bildung+ Startseite Mediadaten Impressum Links Newsletter

Journal der Leipziger Buchmesse Referendare reisen Lernen science bildungSPEZIAL medien

Schule unterwegs

Museum mal anders

Außerschulische Lernorte mit Schwerpunkt auf Naturwissenschaft und Technik

Marc Hankmann

Das Deutsche Museum in Bonn veranschaulicht in der Experimentier-Küche die Chemie des Alltags. Daneben bietet das Museum viele Workshops aus dem naturwissenschaftlichen Bereich.

Tüfteln, experimentieren, ausprobieren – das geht natürlich im Klassenraum, macht aber mehr Spaß in der freien Natur oder in echten Laboren. Wenn dabei noch der Teamspirit in der Klasse gestärkt wird, umso besser. So wird selbst der Museumsbesuch entstaubt

Beim Stichwort Museum gehen die Mundwinkel der Schüler schnell nach unten. Allerdings nicht bei einem Besuch des Odysseums in Köln. Hier stehen Mitmachen, Anfassen und Entdecken im Mittelpunkt. An über 150 Stationen findet sich für jede Altersstufe das passende Erlebnis: Im Flugsimulator sitzen die Schüler am Steuer einer Cessna und entdecken Köln und sein Umland aus der Vogelperspektive. Wer noch höher hinaus will, wagt sich in den Astronautentrainer und überprüft seine Weltraumtauglichkeit.

Ein besonderes Highlight für die Schulklassen 1 bis 6 ist das Museum mit der Maus. Hier werden die Sachgeschichten aus der Sendung mit der Maus lebendig. Die Schüler gehen den Geheimnissen des täglichen Lebens auf den Grund. Das Motto lautet hier angewandte und lebensnahe Wissenschaft, analog zur Sendung mit der Maus. Im Mittelpunkt stehen dabei immer das Entdecken und Mitmachen.

Für ältere Schüler hält das Odysseum ein eigenes Workshow-Konzept bereit – eine Mischung aus Workshop und Show. Das Konzept wurde zusammen mit Pädagogen, Naturwissenschaftlern und Lernpsychologen entwickelt. In der Workshow „Volle Power“ lernen Fünftklässler, was Strom ist, wie er produziert wird und warum man mit ihm verantwortungsbewusst umgehen muss. In „Unplugged“ geht es um das Thema Schall. Hier kommen Musikinstrumente zum Einsatz, die noch kein Schüler gesehen haben dürfte. Für die Klassen 7 und 8 hält die „Schaumfabrik“ einige Überraschung eines vermeintlich langweiligen Alltagsstoffs bereit – Trockeneis- und Vakuumexperimente inklusive.

Chemische Spürnasen

So macht Schule Spaß: Nachwuchsforscher erhalten professionelle Messgeräte.

Südlich von Köln, in Bonn, befindet sich ein Ableger des in München beheimateten Deutschen Museums. Die Bonner bieten wie ihre Kölner Nachbarn Wissenschaft zum Anfassen. In der Experimentier-Küche des Deutschen Museums gehen Schulen von der 2. Klasse bis zur Oberstufe auf eine Entdeckungsreise durch die Welt der Alltagschemie. In anschaulichen und ungefährlichen Experimenten mit haushaltsüblichen Stoffen erlangen die Schüler in kleinen Gruppen ein alltagsorientiertes Basiswissen der Chemie und profitieren von der verbraucherorientierten Warenkunde der Experimentier-Küche.

Getreu dem Spruch von Justus von Liebig „alles ist Chemie“ stellen die Nachwuchswissenschaftler anhand alltäglicher Produkte Gummibärchen und Sportgetränke selbst her oder analysieren Shampoo und Farbstoffe. Die Detektive unter den Schülern lösen mit Hilfe der Chemie sogar einen Kriminalfall. Und im Dezember nimmt die Experimentier-Küche die „Weihnachtsbäckerei“ unter die Lupe.

Ideengeber der ExperimentierKüche ist Professor Dr. Georg Schwedt, der mit verschiedenen Experimentalvorträgen, unter anderem zur Chemie von Supermarktprodukten, einem breiten Publikum bekannt wurde. Das Deutsche Museum hat zusammen mit der Deutschen Telekom Stiftung das Konzept für die ExperimentierKüche entwickelt und umgesetzt. Unterstützt wird das Projekt von einem Fachbeirat und weiteren Partnern aus der Wirtschaft.

Den Teilchen auf der Spur

Das Deutsche Museum in Bonn legt den Schwerpunkt aber nicht nur auf Chemie. Es bietet eine Vielzahl an Workshops an, zum Beispiel als Ergänzung zum Physikunterricht von der 9. Klasse bis zur Oberstufe. In „Eine Welle verändert die Welt“ lernen Schulklassen der Stufen 8 bis 10 den bedeutenden Naturwissenschaftler Heinrich Hertz und dessen Werk kennen. Auf dem Programm stehen Experimente mit Gegenständen wie Handy, Fernbedienung, Radio oder Stimmgabel. Sie demonstrieren, wo und wie elektromagnetische Wellen wirken und wie sie heute eingesetzt werden.

Für 9. und 10. Klassen bietet das Museum einen Workshop zum Thema Radioaktivität an. Spielerische Elemente verdeutlichen den Atomaufbau nach Rutherford und führen die Schüler in die Welt der Alpha-, Beta- und Gammastrahlung ein. Dabei können sie Alpha- und Betateilchen live in der Nebelkammer des Museums beobachten. Der Einsatz eines Geiger-Müller-Zählers darf in diesem Workshop natürlich nicht fehlen.

