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MINT-Unterricht

Showdown der Techno-Kicker

Der RoboCup 2016 in Leipzig sucht junge Robotik-Asse

mho

Fußball ist eine Wissenschaft. Das wissen nicht nur alle begeisterten Fußballfans, die mitdiskutieren, wenn sich die Profi-Kicker heiße Matches liefern, sondern auch die RoboCup- Community. Diese trifft sich vom 30. Juni bis 3. Juli 2016 auf dem Leipziger Messegelände zum 20. RoboCup. Die Teilnehmer lassen ihre Roboter aber nicht nur Fußball spielen, sondern auch bei Arbeiten im Haushalt helfen oder in schwierigem Gelände als Rettungsroboter agieren – und präsentieren so die Robotik als praxisnahe Disziplin für kreativen MINT-Unterricht

Den Mittelpunkt des RoboCup bilden Fußball spielende Roboter. In acht verschiedenen Ligen treten die Kicker mit künstlicher Intelligenz gegeneinander an. Die Ligen unterscheiden sich dabei hinsichtlich des Baus der Roboter oder auch der zu programmierenden Software. Ihr Ziel ist aber gleich: Wie beim menschlichen Fußball sind die Roboter heiß darauf, den Ball ins gegnerische Tor zu bringen. Kicken und passen, alles ist möglich, sogar foulen können die Roboter – und werden vom Schiedsrichter dafür natürlich bestraft.

Neben dem Fußballspiel demonstriert der RoboCup als Vorreiter auch die unmittelbare Nutzung von intelligenten Robotern für Industrie und Wirtschaft sowie Wissenschaft und Alltag: In vier weiteren Ligen zeigen die Wettbewerbe, wie Roboter bei Rettungseinsätzen unterstützen, im Haushalt helfen oder Produktionsprozesse verbessern können.

Das Ziel: 2050 den aktuellen Fußballweltmeister schlagen

Der RoboCup wird von einer weltweiten Community mit mehreren zehntausend Beteiligten aus über 50 Ländern getragen. Diese verfolgt mit ihrem inzwischen weltweit größten Technologie- und Bildungsevent das Ziel, Robotik und deren Forschung zu fördern und das Thema dabei in die Öffentlichkeit zu rücken. Die Community hat sich dafür ein aktuell noch scheinbar unerreichbares visionäres Ziel gesetzt: 2050 soll ein Team aus komplett autonomen humanoiden Robotern ein Fußballspiel, unter Einhaltung der offiziellen Regeln der FIFA, gegen den Sieger der letzten Weltmeisterschaft spielen – und gewinnen.

Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft

Zahlreiche Innovationen sind bereits aus dem RoboCup hervorgegangen: 1999 wurde als Reaktion auf das große Erdbeben in Kobe (Japan) die Liga der Rettungsroboter eingeführt, um die Forschung auf diesem Feld voranzutreiben. Der hier entwickelte Roboter Quince kam 2011 im havarierten Atomkraftwerk Fukushima als eines von nur wenigen Robotersystemen helfend zum Einsatz.

Das große wirtschaftliche Interesse der Entwicklungen zeigen folgende Beispiele: Die Basistechnologie der Roboter von Kiva Systems – einem mobilen Roboter-Fulfillment-System – entstand in der Small Size League; das Unternehmen wurde von Amazon für über 700 Millionen Dollar aufgekauft. Der Erfolg der französischen Firma Aldebaran Robotics begann mit dem Einsatz des humanoiden Nao Roboters in der Standard Platform League.

RoboCup fördert Nachwuchswissenschafter

Neben den RoboCupMajor Ligen widmet sich der RoboCupJunior den Wissenschaftlern der Zukunft. In dieser Nachwuchskategorie sind Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre aufgerufen, sich intensiv mit Robotern auseinanderzusetzen. Im Schulunterricht oder AGs bauen und programmieren sie ihre Roboter und trainieren für eine Bühnenchoreografie (Kategorie Dance), ein Fußballspiel (Soccer) oder simulieren einen Rettungseinsatz (Rescue). Um sich für den RoboCupJunior in Leipzig zu qualifizieren, finden in Deutschland ab kommendem Frühjahr die Qualifikationsturniere statt.

Doch nicht nur die hoch engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des RoboCup erleben die Faszination der Robotik. In verschiedenen Workshops erhalten Besucherinnen und Besucher Einblick in Bau und Programmierung der Roboter oder können auf dem Leipziger Messegelände Roboter agieren lassen.

Neue Herausforderung für die Robotik

Der RoboCup feiert in Leipzig sein 20-jähriges Jubiläum. 1997 fand die erste Veranstaltung in Japan statt. Der Termin war nicht zufällig gewählt, denn das Jahr galt in vielerlei Hinsicht als Wendepunkt in puncto Künstlicher Intelligenz. In jenem Jahr besiegte der Computer IBM Deep Blue erstmals den menschlichen Weltmeister im Schach, Garry Kasparow. Im gleichen Jahr, am 4. Juli, gelang der NASA-Mission Pathfinder die erfolgreiche Landung mit dem ersten autonomen Robotersystem Sojourner auf der Oberfläche des Mars. Schon einige Jahre zuvor hatten Wissenschaftler überlegt, Roboter gegeneinander Fußball spielen zu lassen, da dabei verschiedenste Prozesse auf kleinem Raum geprobt werden konnten. In Japan und den USA fanden kleinere Wettbewerbe statt, die als Testlauf für den ersten RoboCup galten. 1997 kämpften in Japan schließlich schon über 40 Teams vor den Augen von 5.000 Besuchern um den Weltmeistertitel beim ersten RoboCup.

Support aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft

Die Schirmherrschaft für den RoboCup 2016 haben Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung und Martin Dulig, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr übernommen. Die Stadt Leipzig, der Freistaat Sachsen und zahlreiche Unternehmen und Verbände sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen haben ihre umfangreiche Unterstützung zugesagt.

Zum RoboCup 2016 werden 3.500 internationale Teilnehmer aus 40 Ländern und 40.000 Besucher in Leipzig erwartet.

Weitere Informationen:

www.robocup.de

www.robocup2016.org

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