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Lerngegenstand Wasser

Lebensspender und Konfliktursache

Soziale und globale Aspekte des Themas Wasser

Marc Hankmann

Wenn wir uns ein Glas mit Trinkwasser füllen, uns die Hände waschen oder die Toilette spülen, denken wir nur selten daran, dass andernorts Wassermangel zu Tod, Flucht und Umweltzerstörung führt. In einer globalisierten Welt wird jedoch der Konsum der einen sehr schnell zum Problem der anderen – Grund genug, Schüler für das Thema Wasser zu sensibilisieren

Die Erde ist zu 71 Prozent mit Wasser bedeckt, der menschliche Körper enthält rund 60 Prozent Wasser. Entzieht man ihm jedoch ein Fünftel davon, führt das unweigerlich zum Tod. Das verdeutlicht die Gebrechlichkeit des Menschen angesichts der unvorstellbaren Wassermassen, über die unser blauer Planet verfügt. Von denen sind jedoch nur 3,5 Prozent Süßwasser. Und von diesem kleinen Anteil kann der Mensch lediglich ein Prozent nutzen, denn der Großteil des Süßwassers ist an den Polkappen im Eis gebunden. Anders gesagt: Nur 0,02 Prozent des globalen Wasservorkommens steht der Menschheit zur Verfügung.

Vielseitiges Element

Wasser schenkt Leben, es macht Böden fruchtbar, durch seine Kraft wird Strom erzeugt. Es dient als Kühlmittel, Wärmeträger und -speicher. Letztendlich beeinflusst es auch das Klima. Der Wasserdampf in der Atmosphäre sorgt durch einen natürlichen Treibhauseffekt dafür, dass die von der Erde ausgehende Wärmestrahlung nicht ungehindert in den Weltraum entweicht.

In der Chemie dient Wasser als vielfältiges Lösungsmittel. Als Dipol und mit seiner Fähigkeit zu dissoziieren sowie Wasserstoffbrückenbindungen auszubilden, löst es zahlreiche Säuren, Basen und Salze und dient als Medium für unzählige chemische Reaktionen. Allerdings ist es durch seine Eigenschaften auch anfällig für Verschmutzungen.

Wassermangel und die Folgen

Schüler nehmen eine Probe zur Untersuchung der Wasserqualität im Fluss

Genauso nimmt Wasser das Leben: Extreme Wettersituationen nehmen seit Jahren zu und verursachen immer wieder Überschwemmungen, Erdrutsche und Deichbrüche. Auf der anderen Seite bedroht der Mangel an Trinkwasser das Leben von über einer Milliarde Menschen. Fast doppelt so viele haben keinen Zugang zu einer geregelten Abwasserentsorgung. Rund 80 Prozent der Infektionskrankheiten gehen auf verseuchtes Wasser zurück. Täglich sterben rund 5.000 Kinder unter fünf Jahren an den Folgen schmutzigen Wassers. Durchfall ist die zweithäufigste Todesursache von Kindern. Sie könnte durch eine angemessene Sanitätsversorgung um die Hälfte zurückgedrängt werden.

Die Lage spitzt sich weltweit zu. Wüsten dehnen sich aus, Seen und Flüsse trocknen aus. Den Menschen wird die Lebensgrundlage entzogen. Die Folge: Flucht und Konflikte. Viele Flüsse fließen durch mehrere Staaten, die sich bereits heute um das blaue Nass streiten. Der Nil entspringt in Äthiopien. Die Staudämme des Landes sind für Ägypten mehr als nur ein Dorn im Auge. Die UN schätzt zudem, dass in den nächsten Jahren rund 135 Millionen Menschen vor der Trockenheit in ihrer Heimat fliehen werden. Sie werden Länder aufsuchen, in denen kein Wassermangel herrscht.

Deutschland ist so ein Land. Das bedeutet jedoch nicht, dass es hierzulande keine Probleme mit dem Trinkwasser gäbe. Falsches Trinkwasser-Management führt dazu, dass der Grundwasserspiegel immer weiter absinkt. Der Einsatz von Pestiziden und Dünger verschmutzt zudem das Grundwasser. Und auch der Klimawandel macht sich im Süden der Republik in der Wasserversorgung bemerkbar. Durch die Erderwärmung gehen in den Alpen die Gletscher zurück, sodass im Frühjahr weniger Gletscherwasser in die Täler fließt. Erste bayerische Gemeinden müssen bereits ihre Wasservorräte durch Trinkwasserlieferungen aus Nachbargemeinden aufstocken.

Wasser in der Schule

Ob lokal, national oder global – es gibt genügend Gründe, um Schüler für das Thema Wasser zu sensibilisieren. Sowohl der Wasserkreislauf als auch die Trinkwasserver- und die Abwasserentsorgung haben ihren festen Platz in den Lehrplänen der Grundschule. „Nicht mehr so klar erkennbar ist die Bedeutung des komplexen Themas in der Sekundarstufe, da dann das Wasser nur noch in den fachbezogenen Teilgesichtspunkten vorkommt“, erklärt Professor Dr. Gerhard de Haan von der Freien Universität Berlin. „Insgesamt lässt sich feststellen, dass vorwiegend Wasser in nationalen Kontext betrachtet wird und globale Probleme und Strategien seltener aufgegriffen werden.“

Der Grund hierfür liegt in der Komplexität des Themas. Es eignet sich jedoch ideal für fächerübergreifende Projekte oder Kooperationen mit außerschulischen Lernorten wie Umwelt und Naturzentren. Selbst internationale Kooperationen sind denkbar. „Gerade aus den vielen Beispielen von Schulen, die Wasser- und Energiekosten eingespart haben und diese Mittel nun zur Verfügung haben, tun sich erstaunliche Möglichkeiten für internationale Partnerschaften mit Schulen und anderen Einrichtungen auf“, sagt de Haan.

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