Im dritten Workshop, für Schulklassen der Stufe 11 und 12, gehen die Schüler auf Teilchenjagd. Sie können an einem echten Elektronen-Beschleuniger experimentieren und weisen kosmische Teilchen mit einem Szintillationszähler selbst nach. Im Mittelpunkt steht die Entstehungsgeschichte und Funktionsweise von Teilchenbeschleunigern. Dabei stoßen die Schüler auch auf einen Nobelpreisträger aus Bonn: dem als „Teilchenjäger“ bekannten Physiker Wolfgang Paul.

Natur, Weltraum und Energie

Der Besuch des Deutschen Museums in Bonn oder des Odysseums in Köln passt gut in den Rahmen einer Klassenfahrt. Für die Übernachtung bieten sich hiesige Jugendherbergen an, zumal das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) ebenfalls Angebote für Schulklassen macht. In Dahme auf der nördlichen Seite der Lübecker Bucht schlafen die Schüler beispielsweise im sogenannten „Maulwurfshügel“, einem Sommerhaus mit einem nachhaltigen Heizungskonzept. Im fünftägigen Programm wird das naturwissenschaftliche Interesse der Schüler geweckt, indem sie die Kraft und Energie von Feuer, Wind und Wasser kennenlernen.

Einen „Ausflug“ zu den Sternen bietet die Jugendherberge in Bad Honnef an. Beim Blick durch das Spiegelteleskop ergeben sich einmalige Eindrücke und auf der Planetenwanderung können die Schüler anhand maßstabsgetreuer Modelle die Dimensionen des Weltraums ermessen. Absoluter Höhepunkt ist der Nachbau eines dampfenden Kometen aus –79 Grad Celsius kaltem Trockeneis.

In Bautzen heißt es Helme aufsetzen, denn beim Rundgang durch die Energiefabrik Knappenrode muss auf Sicherheit geachtet werden. Es geht vorbei an der lückenlos erhaltenen Brikettiertechnik hin zur alten Dampfturbine, die noch aus Kaiserzeiten stammt. Sie hat bis 1993 Strom für die Fabrik erzeugt. Dieser museumspädagogische Rundgang führt den Schülern vor Augen, welche Hebel der Mensch in Bewegung setzt, um Energie zu erzeugen, von der Braunkohle bis hin zu regenerativen Energien.

Wasser in all seinen Facetten

Naturerfahrung mit allen Sinnen: Viele Jugendherbergen bieten Programme zur Umweltbildung

Eine Klassenfahrt der ganz besonderen Art führt mitten in die österreichischen Alpen, genauer gesagt in den Nationalpark Hohe Tauern. Dort steht im Osttiroler Defereggental das Haus des Wassers, das für Schulklassen über das ganze Jahr verteilt mehrtägige Programme anbietet. Speziell ausgebildete Nationalpark-Ranger bringen den Schülern in altersgerechten Projekten alles Wissenswerte über Wasser, Klima und Wetter nahe – ein ganz besonderer Naturkundeunterricht in der abgeschiedenen Bergwelt des Defereggentals auf 1.440 Metern Höhe.

In den Werkräumen des Hauses führen die Schüler selbst Wasserexperimente durch und vertiefen ihre Kenntnisse über die wertvolle Ressource. Im Obergeschoss wartet der VisionGlobe auf die wissbegierigen Besucher, eine große Kugel, auf der eine Weltkarte projiziert wird, anhand derer das Klima der Erde sowie verschiedene Wetterszenarien dargestellt werden. Ergänzt wird der VisionGlobe durch einen Wandbildschirm, der weitere Informationen bereithält, einer großen Weltkarte aus wolkenfreien Satellitenaufnahmen und einer Leinwand für Filmprojektionen.

Natürlich geht es auch nach draußen, wo Schulklassen zum Beispiel den Uferbewuchs und das Abflussverhalten des nahgelegenen Schwarzbachs protokollieren oder anhand der Photovoltaikanlage auf dem Außengelände des Hauses die Prinzipien der Stromerzeugung aus Sonnenenergie erlernen. Und im Winter erfahren die Schüler, wie Pflanzen und Tiere in der rauen Natur überleben.

Forschen wie die Profis

Interessant für Groß und Klein: der Wasserströmungstisch im Haus des Wassers

Das Projekt „Gewässerforscher“ ist für Schüler ab der 9. Klasse gedacht. Sie vergleichen in diesem Projekt zwei Fließgewässer auf wissenschaftliche Weise: eines in der Nähe der eigenen Schule und das andere im Defereggental. Hierzu erhalten die Schüler professionelle Geräte, die sie in selbstständiger Gruppenarbeit einsetzen. Je nach Unterrichtsfach können biologische, chemische oder physikalische Schwerpunkte gelegt werden.

Der Fokus des Projekts liegt auf der wissenschaftlichen Arbeitsweise, angefangen von der Formulierung einer Forschungsfrage und dem Erstellen einer Hypothese bis hin zu deren Überprüfung im Haus des Wassers. Die Ergebnisse der Schüler hält ein nach wissenschaftlichem Muster aufgebauter Forschungsbericht fest. Der weiteren Karriere als Forscher steht nach einem Besuch im Haus des Wassers oder der anderen außerschulischen Lernorten nichts mehr im Weg.

Weitere Informationen:

www.deutsches-museum.de

www.hausdeswassers.at

www.jh-klassenfahrt.de

www.odysseum.de