: Um 11.30 Uhr und 15.30 Uhr leitet ein Falkner die Flugvorführung auf der Falknertribüne. Dabei zeigen die Greifvögel Schnelligkeit und Geschick. Die Fütterung von Wolf, Luchs, Bär & Co. beginnt um 14.30 Uhr. Erfahrene Wildhüter erklären die Verhaltensweisen der verschiedenen Beutegreifer.

Pädagogische Programme erwarten Schulklassen und Jugendgruppen sowohl im Erlebnispark als auch im Wildparadies Tripsdrill. Physikunterricht steht bei „Wissen aus der Werkzeugkiste“ auf dem Stundenplan. Ein Techniker beleuchtet die Tripsdriller Attraktionen mal von einer ganz anderen Seite. „Auf den Spuren unserer Wildtiere“ ist eine spannende Exkursion im Wildparadies. Warum ein Hirsch das Geweih braucht oder wie eine Bärenspur aussieht, wird dabei geklärt. Ebenfalls im Wildparadies lernen die Kinder „Auf Tour mit dem Lederstrumpf“ die Natur mit allen Sinnen zu entdecken – sei es auf dem Barfuß-Pfad, bei wildnispädagogischen Spielen oder beim Feuer machen ohne Streichhölzer. Die Programme im Wildparadies sind ganzjährig buchbar.

Special

Karacho und Köpfchen

Unweit der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart liegt Tripsdrill, Deutschlands erster Erlebnispark. Umgeben von Wäldern, Wiesen und Weinbergen entstand im Jahre 1929 die erste Altweibermühle, das Wahrzeichen von Tripsdrill … mehr